• Exzellenz-Strategie: Grenzüberschreitungen zwischen Kunst, Wissenschaft und Technik

Exzellenz-Strategie : Grenzüberschreitungen zwischen Kunst, Wissenschaft und Technik

Mit dem Antrag „Shaping Space“ im Rahmen der Exzellenz-Strategie setzen die UdK Berlin und die TU Berlin neue Schwerpunkte

Katharina Jung
Ein gemeinsames Anliegen. Prof. Christoph Gengnagel (UdK Berlin) und Prof. Stefan Weinzierl (TU Berlin).
Ein gemeinsames Anliegen. Prof. Christoph Gengnagel (UdK Berlin) und Prof. Stefan Weinzierl (TU Berlin).Foto: TU Berlin/Christian Kielmann

Die Einheit von Kunst und Wissenschaft ist ein alter Traum. In modernen Zeiten aber gilt der Universalgelehrte, wie ihn Gottfried Wilhelm Leibniz darstellte, oft als eine ausgestorbene Spezies. Forscher und Künstlerinnen leben und arbeiten zwar im selben Universum – oder sogar auf demselben Campus – bewegen sich aber häufig in unterschiedlichen Sphären. So beruht an einer Universität wie der UdK Berlin der Begriff „Wissen“ auf implizitem, inkorporiertem und prozessorientiertem Wissen – einer individuellen, künstlerischen Welterzeugung. Während Wissen an einer technischen Hochschule wie der TU Berlin als Ergebnis empirischer Forschung erworben und vermittelt wird.

Auf dem Campus Charlottenburg, dem gemeinsamen Areal beider Universitäten, arbeiten die Angehörigen der Technischen Universität und der Universität der Künste in unmittelbarer Nachbarschaft, teilen die Mensen und die Universitätsbibliothek. Die beiden Professoren Christoph Gengnagel (UdK Berlin) und Stefan Weinzierl (TU Berlin) möchten eine Brücke zwischen den beiden Formen von Wissen schlagen. Das ist das Ziel von „Shaping Space“, ihrem gemeinsamen Antrag im Rahmen der Exzellenz-Strategie. Ausgangspunkt waren unter anderem die Diskussionen im Rahmen der Hybrid-Plattform, einer gemeinsamen Einrichtung von UdK und TU zum Zweck des Wissenstransfers: Warum spielt zum Beispiel die Performanz eines Raumes oder eines Gebäudes bei der Entwurfsplanung eine so untergeordnete Rolle? Ziel der Kooperation ist daher die Entwicklung ganz neuer Techniken des räumlichen Entwerfens, wie zum Beispiel multimodale, also verschiedene Sinne ansprechende, Schnittstellen, die eine ganz neue Interaktion mit digitalen Entwürfen ermöglichen sollen.

Voraussetzung der Kooperation ist eine gemeinsame Sprache

Funktioniert die Zusammenarbeit der beiden Welten denn auch im Alltag? „Voraussetzung ist eine gemeinsame Sprache. Daher wird bei uns sehr lange über Begrifflichkeiten diskutiert. Da müssen beide Seiten viel Geduld mitbringen“, weiß Gengnagel, Professor für konstruktives Entwerfen an der UdK Berlin. Aber: „Tatsächlich ticken Künstler und zum Beispiel Ingenieure durchaus ähnlich: Beide wollen etwas erschaffen. Sei es eine Performance oder eine Maschine“, sagt Weinzierl, Professor für Audiokommunikation an der TU Berlin.

Christoph Gengnagel nennt auch gleich ein Beispiel dafür, wo sich die beiden Arbeitsgebiete ergänzen: „Wenn ich etwas entwerfe, einen Raum, ein Museum oder einen Stadtteil, dann schöpfe ich Inspiration aus meinen Erfahrungen und meinem Wissen. Jeder Architekt hat aber nur begrenzte Erfahrungen und damit ein begrenztes Wissen zur Verfügung. Insgesamt gibt es aber enorme Wissensstände in den verschiedensten Spezialgebieten, wie zum Beispiel der Akustik, dem Raumklima oder der künstlerischen Performanz. Von diesem Wissen könnte die Architektur enorm profitieren.“

Klassischerweise operieren Architekten in der Phase der Entscheidungsfindung mit skalierten, vereinfachten Arbeitsmodellen. Doch Bereiche wie Akustik, Lichteinfluss oder Raumklima lassen sich so nicht erfahren. „Hier kommen digitale Werkzeuge ins Spiel“, ergänzt Weinzierl. „Idealerweise würden die Gestaltungsideen gleich in eine virtuelle oder augmentierte Realität umgesetzt, sodass ich mich in diesem Raum bewegen kann und die Akustik oder das Raumklima unmittelbar erfahre. An einer Laborumgebung, die so ein algorithmisch unterstütztes Design ermöglicht, wollen wir forschen.“

Beim Design helfen Naturwissenschaften

Für diese Art des „Computational Designs“ werden viele grenzüberschreitende Fähigkeiten gebraucht: Physik, Materialwissenschaften oder Technik wie auch gestalterische und künstlerische Kenntnisse. Weinzierl und Gengnagel gehören zu der seltenen Spezies an Wissenschaftlern, die beides aus eigenem Erleben mitbringen. Stefan Weinzierl ist habilitierter Physiker, absolvierte ein Musik- und Tonmeisterstudium und arbeitete als Musiker. Christoph Gengnagel hat Bauingenieurwesen an der Bauhausuniversität Weimar und Architektur an der TU in München studiert und wurde vor rund elf Jahren als Professor an die Universität der Künste berufen.

Gemeinsame Forschung, gemeinsame Veranstaltungen und eine gemeinsame Ausbildung sind wesentliche Säulen des Antrags. Ein gemeinsamer Studiengang, um den Nachwuchs für diese spezielle Forschung auszubilden, wird bereits konzipiert. „Naheliegend wäre es gewesen, die Architekturstudiengänge der beiden Universitäten zu verbinden“, erläutert Weinzierl, „aber das Naheliegende ist ja selten das Spannende. Deshalb richten wir parallel zum Cluster-Antrag einen neuen, gemeinsamen Master-Studiengang namens ’Design and Computation’ ein. Zugelassen sind Studierende aller Fachrichtungen, die allerdings eine spezielle künstlerische Aufnahmeprüfung bestehen müssen.“