Wie die Bezirke die Meldepflicht kontrollieren wollen

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Berlin: Ferienwohnungsverbot : Wenn das Heim weh tut

Gerade war der Mann, der eine Heuschrecke sein soll, beim Zahnarzt, er ist froh, dass es nicht weh getan hat, nun sitzt er in einem Café auf der Torstraße in Mitte. Der Mann heißt mit Vornamen Ronald, seinen Nachnamen will er nicht nennen. Zu oft schon galt er aufgrund der Tatsache, dass er Ferienwohnungen vermietet, als der Böse, dabei sprechen die sonstigen Fakten seines Lebens gegen die Schurkentheorie: Ronald ist 25 Jahre alt, studiert Sonderpädagogik und wohnt in einem Plattenbau am Rand von Pankow. Auf die Idee mit den Ferienwohnungen kam er, als er einen Weg suchte, sich sein Studium zu finanzieren. Er hatte erst Wirtschaft, dann Elektrotechnik begonnen, entschied sich dann für Sonderpädagogik und bekam dafür kein Bafög mehr. Bei einem Freund, der seine Wohnung tageweise vermietete, weil er schwer verliebt ständig bei seiner Freundin übernachtete, sah Ronald, wie gut das Geschäft funktioniert.

Also mietete er selbst eine Wohnung an, heruntergekommen, aber immerhin in Friedrichshain, tapezierte, strich und kaufte die Einrichtung von Doppelbett bis Toaster – Gesamtkosten: 6000 Euro. Zusammengespart hatte sich Ronald das Geld von seinem Job als Kassierer im Supermarkt. Es auszugeben hat sich gelohnt: Seit zwei Jahren vermietet Ronald die Wohnung über Airbnb an Touristen, alles ganz legal: Der Eigentümer ist einverstanden, und Steuern zahlt Ronald auch.

Rund 800 Euro verdient er pro Monat mit der Vermietung

Etwa 800 Euro verdient Ronald auf diese Weise, dafür arbeitet er 15 Stunden in der Woche, empfängt die Gäste zu allen Tages- und Nachtzeiten, putzt und macht die Wäsche. Gerade hat Ronald sein erstes Schulpraktikum absolviert, unterrichtet hat er Viertklässler in Lichtenberg, als Thema hatte er sich Plattenbauten ausgesucht, er bastelte sie in klein und aus Pappe mit den Kindern und erzählte ihnen dabei, dass die großen echten gebaut worden seien, um dem Wohnraummangel entgegenzuwirken.

Wohnraummangel. Das ist das Stichwort. Fühlt sich Ronald schuldig? Glaubt er, dass Berliner seinetwegen keine Wohnung finden? Ronald schüttelt den Kopf. Die Wohnung habe schon lange leer gestanden. Gerecht findet er das Verbot also nicht. Trotzdem hat er die Ferienwohnung nun beim Bezirksamt gemeldet. Das müssen, so steht es im Gesetz, alle Vermieter binnen drei Monaten tun.

Wer seine Wohnung nicht anmeldet, dem drohen 50 000 Euro Strafe

Ab Sommer werden dann 34 Mitarbeiter aus den Bezirksämtern versuchen, diejenigen ausfindig zu machen, die ihrer Meldepflicht nicht nachgekommen sind. Dabei gehen sie auch Hinweisen von Nachbarn nach. Den Eigentümern droht eine Strafe von bis zu 50 000 Euro. Ronald hat nun erst einmal zwei Jahre Ruhe. So lange dürfen die gemeldeten Ferienwohnungen weiterbestehen. Doch ganz fertig mit dem Studium wird Ronald wahrscheinlich erst in drei Jahren sein, und so lange, sagt er, würde er gern noch vermieten. „Meine Existenz hängt da dran.“

Etwa 900 Meter die Torstraße hinunter beklagt Saskia Höfler genau dasselbe, allerdings auf höherem Niveau – Höfler sitzt nicht in einem Café im Erdgeschoss, sondern in einem Dachgeschoss-Apartment mit zwei Terrassen, das sie im Auftrag eines Fotografen vermietet, der gerade in New York lebt. Saskia Höfler hat mal Schauspielerei studiert, als daraus nichts wurde, hat sie gekellnert und mit einer Freundin selbst gemachte Waffeln im Mauerpark verkauft. Einen Euro für jeden Touristen, das wär’s doch, sagte sie zur Freundin, als wieder einmal eine Reisegruppe an ihnen vorbeilief, und auch wenn das nur ein Scherz war: eines Tages beschlossen sie, mit ihrer Idee, an Touristen zu verdienen, ernst zu machen.

Aus der Idee ist eine Firma geworden

Die Wohnung eines Freundes in Prenzlauer Berg stand gerade leer, und Höfler fragte ihn, ob sie sie vermieten könnten. Inzwischen ist das zehn Jahre her und ihre Zwei-Frauen-Firma „Feels like home“ hat heute 200 Ferienwohnungen im Angebot, alle edel und schick. Das Geschäft, sagt Höfler, gehe gut, sie hätten es aber mühsam aufgebaut, und nun drohe ihnen durch das Zweckenfremdungsverbot in zwei Jahren das Aus: „Soll ich dann etwa wieder Kellnern gehen?“ Und überhaupt: „Die Ferienwohnungen helfen Berlin doch auch.“

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