Drogen an Kinder? Werden sie nicht hinnehmen

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Görlitzer Park in Berlin-Kreuzberg : Auf Augenhöhe mit den Drogendealern
Parkmanager Cengiz Demirci in seinem Bauwagen.
Parkmanager Cengiz Demirci in seinem Bauwagen.Doris Spiekermann-Klaas

Werktags ist jeweils ein Parkläuferduo im Einsatz, von 14 bis 22 Uhr. „Das ist zu wenig“, sagt Shpetim. Sobald sie eine Ecke passiert haben, wissen die Dealer, dass sie mindestens eine Stunde lang ungestört bleiben. An Wochenenden und Feiertagen patrouillieren die Parkläufer immerhin zu viert. In ihrem Team sind Türken, Araber, Albaner und Deutsche. Bald soll einer hinzustoßen, der auch viele afrikanische Sprachen beherrscht. „Der wird unser Dolmetscher“, sagt Veysel. An diesem Montag werden Shpetim und er auf der Nordostseite im Vorbeigehen von einem jungen Dealer angesprochen. Der fragt: „Weed?“ Shpetim antwortet: „Arbeit.“

Weil die Parkläufer kein Hausrecht haben, dürfen sie keine Platzverweise erteilen. Im Ernstfall können sie nur das Ordnungsamt oder die Polizei rufen. In welchen Ernstfällen so? „Wenn wir zum Beispiel sehen würden, dass Drogen an Kinder verkauft werden. Oder bei Gewalt.“

Das Areal ist unter den Dealern aufgeteilt. Im Innenbereich und an fast allen Eingängen stehen junge Männer aus ost- oder westafrikanischen Staaten. Veysel nennt sie „die Friedlichen und Entspannten“. Unangenehm sei bloß der kurze Abschnitt im Nordwesten zwischen dem ehemaligen Pamukkale-Brunnen und der Skalitzer Straße. Da operiert eine Gruppe Nordafrikaner. „Die schimpfen hinter uns her, sind aggressiv.“ Hier geschehen auch die meisten Raubüberfälle.

Absolute Sicherheit wird es nicht geben

Der Mann, der sich die Routen der Läufer ausgedacht hat, sitzt in einem bunt angemalten Bauwagen im Nordwestteil des Areals, direkt neben dem Café Edelweiß. Cengiz Demirci ist der Parkmanager. Er berichtet, er habe in den ersten Wochen viel Lob erhalten. „Parkbesucher sagen, alleine die Anwesenheit meiner Jungs bewirke einen Unterschied.“ Darum gehe es letztlich auch: das subjektive Sicherheitsgefühl zu verbessern. „Wir können keine absolute Sicherheit schaffen, das gelingt nicht mal der Polizei. Aber wir erzeugen ein Gefühl, das die Menschen dazu bringt, wieder hierherzukommen.“

Cengiz Demirci will den Park beleben. Für Räume und Ecken, die derzeit ungenutzt sind, Angebote schaffen. Tischtennisplatten und Fitnessstangen aufstellen, Felder für Beachvolleyball herrichten, auch einen Bouleplatz. Ein verwilderter Grünstreifen, der abgesperrt ist, seit dort vor sechs Jahren eine Frau vergewaltigt wurde, könnte zum Lernort werden, an dem Umweltschützer Schulkindern die Natur erklären. Auch Urban Gardening sei denkbar, ein Fußballturnier ... Demirci sagt: „Je mehr Aktivitäten wir hier starten, desto weniger Räume haben die Dealer und Abzocker. Die wollen schließlich keine Zeugen.“ Das sei ein natürlicher Verdrängungsmechanismus.

Auf ihrer Runde werden Veysel und Shpetim von einem Mann mit Rastalocken angesprochen. „Ihr seid doch die, die gegen Drogen vorgehen, oder?“ Bevor Veysel das Konzept erklären kann, erzählt der andere, seine Freunde würden gelegentlich durch die Büsche streifen, um nach Alupäckchen zu suchen. „Die nehmen sie dann mit. Als Zeichen für die Dealer, dass wir uns nicht alles gefallen lassen.“ Und geben sie die Drogen bei der Polizei ab? „Nee, eher nicht.“

Ein paar Meter weiter müssen die Läufer zum ersten Mal durchgreifen. In einer Ecke, direkt vor der Mauer zur Skalitzer Straße, versucht eine Familie zu grillen. „Entschuldigung, aber das geht hier nicht“, sagt Veysel. Grillen sei nur am entgegengesetzten Ende erlaubt.

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