Inspektoren der Stadt suchen nach illegal vermieteten Wohnungen

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Touristenschwemme : Barcelona wehrt sich

In La Barceloneta reden sie nicht gern mit Fremden, die mit Mikrofonen und Kameras kommen, auf dass der Rest der Welt noch neugieriger wird. Sind eh schon genug da in den alten Barceloneta-Häusern. Fünfstöckige Kästen, vier Wohnungen auf einer Etage, drei Zimmer auf 38 Quadratmetern. Das ist bescheiden für eine Familie, aber großartig für ein Party-Wochenende.

Kein Tourist hat sich früher hierher verirrt. Das alte La Barceloneta war nicht nur das Viertel der Hafenarbeiter und Fischer, sondern auch das der Diebe, Dealer und Nutten. Die Wende kam 1992, mit den Olympischen Spielen und dem Anspruch, Barcelona zum Meer zu öffnen. Die Baracken an der Küste wurden ebenso geschleift wie die Anlagen des Industriehafens. La Barceloneta bekam eine Seilbahn und einen kilometerlangen Sandstrand, der Bürgermeister pries ihn als „gelebte städtische Sozialdemokratie“.

Wer an Touristen vermietet, verdient mehr

Im dritten Jahrtausend wird die Sozialdemokratie global gelebt, mit jungen Leuten aus aller Welt, die nach Sonne und Party begehren. David Garcia wohnt – noch – in der Carrer Guitert, einer der langen und engen Straßen, die das Viertel in Nord-Süd-Richtung durchziehen. Für seine Wohnung im vierten Stock zahlt er im Monat 505 Euro Miete plus Nebenkosten. „Aber wer an Touristen vermietet, verdient 1200 Euro. In der Woche!“ David Garcia hat sich damit abgefunden, dass der Eigentümer seiner Wohnung auf dieses Geschäft nicht verzichten wird.

Warten auf Einlass.
Warten auf Einlass.Foto: picture alliance / dpa

Offiziell sind in La Barceloneta 72 Touristenwohnungen gemeldet. Auf Portalen wie „Airbnb“ gehen die Angebote in die Hunderte. Wenn David Garcia die Treppen zu seiner Wohnung im vierten Stock hinaufsteigt, trifft er jeden Tag neue Nachbarn. „Wisst ihr, woran man die Wohnungen der Touristen erkennt? An den Handtüchern, die zum Trocknen an den Balkonen hängen. Handtücher hängen hier nur die Touristen raus.“

Die Straße ist ein Meer von Handtüchern.

Erkennungsmerkmal: Rollkoffer

Die Politik tut sich schwer mit der gar nicht mehr so friedlichen Koexistenz zwischen Besuchern und Besuchten. Der Tourismus ist wichtig in einer Stadt, die immer noch unter den Folgen der Finanzkrise leidet und in der jeder zweite Jugendliche arbeitslos ist. Die führende Tageszeitung „La Vanguardia“ vergleicht die Demonstrationen gegen die Gäste mit dem Werfen von Steinen auf das eigene Dach. Aus dem Rathaus heißt es auf Anfrage vage: „Der Tourismus ist positiv, aber wir müssen die Qualität und Ausgewogenheit wahren.“ Und: „Barcelona ist auf der Suche nach einem Qualitätstourismus, und dazu gehört der Respekt vor dem Alltag der Bewohner.“

Die Stadt hat angekündigt, sie werde verstärkt Wohnungen in La Barceloneta kaufen und an Einheimische vermieten. Inspektoren aus dem Rathaus fahnden vor Ort nach Schwarzvermietern. Das ist ein mühsames Geschäft. Manchmal aber kommt auch der Zufall zur Hilfe.

Neulich, ein paar Tage nach der Sache mit den Italienern, als die Bewohner von La Barceloneta schon alle Zurückhaltung abgelegt und ihre Wut auf die illegalen Touristen entdeckt hatten – neulich also gab es einen nächtlichen Auflauf vor einem Haus. Drei Frauen standen da, mit ihren Rollkoffern deutlich zu erkennen als Touristen, und sie wollten in eine Wohnung, die keineswegs als Touristenapartment angemeldet war. Eine Anwohnerin alarmierte die Polizei, aber als die eintraf, war auch schon die Besitzerin der Wohnung zugegen. Alles kein Problem, sagte die Frau, „das sind keine Touristen, das sind drei gute Freundinnen, die mich für ein paar Tage besuchen wollen“.

Vielleicht wäre die Frau damit sogar durchgekommen. Wenn sie denn wenigstens die Namen ihrer drei guten Freundinnen gekannt hätte.

Dieser Text erschien auf der Dritten Seite.

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