Dr. Om : Kleine Meditationen über die großen Fragen des Lebens - Folge 7

"Mir gegenüber wohnt ein schlecht erzogener Hund, der mich seit Monaten mit seinem ständigen Gebell nervt. Weil ich ab und zu über den Zaun brülle, kann ich nicht mehr einfach rübergehen und mit den Nachbarn reden. Aber das Bellen macht mich fertig - was soll ich tun?"

Oren Hanner
Im Buddhismus steht das Glückssymbol des ewigen Knotens für die Verbindung von Weisheit und Leidenschaft, von Religion und Weltlichkeit - und für die Liebe.
Im Buddhismus symbolisiert der "ewige Knoten" die Verbindung von Weisheit und Leidenschaft - und die Liebe.

Dauerlärm ist eine echte Belastung, die großen Stress verursachen kann. Glücklicherweise gibt es verschiedene Methoden - äußerliche und innerliche - um mit dieser Lage fertig zu werden.

Äußerlich könnten Sie auf eine hundefreie Insel im Pazifik umsiedeln. Oder Sie bezahlen ein Training für den widerspenstigen Hund. Oder Sie kaufen sich einfach Silikon-Ohrstöpsel.

Dies alles aber kann sich auf Dauer als wenig hilfreich erweisen, wenn neue störende Geräusche, Gerüche oder Kollegen unerwartet in Ihrem Leben auftauchen.

Daher sollten Sie möglicherweise innerliche Strategien erwägen. Der Lehrer Shantideva (8. Jh.) sagte: "Ich kann auch nicht alle unerwünschten äußeren Dinge von mir fernhalten. Doch meinen Geist allein werde ich mäßigen. Wozu muss ich dann noch die anderen Dinge abwehren?"

Aufhören, nach Glück und Leid zu gieren

Wie mäßigt man seinen Geist? Eine Möglichkeit ist, Gleichmut zu üben - eine wohlausgewogene Reaktion auf Leid ebenso wie auf Glück, die vor emotionaler Unruhe schützt. Laut Mönch Ajahn Chah (1918-1992) muss man, um Gleichmut zu entwickeln, auf seine Geisteszustände achten - und diese dann loslassen. Wann immer Ihr Geist sich für Glücksgefühle begeistert, bremsen Sie ihn! Wann immer er sich in Leid stürzt, beklagen Sie das nicht zusätzlich! Allmählich werden Sie aufhören, nach Glück und Leid zu gieren.

Wenn Sie diese Übung vollziehen, werden Sie feststellen, dass Ihr Geist sehr ungehorsam ist. Wenn er Glück sieht, bellt er vor Verlangen. Und wenn er Leid wahrnimmt, vor Irritation und Rastlosigkeit. Sie müssen lernen, sein konstantes Bellen zu kontrollieren. Trainieren Sie Ihren Geist, als wäre er ein schlecht erzogener Hund .

Oren Hanner, 1979 in Jerusalem geboren, promovierte in Buddhismuskunde in Hamburg und lehrt heute an der Universität Berkeley. Schicken Sie Ihre Frage an om@tagesspiegel.de