Dr. Om : Kleine Meditationen über die großen Fragen des Lebens - Folge 9

„Mein neuer Freund hat ein furchtbar schlechtes Verhältnis zu seiner Ex-Freundin, mit der er einen Sohn hat. Sie hat ihn für einen anderen Mann verlassen. Zufällig erfuhr ich nun, dass die Ex wieder schwanger ist. Soll ich ihm das erzählen? Oder schweigen, bis sie es ihm selbst sagt?“

Oren Hanner
Im Buddhismus steht das Glückssymbol des ewigen Knotens für die Verbindung von Weisheit und Leidenschaft, von Religion und Weltlichkeit - und für die Liebe.
Im Buddhismus symbolisiert der "ewige Knoten" die Verbindung von Weisheit und Leidenschaft - und die Liebe.

Wann immer du kannst, versuche anderen zu helfen. Wenn du nicht helfen kannst, dann richte zumindest keinen Schaden an“ – dieser Rat des Dalai Lama kann Ihnen in Ihrem Dilemma hilfreich sein. Egal, was Sie Ihrem Freund sagen (oder nicht sagen), versuchen Sie, konstruktiv zu sein und zu vermeiden, ihn oder andere zu verletzen.

Vieles davon hat mit Ihrer Absicht zu tun. Glauben Sie, dass es ihn richtig auf eine unschöne Nachricht vorbereitet, wenn Sie es ihm erzählen? Oder wird es ihn Ihnen näher bringen und von der Ex distanzieren? Was motiviert Sie, es ihm zu sagen oder zu schweigen?

Aber der Nutzen ist nicht das einzige Kriterium. Einmal fragt der Prinz Abhaya (Majjhima Nikaya 36) den Buddha, ob dieser Worte sagen würde, die für andere unangenehm sind. Der Buddha schlägt drei Faktoren für die „Rechte Rede“ vor – also letztlich für das, was Sie zu Ihrem Freund sagen sollten und was nicht. Die drei Faktoren sind, ob eine Aussage wahr ist, ob sie nützlich ist, und ob sie anderen gefällt.

Was würde der Buddha sagen?

Wenn die Worte unwahr, nicht nützlich und für andere unangenehm sind, würde der Buddha sie nicht sagen. Wenn die Worte wahr sind, aber nicht nützlich und unangenehm, würde der Buddha sie nicht sagen. Wenn die Worte unwahr, nicht nützlich, aber angenehm sind, würde der Buddha sie nicht sagen. Wenn die Worte wahr und angenehm, aber nicht nützlich sind, würde der Buddha sie ebenfalls nicht sagen.

Nur wenn die Worte wahr, nützlich und angenehm sind, oder wenn sie wahr, nützlich, aber unangenehm sind, würde der Buddha sie sagen. Aber er hätte ein Gespür für den richtigen Moment.

Überprüfen Sie daher, ob das, was Sie über die Ex gelernt haben, wahr ist und ob es für Ihren Freund von Vorteil sein wird, wenn er es erfährt. Wenn beide Kriterien erfüllt sind, planen Sie mit Sensibilität den richtigen Zeitpunkt, ihn zu informieren.

Wenn die Kriterien nicht erfüllt sind, wählen Sie ein anderes Gesprächsthema, zum Beispiel den Rat des Dalai Lama für ein glückliches Leben.

 Oren Hanner, 1979 in Jerusalem geboren, promovierte Buddhismuskunde in Hamburg und lehrt heute an der Universität Berkeley. Schicken Sie Ihre Frage an om@tagesspiegel.de

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