Gut investiert: Warum Geld für Küblböck keine Rolle spielt

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Let's Dance : Daniel Küblböck versucht das Comeback
Keiner von der Stange. Daniel Kübelböck polarisiert und provoziert: sowohl Fanpost wie Morddrohungen.
Keiner von der Stange. Daniel Kübelböck polarisiert und provoziert: sowohl Fanpost wie Morddrohungen.Foto: Breuel-Bild/Daniel Hinz

Finanzielle Sorgen hat er keine. Ein Steuerberater gab ihm früh den Tipp: Investieren Sie in Solaranlagen. Die rot-grüne Bundesregierung hat damals gerade Subventionen versprochen. Küblböck hört auf den Rat und gründet ein Unternehmen, die „Positive Energie GmbH“. Hat sich ausgezahlt, sagt er heute. Die Subventionen sind auf 20 Jahre sicher. Außerdem hat sich der Sänger zwischenzeitlich von einer Millionärin adoptieren lassen, heißt seitdem offiziell Daniel Kaiser-Küblböck. Auf das Künstlerleben mit all seinen Versuchen, den Niederlagen und auch Demütigungen mag er dennoch nicht verzichten.

Die Frage ist, warum eigentlich?

Vielleicht hilft ein Blick in seine Autobiografie. Die hat er bereits 2003, im Alter von 18 Jahren, veröffentlicht. Sie heißt „Ich lebe meine Töne“ und wird längst nicht mehr verlegt, wer sie kaufen möchte, muss ins Antiquariat. Küblböck beschreibt darin ausführlich seine schwierige Kindheit, Probleme mit Mama und Papa, das Anderssein, Außenseitertum. Und er erklärt auch, warum er ins Showgeschäft wollte. Nämlich nicht, um ein Star zu werden. Auch nicht aus Geldgier. Er schreibt: „Ich bin geil darauf zu zeigen, was in mir steckt.“

Küblböck ist ein Produkt des Privatfernsehens. Und er hat es selbst mitgeformt. Vermutlich ist eine Prominenten-Tanzshow wie „Let’s Dance“ überhaupt nur denkbar, weil es Typen wie Daniel Küblböck gibt, die keine Angst vor dem Fiasko haben. Weil sie wissen, dass es danach weitergeht und dass Scheitern kein Stigma ist. Jeder blamiert sich, so gut er kann.

Wenn ein Prominenter heute ins Abseits gerät, dann nicht wegen seiner Ausrutscher, sondern trotz.

Der denkwürdigste Tag seiner Karriere: der 24.2.2004

Der denkwürdigste Tag seiner Karriere, vielleicht der bedeutendste, ist dann konsequenterweise auch jener 24. Februar im Jahr 2004. Daniel Küblböck fährt in Niederbayern auf der Landstraße in einem Opel Astra und kollidiert mit einem Laster, der tausende Gurkengläser transportiert. Vollschaden. Der Unfall schafft es in die Tagesschau. Später stellt sich heraus, dass Küblböck nicht nur schuld ist, sondern gar keinen Führerschein besaß. Über den Sänger ergießt sich Häme – aber er wirkt auch grundsympathisch, denn er ist einer, der weitermacht. Es spricht vieles dafür, dass sich Küblböck-Fans noch an den Gurkenlaster erinnern werden, während der Auftritt im Dschungelcamp bereits vergessen sein wird.

In Daniel Küblböck hat sich materialisiert, was Christoph Schlingensief schon Ende der 1990er Jahre postulierte: „Scheitern als Chance“.

Aber da ist ja noch die Tour. Das Riesenkonzert im Berliner Tempodrom. Wenige Tage vor dem Termin, in dem Wilmersdorfer Tanzstudio, wirkt der Sänger euphorisch.

„Herr Küblböck, wie läuft der Kartenvorverkauf? Wird es denn voll?“

„Und wie! Das Konzert ist sogar ausverkauft.“

Eine Sensation, denkt man. Ein Triumph. Doch wie sich dann herausstellt, handelt es sich gar nicht um das große Tempodrom mit 3700 Plätzen, sondern um die kleine Halle daneben, 500 passen rein. „Aber nächstes Mal“, sagt Küblböck“, „buchen wir dann die große“.

Der Text erschien auf der Dritten Seite des gedruckten Tagesspiegels.