Mit harter Hand. Wie Weselsky die GDL führt

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GDL-Chef Claus Weselsky im Porträt : Bahn brechend
Tunnelblick. Claus Weselsky war selbst Lokführer, heute vertritt er 16 000. Der Sachse gilt als harter Verhandlungspartner und Freund der Wiener Klassik.
Tunnelblick. Claus Weselsky war selbst Lokführer, heute vertritt er 16 000. Der Sachse gilt als harter Verhandlungspartner und...Michael Koerner

Schon sein Vorgänger Manfred Schell kämpfte mit harten Bandagen, schimpfte seinen Widerpart Hartmut Mehdorn im Tarifstreit 2007 ein „Rumpelstilzchen“ und einen „Außerirdischen“. Doch Schell war anders, umgänglicher, humorbegabt. In einer Verhandlungspause lief Mehdorn einmal um ihn herum, fasste sich an die Nase, um zu zeigen: Der führt mich am Ring durch die Manege. Ein solcher Scherz mit Weselsky – kaum vorstellbar.

Der ist ein Mensch mit klaren Zielen. Spätestens seit der Wende. 1975 bei der Reichsbahn als Schienenfahrzeug-Schlosser angefangen, hatte er mit dem Freien Deutschen Gewerkschaftsbund in der DDR nichts am Hut. Erst 1990 kam seine Stunde: In Scharen strömten die Lokführer im Osten zur GDL, 95 Prozent von ihnen sind heute in der Gewerkschaft. Weselsky übernahm den Vorsitz der Ortsgruppe Pirna, 2002 wurde er hauptamtlicher Mitarbeiter. Bekannt wurde er erstmals 2007, als sich die GDL einen eigenen Tarifvertrag erstritt. Damals war er noch Strippenzieher und Stellvertreter des Chefs Schell, als der sich mitten in der heißen Phase zur Kur verabschiedete – und kurz nach der Einigung in die Rente.

Er führt kompromisslos, mit eiserner Härte

Seitdem führt Weselsky die GDL, als erster Ostdeutscher an der Spitze einer wichtigen Gewerkschaft. Und zwar so, wie auch den Arbeitskampf – kompromisslos, mit eiserner Härte. Alle Entscheidungen fällt am Ende er. Als „Choleriker“ beschreibt ihn einer, der ihm ansonsten wohlgesonnen ist.

Wie strikt die GDL auf den Chef ausgerichtet ist, lässt sich bei ihren Versammlungen beobachten. Wenn Weselsky redet, ist es mäuschenstill, die Lokführer blicken ehrfurchtstvoll zum Podium. Obwohl er nicht eben ein gewinnender Redner ist, Weselsky presst eher seine Parolen in den Saal. Doch die Mitglieder mögen das und zeigen es mit donnerndem Applaus.

„Der duldet keinen Widerspruch“, sagt einer, der lange mit ihm in der GDL-Zentrale in Frankfurt am Main zusammengearbeitet hat. Die Leiter der sieben Gewerkschafts-Bezirke hat Weselsky persönlich ausgesucht. Die Organisation ist so schlagkräftig wie kaum eine andere, mit nur minimalem Aufwand kann sie das Land lahmlegen.

Nur nicht so werden wie die anderen Gewerkschaften, denen über Jahre scharenweise die Mitglieder davongelaufen sind – das treibt Weselsky an. Ein „Offenbarungseid“ sei der Organisationsgrad der Beschäftigten von durchschnittlich nur noch 18 Prozent hierzulande. „Ich möchte dafür sorgen, dass das anders wird.“

Seine Stellvertreter ließ er hinauswerfen

Wer den Kurs der Spitze in Frage stellt, muss mit unangenehmen Folgen rechnen. Wie seine beiden Stellvertreter, die er vergangenes Jahr hinauswerfen ließ, weil sie nicht auf Linie waren. Von einer „Säuberungsaktion“ sprechen die innergewerkschaftlichen Gegner seitdem. Selbst Ex-Chef Manfred Schell, einst ein Förderer, hat sich von ihm abgewandt und staunt über Weselskys Eifer: „Der tut so, als würde er in den Heiligen Krieg ziehen.“ Deshalb hat sich Schell den Weselsky-Gegnern angeschlossen. „Initiative für Rechtsstaatlichkeit und Demokratie in der GDL“ nennen sie sich – ein Name, der für sich spricht. Sie befürchten schwere Schäden für ihre 1867 gegründete Gewerkschaft, die älteste im Land. Und wollen Weselskys Rücktritt.

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