Früh stand er im Berliner Hebbeltheater auf der Bühne

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Zum Tod von Götz George : Mit dem Leben gespielt


Bald folgte die erste Durchsuchung durch die Russen, und der kleine Götz dachte, sie würden nun alle erschossen, aber es endete mit Gesang im Wohnzimmer. Später verschwand der Vater, denunziert und als Darsteller in „Jud Süß“ und „Kolberg“ ohnehin verdächtig, aber doch im NKWD-Gefängnis Hohenschönhausen, wo Götz, sein älterer Bruder Jan und die Mutter ihn 1946 vor dessen Verlegung nach Sachsenhausen das letzte Mal sahen.

Vier Jahre später stand der kleine Götz im Berliner Hebbeltheater als Hirtenjunge selbst auf der Bühne, damals noch Schüler der privaten Berthold-Otto-Schule in Lichterfelde. „Reizend, glücklicherweise nicht zu bewusst, meisterte er die Szenen“, lobte Walther Karsch im Tagesspiegel. Den Zensuren war das erste Engagement freilich nicht förderlich. „Götz hat so sehr viel in der Schule gefehlt und deshalb sehr viel Schwierigkeiten bei der Erarbeitung des Schulstoffes. Er hat jetzt im Theater eine große Rolle in ,Mein Herz ist im Hochland’ zu spielen und ist dadurch sehr angestrengt gewesen“, beklagte sein Klassenlehrer Ende 1950. Dem schnellen Vorankommen als Schauspieler waren die schulischen Defizite aber nicht im Wege. Später erhielt er eine gründliche Ausbildung beim Ufa-Nachwuchsstudio in Berlin unter Else Bongers, wurde Ensemble-Mitglied am Deutschen Theater Göttingen unter Heinz Hilpert, heimste bereits 1960 den Bundesfilmpreis als Nachwuchsschauspieler ein für die Rolle eines Boxers in „Jacqueline“.

Der Unfall markierte eine Zäsur

Stets führte ihn die Arbeit auch zurück nach Berlin. So ritt er für den Berliner Produzenten Horst Wendland als draufgängerischer Teenie-Schwarm in gleich drei Karl-May-Filmen durch Jugoslawiens Wilden Westen, erstmals 1962 in „Der Schatz im Silbersee“. George war 1989 in Frank Beyers Ganovenfilm „Der Bruch“ dabei, der den Einbruch der Pannewitz-Bande 1951 in die Eisenbahnverkehrskasse der Reichsbahndirektion Berlin zum Vorbild hatte.

Er durchstreifte in dem Erotikthriller „Solo für Klarinette“ mit Corinna Harfouch den Schöneberger Sozialpalast und zeigte 1998 im zweiten Teil der „Bubi-Scholz-Story“ den Niedergang des Berliner Boxidols. Auch sein schwerer Schnorchelunfall 1996 vor Sardinien, seiner Wahl- und Rückzugsheimat, der Georges Karriere fast beendet hätte, fand in Berlin ein gutes Ende – im Operationssal des Evangelischen Waldkrankenhauses Spandau.

Der Unfall markierte eine Zäsur. Ein heranrasender Motorbootfahrer hatte den Schwimmer übersehen, die Schiffsschraube verletzte ihn am linken Bein schwer. Immerhin ein – später kassiertes – Argument im Schmerzensgeldverfahren dürfte George zumindest grimmig amüsiert haben. Das Landgericht München I befand, der stets auf seine sportliche Kondition bedachte Star sei „einfach drauflosgekrault“, deshalb treffe ihn eine Mitschuld.

Beiläufiges Protzen

Drauflosgekrault mit bleibenden Rollen ins ganz große Kino ist George erst 1991, nachdem das „Tatort“-Jahrzehnt vorbei war. Und seine bleibendsten Rollen mit bestechender mentaler Fitness und physischer Präsenz hat er allesamt gespielt, bevor das Fernsehen ihm mit „Schimanski“ 1997 den roten Teppich des eigenen Formats ausrollte. Auch „Rossini oder die mörderische Frage, wer mit wem schlief“ – der zweite und letzte Film, mit dem der geniale Wenigfilmer Helmut Dietl die komödiantische Seite des einstigen Ruhrpott-Rabauken erforschte und der im Januar 1997 zum Millionenhit im Kino wurde – war vor dem Unfall bereits abgedreht.

Die Münchner Schickeria-Satire „Rossini“ ist ein Ensemblefilm, wie ihn das deutsche Kino so stimmig selten hervorbringt – doch selbstverständlich stand Götz George damals im Trailer an erster Stelle. Er spielt darin, weniger dick auftragend als seine Kollegen, den Filmregisseur Uhu Zigeuner, der Bussis verteilt und schon mal im knappen Unterhemd schmächtigeren Geschlechtsgenossen wie Joachim Król seinen prächtigen Oberkörper zeigt.
Ein bisschen erinnert das beiläufige Protzen an Georges französischen Kollegen Jean-Paul Belmondo, der seine Actionszenen stets ohne die Hilfe von Stuntmen zu erledigen wusste. Und gegenüber dem eleganten, in Weiß gekleideten Filmproduzenten, den Heiner Lauterbach im Biotop des Münchner Nobelitalieners Rossini gibt, fungiert Götz George drastisch als der erdige Typ.

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