Die Parkläufer standen früher am Lageso

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Görlitzer Park in Berlin-Kreuzberg : Auf Augenhöhe mit den Drogendealern
Veysel (links) und Shpetim sind seit Ende April im Einsatz.
Veysel (links) und Shpetim sind seit Ende April im Einsatz.Doris Spiekermann-Klaas

Theoretisch sollen die Parkläufer auch einschreiten, wenn Hundehalter ihre Tiere nicht an die Leine nehmen. Im Moment sind sie noch nachsichtig. Sobald im Sommer auf dem Dach des angrenzenden Hallenbads das neue Hundeauslaufgebiet eröffnet werde, gebe es aber kein Pardon mehr.

Als die Anwohner, die sich das Konzept ausgedacht haben, ihre Ideen Ende März der Kreuzberger Öffentlichkeit vorstellten, stießen sie auf Verwunderung und Skepsis. Verständlich, sagte einer der Initiatoren. Angedacht sei schließlich ein völlig neues Berufsbild, da erwarteten „manche sicher die eierlegende Wollmilchsau“. 150 Menschen hatten sich in der Emmaus-Kirche am Lausitzer Platz eingefunden. Als ihnen mitgeteilt wurde, Securityfirmen hätten sich für die Parkläuferjobs beworben, regte sich Widerspruch im Plenum. Einige fürchteten, die Aufpasser würden den Besuchern jeden Spaß verderben, am Ende noch das Rauchen von Joints unterbinden. Aber nicht doch, hat ein Mitglied der Arbeitsgemeinschaft da geantwortet. Es gebe schließlich einen Grund dafür, dass sie keine Polizei im Park wollten: „Weil die eben dem Legalitätsprinzip verpflichtet ist und jedem Verstoß nachgehen muss.“

Andere wandten ein, Securitys hätten schon aus Prinzip nichts im Park verloren. Die stünden, systemtheoretisch gesehen, für Hierarchie und Kontrolle. Eine Frau warnte: „Da ist Stress doch garantiert.“ Auch auf diesen Einwand waren die Initiatoren vorbereitet. „Natürlich werden es nicht diese Muskelpakete sein, die abends vor den Diskos stehen.“ Vielmehr handele es sich um „hoch qualifizierte, speziell ausgebildete Leute, die über kommunikative und soziale Fähigkeiten verfügen“. Die eine Konfliktschulung durchlaufen hätten, Mediations- und Moderationserfahrung besäßen. Der Mann vom Bezirksamt verriet dann noch, dass es zwei Unternehmen in die engere Auswahl geschafft hätten.

Wie Spysec Security den Auftrag bekam

In seinem bunten Bauwagen erzählt Cengiz Demirci jetzt, wie die Entscheidung letztendlich fiel. Weil einer der Bewerber sein finales Angebot schriftlich einreichte, obwohl eine Einsendung per Mail vorgeschrieben war, erhielt der Konkurrent den Zuschlag. Es handelt sich um die Firma Spysec Security. Das ist ausgerechnet der Sicherheitsdienst, der lange die Wachmänner am Lageso stellte und dort in die Kritik geriet, als auf Youtube mehrere Videos auftauchten. Sie zeigten, wie Spysec-Mitarbeiter auf Geflüchtete einprügelten und -traten.

Cengiz Demirci sagt, aus Neutralitätsgründen habe die Ausschreibung natürlich allen offengestanden. Er habe dann selbst recherchiert und mit den Verantwortlichen der Firma gesprochen. „Die haben mir versichert, dass die Vorfälle damals in den Medien verzerrt wiedergegeben wurden. Die betroffenen Personen sind außerdem nicht mehr in dem Unternehmen tätig.“ Insgesamt seien die Erfahrungen, die am Lageso gemacht wurden, vermutlich eher hilfreich.

An den Wänden des Wohnwagenbüros hängen Unmengen von Visitenkarten. Vom Präventionsbeauftragten der Polizei, Streetworkern, Johannitern und Caritas, vom Verein „Transkulturelle Suchtarbeit“ und der „Initiative Schwarze Menschen in Deutschland“. Mit allen hat der Parkmanager gesprochen, ist hingegangen und hat gefragt, was sie denn glaubten, wie dem Görlitzer Park geholfen werden könne.

Es gibt viele, die sich einen noch radikaleren Schritt wünschen - einen sogenannten „Toleranzraum“ in einer Ecke des Parks, in der Dealer ungestört ihren Geschäften nachgehen könnten, sofern sie Regeln beachten. Kein Verkauf außerhalb dieses Bereichs. Kein Verkauf an Minderjährige. Der Kunde kommt zum Dealer, nicht umgekehrt. Cengiz Demirci hält das für eine gute Idee, bezweifelt aber, dass die Politik sich derartiges traut. „Jemand im Senat müsste sich den Hut aufsetzen und sagen: Wir probieren das jetzt.“ So einen sieht er weit und breit nicht. SPD-Innensenator Andreas Geisel hat zwar verkündet, er finde das Konzept der Parkläufer interessant. Ein gleichzeitiges Zurückfahren der Polizeiarbeit gilt aber als unwahrscheinlich.

Sowieso glaubt Demirci, die meisten Dealer würden nicht eine Minute länger im Park stehen, hätten sie eine legale Möglichkeit zum Geldverdienen. Deshalb will er ihnen eine „Exit-Strategie“ anbieten. „Dafür müssen wir allerdings erst wissen, wer genau da eigentlich ist.“ Diesen Sommer will Demirci eine anonymisierte Umfrage unter den Dealern durchführen. Mit Punkten wie: Seit wann bist du hier und woher kommst du? Hast du schon mal eine Rechtsberatung gehabt? Wann warst du zuletzt beim Arzt?

Man solle ihn aber nicht falsch verstehen, sagt Demirci. Nur mit Verständnis, Milde und Gesprächen werde es nicht funktionieren. „Vieles ist bis jetzt konsequenzlos durchgegangen, das wollen wir ändern.“ Es brauche einen Maßnahmenkatalog, abgestimmt mit Polizei und Anwohnern. Zum Beispiel könnte man an den Ausgängen Zivilbeamte platzieren, die jeden Touristen dazu zwängen, seinen Rucksack zu leeren. „Das machen wir vier Mal, und die Nachfrage bricht ein.“ Weil Berlinbesucher dann wüssten: Im Görli kannst du zwar Drogen kaufen, aber das Mitnehmen wird schwierig.

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