Performance : Sisyphos, die Wissenschaft und die Kunst

Giorgi Jamburia über seine Performance „Transformation und Ausbruch aus der Normalität“ – eine Kooperation mit der Universität der Künste.

Sybille Nitsche
Szenen der Wissenschaft. Giorgi Jamburia sucht Gemeinsamkeiten im wissenschaftlichen und künstlerischen Schaffen.
Szenen der Wissenschaft. Giorgi Jamburia sucht Gemeinsamkeiten im wissenschaftlichen und künstlerischen Schaffen.Foto: Privat

Herr Jamburia, zur Auftaktveranstaltung des Exzellenzclusters Unifying Systems in Catalysis wird eine Performance von Studierenden der Universität der Künste, der UdK, unter Ihrer Regie zu sehen sein. „Transformation und Ausbruch aus der Normalität“. Worum wird es gehen?

Zunächst einmal: Es geht nicht um eine theatralische Darstellung des Inhalts des Clusters. Unser Ansatz war es, zu schauen, was den wissenschaftlichen und den künstlerischen Schaffensprozess ausmacht. Gibt es einen Bezug zwischen beidem, etwas Verbindendes?

… und gibt es etwas?

Ja! Jede Künstlerin, jeder Künstler hat den Anspruch, etwas Neues zu schaffen, sich die Wirklichkeit neu anzuverwandeln, aus der Normalität auszubrechen. Prof. Dr. Matthias Drieß, einer der stellvertretenden Sprecher des Clusters, war auf uns zugekommen, und in vorbereitenden Gesprächen mit ihm, entdeckten wir, dass Wissenschaftler*innen ähnlich ticken. Sie sind getrieben von der Neugier, Neues zu entdecken. Denken Sie nur an den Traum vom Fliegen. Das war ein Ausbruch aus der Normalität menschlichen Seins. Wissenschaft hat diesen Traum wahr werden lassen. Und wir UdK-Studierende stellten außerdem fest, dass der wissenschaftliche wie der künstlerische Prozess etwas nie Endendes, etwas immer Fortdauerndes ist. So sind wir schließlich beim Thema Sisyphos angekommen.

Bei Sisyphos aus der griechischen Mythologie, der verdammt ist, immer wieder den Stein den Berg hinaufzurollen? Der für die Sinnlosigkeit menschlichen Tuns schlechthin steht? Das verstört jetzt sehr, auch vor dem Hintergrund, dass die Veranstaltung der Auftakt für ein großes wissenschaftliches Projekt sein soll.

Sie sehen in der Sinnlosigkeit offenbar etwas Negatives. Für mich hat sie eher Entlastendes. Und ich möchte auf Albert Camus verweisen, der in seinem berühmten Essay zu einer ganz anderen Deutung kommt. Er schreibt, dass wir uns Sisyphos als einen glücklichen Menschen vorstellen müssen. Zwar kommt Sisyphos zu keinem Ende, aber er ist tätig, er nimmt die Tätigkeit immer wieder auf und ist in diesem Tun glücklich. Ob es sinnlos ist, ist ja auch eine Frage der Interpretation. Ich empfinde es für mein künstlerisches Tun als äußerst befreiend, wenn es gelingt, sich von dieser Sinnsuche frei zu machen, wenn man nicht um des Ergebnisses, sondern um des Prozesses willen kreativ ist.

Dass dieses sinnfreie Tun etwas Befreiendes für Sie hat, lässt mich an ein kleines Kind denken. Es kann exzessiv immer wieder das Gleiche tun, und je länger dieses Wiederholen andauert, desto fröhlicher wird es.

Sie haben gerade unsere Gruppenarbeit für die Performance zu der Kick-off-Veranstaltung beschrieben. Wir denken uns gemeinsam etwas aus, wiederholen es, wandeln es ab und je öfter wir das tun, desto mehr Spaß macht es uns. Besonders die Schauspielstudierenden der UdK haben sich diese Seite des Kindseins bewahrt.

Und was werden wir sehen?

Ich kann Sie erst einmal insofern beruhigen, als dass wir keine Steine bergauf wälzen werden. Die 20-minütige Performance besteht aus Text, Gesang und Tanz. Lassen Sie sich doch einfach überraschen.

Das Gespräch führte Sybille Nitsche. Die Performance „Transformation und Ausbruch aus der Normalität“ war während der Auftaktveranstaltung des Exzellenzclusters zu sehen.

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