Rap und Kampfsport gelangen ihm nicht

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Deutscher IS-Terrorist tot : Das Ende von Denis "Deso Dogg" Cuspert
Denis Cuspert schloss sich dem IS an.
Denis Cuspert schloss sich dem IS an.Foto: dpa

Cuspert versuchte es mit Hip-Hop. Die Idee kam ihm 2004 während der Haft, er saß wegen Körperverletzung und Drogendelikten. Unter dem Pseudonym „Deso Dogg“ inszenierte er sich als Gangster-Rapper, in seinen Songs huldigte er Kleinkriminellen, Zuhältern und Schlägern. „Willkommen in meiner Welt voll Hass und Blut“, hieß eines seiner Stücke. Während Kollegen wie Bushido, Sido oder Fler in dieser Zeit mit ähnlichen Ansagen berühmt wurden, bekam Cuspert keinen Plattenvertrag.

Vor sieben Jahren wollte Cuspert eine neue Karriere starten. Diesmal als Kampfsportler. Er entschied sich fürs „Grappling“, eine Variante, bei der es darum geht, den Gegner vor allem durch Griffe am Boden zu halten.

Es gibt Videos aus dieser Zeit, auf den meisten ist zu sehen, wie Cuspert seine Zweikämpfe verliert. „Zu ungeduldig war er“, sagt einer, der ihn aus Berliner Kampfsportstudios kennt. „Der brauchte viel Anerkennung, war undiszipliniert.“ Oft sei er ungestüm vorgeprescht und dann zu Boden gegangen. „Trainieren, verzichten, scheitern, wieder aufstehen - all das konnte er nicht.“ Cuspert sei schnell enttäuscht gewesen, ja beleidigt. Und es war klar: Den Ruhm, den er sich selbst prophezeit hatte, würde er beim „Grappling“ nicht erreichen.

Ab Anfang 2010 verkehrte Denis Cuspert häufiger in der Neuköllner Al-Nur- Moschee, traf dort auf Salafisten - die Szene, aus der die IS-Anhänger stammen. Cuspert lernte den deutschen Konvertiten und Ex-Boxer Pierre Vogel kennen, einen islamistischen Star. Auf Cusperts Rap-Vergangenheit anspielend, gab Vogel ihm den Ratschlag, er solle sich lieber „ein anderes Beschäftigungsfeld“ suchen. Cuspert rief seine Fans auf, sich von Rapmusik abzuwenden. Einmal lud er auch Bushido in die Al-Nur-Moschee ein. Der kam aber nicht.

Rapmusik sei „zu 100 Prozent haram“, also aus islamischer Sicht verboten, befand Cuspert nun. Sie führe unter anderem dazu, dass muslimische Mädchen fremden Männern hinterherliefen. Er kündigte an, schnellstmöglich „Youtube zu kontaktieren, dass sie meine Musik rausnehmen“. Auch dies klappte nicht.

Was genau ihn dazu brachte, seine erfolglosen Musik- und Kampfsportversuche zugunsten des Salafismus aufzugeben, lässt sich nur vermuten. Ermittler sehen Cuspert als Blaupause des typischen deutschen Extremisten: Am radikalen Islamismus habe ihn nicht so sehr die Ideologie gereizt als vielmehr das soziale Angebot der Gruppe. Die Zusammengehörigkeit. Die Chance auf Anerkennung. Und eine Aufgabe.

Die Menschen, die in der westlichen Welt Gesetze machten, seien „schwul, kokainsüchtig, pädophil“, sagte Denis Cuspert nun - allesamt „einfach ekelerregend“. Im Juni 2011 pries er den kurz zuvor in Pakistan getöteten Osama bin Laden, rief zum Krieg gegen den Westen auf. Die Staatsanwaltschaft ermittelte, deutsche Medien berichteten - sogar die „New York Times“ fragte an. Er empfing Journalisten und erklärte, er fände es gut, wenn Islamisten in Deutschland amerikanische Soldaten töteten. Da war er plötzlich, der ersehnte Ruhm. Cuspert war, auf eine Art, groß rausgekommen.

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