Der Vater war ein Patriarch

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Israels Premierminister : Benjamin Netanjahu geht in die Offensive

Netanjahu hat sämtliche relevanten Ämter bereits bekleidet. Er war Oppositionsführer, UN-Botschafter, Finanz- und Außenminister. Seit 2009 ist er Regierungschef. Immer wieder ist es ihm gelungen, sogar in scheinbar aussichtslosen Situationen Koalitionen zu schmieden. In der zersplitterten Parteienlandschaft Israels ist das ein Kunststück.

Dabei ist Netanjahu von seinen politischen Prinzipien während all der Jahre kaum abgerückt. Für ihn zählt allein der Erhalt des jüdischen Staats, um jeden Preis. Ähnlich wie Ben Gurion glaubt der heutige Premier, er allein habe die Kraft, den Staat vor Schaden zu bewahren.

Dieser Glauben prägt ihn politisch wie persönlich. Das hat wohl viel mit seinem Elternhaus zu tun, vor allem mit dem Vater. Auf den kommt Netanjahu im kleineren Kreis immer wieder zu sprechen. Ehrfürchtig und bewundernd klingt das oft. Benzion Netanjahu war ein Patriarch, eine Autorität. Mit der Familie 1920 nach Palästina eingewandert, betonte er unermüdlich das biblische Recht der Juden auf Großisrael. Den Arabern traute Benzion Netanjahu nicht über den Weg. In einem Interview sagte er 2009: „Die Neigung zum Streit liegt in der Natur des Arabers. Er ist der geborene Feind. Seine Persönlichkeit erlaubt ihm keinen Kompromiss.“

Vier Geiseln kamen ums Leben – sein Bruder auch

Auch als angesehener Historiker und Herausgeber der „Encyclopaedia Hebraica“ hielt Benjamin Netanjahus Vater an seiner ultrarechten Haltung, seinem fanatischen Zionismus fest. Es scheint, als fühle sich der Sohn diesem Vermächtnis zumindest in Teilen verpflichtet.

Mit militantem Extremismus kennt sich Benjamin Netanjahu aus. 1976 war sein Bruder Jonatan der Anführer jener israelischen Spezialeinheit, die im ugandischen Entebbe die Passagiere einer Air-France-Maschine aus der Hand von deutschen und palästinensischen Terroristen befreite. Vier Geiseln kamen ums Leben – Jonatan Netanjahu auch. Später bemühte sich der jüngere Bruder Benjamin, ihm ein Denkmal zu setzen.

Wenige Jahre nach dem Drama entschied er sich, die Wahlheimat USA zu verlassen, einen lukrativen Job aufzugeben und nach Israel zurückzukehren. Zwar ging es noch einmal zurück nach Amerika, als Vize-Botschafter in Washington und dann als Vertreter bei den Vereinten Nationen. Doch der Grundstein für eine Karriere in Israel war damit gelegt.

1988 zog Netanjahu für den konservativen Likud in die Knesset. 1996 wurde er zum Ministerpräsidenten gewählt.

Jeder hat zwei Meinungen über den Mann

Wer ist Benjamin Netanjahu? Auf diese Frage gibt es in Israel mindestens 17 Millionen Antworten, glaubt Biograf Caspit. Das ist die doppelte Zahl der Einwohner. Jeder hat zwei Meinungen über den Mann, der seit Jahren das jüdische Leben in vielerlei Hinsicht mitbestimmt.

Die nächsten Tage werden zeigen, ob zum Guten oder Schlechten. Iran-Abkommen, Botschaftsumzug, die Kämpfe in Gaza, der Konflikt an der Nordgrenze – für Netanjahu und sein Land steht viel auf dem Spiel. Das weiß der Premier. Und er will an der Macht bleiben. Auch das steht für ihn fest.

Weil er Israel schützen will, mit allen Mitteln.

Bringt Netanjahu damit womöglich den jüdischen Staat in Gefahr? Diese Frage kommt ihm nicht in den Sinn.

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