Standort Hardenbergstraße : Schnittstelle von Künsten und Stadt

Die Architektur als Sinnbild für Inhalt und Auftrag.

Norbert Palz
Über das Foyer der Hardenbergstraße 33 verbinden sich Stadt und Kunstuniversität.
Über das Foyer der Hardenbergstraße 33 verbinden sich Stadt und Kunstuniversität.Foto: Daniel Nartschick

Das UdK-Gebäude in der Hardenbergstraße 33 beherbergt einen großen Anteil des Lehrangebots der Fakultäten Bildende Kunst und Gestaltung der Hochschule. Unter dem Dach dieser im neobarocken Stil geplanten Akademiearchitektur der Jahrhundertwende arbeiten Lehrende und Studierende in den Werkstätten und Ateliers. Eine Aula, Arbeits- und Seminarräume, ein Café und auch die Büroflächen der Fakultätsverwaltungen gruppieren sich um den zentralen Innenhof, den Skulpturengarten, der beides ist: lebendiges Zentrum und versteckter Ruhepol im pulsierenden Großstadtbetrieb der City-West. Eine Besonderheit des Gebäudes ist sein großzügiges Foyer, welches der Schule im Alltag vornehmlich als zentrale Ausstellungsfläche dient. Geöffnet rund um die Uhr an 365 Tagen im Jahr, ist es eine informelle Schnittstelle zwischen dem Stadtraum Berlins, in unmittelbarer räumlicher und sozialer Nachbarschaft zum Bahnhof Zoo, und dem im Zentrum der Anlage liegenden Garten und seinen Gebäuden.

Es sind zwei eigenständige Welten, die über das Foyer in der Mitte der Hardenbergstraße räumlich und visuell verbunden werden. Auf der einen Seite die Welt der Stadt – extrovertiert, funktional, von Infrastruktur, Geschichte, Ökonomie und Zerstörung gleichermaßen geformt; auf der anderen die Welt der Kunstuniversität als kontemplativer Ort, in seiner Andersartigkeit inszeniert wirkend und geschützt. Steht man an einer spezifischen Position im Zentrum des Foyers, sind am Rande des eigenen Sehkegels beide atmosphärischen Ausschnitte sichtbar – eine besondere, jedoch leicht zu übersehende Eigenheit dieser spektakulären Räumlichkeit. Aus einem konzeptionellen Blickwinkel betrachtet, erscheint diese besondere Situation nicht ungeeignet, das Selbstverständnis einer zeitgenössischen Kunstuniversität und ihre Verbindung zu Stadtraum und Gesellschaft beschreiben zu können.

Gesellschaftliche Umbrüche hinterlassen Spuren in den Künsten

Wie in den Jahrzehnten vor uns finden wir auch in der Gegenwart große politische, soziale und technologische Verwerfungen und gesellschaftliche Umbrüche vor, die alle ihre Spuren in den Künsten hinterlassen, dort reflektiert und interpretiert werden und dann notwendigerweise Lehre und Forschung beeinflussen. Verschließen sich die Institutionen der Betrachtung zukünftiger Entwicklungen, wird der schon erwähnte, abgeschlossene Garten über die Zeit zum Bild der Selbstgenügsamkeit und ein damit verbundener Bedeutungsverlust möglicherweise sehr real.

Viele der Gegenwartsthemen erfordern deshalb von Lehrenden und Studierenden eine Betrachtungsweise, die von der fachlichen Kompetenz aus freudig über die disziplinarischen Grenzen hinausgeht. So ist es gewiss kein Zufall, dass das Foyer des Gebäudes im Mai 2019 als Ort für die Abschlussveranstaltung der Reihe „Künste Lehren“ fungierte. Lehrende und Studierende aller Fakultäten konnten sich dort zu künstlerischer und gestalterischer Lehre austauschen: als Dialog auf der Bühne, im informellen Gespräch am Rande, in der Performance oder am runden Tisch.

Gemeinsame Begegnungen sind von elementarer Bedeutung, denn durch sie wird das gestärkt, was sich Menschen von einer Hochschule wie der UdK Berlin erhoffen, nämlich ein Ort zu sein, an dem viele Formen von künstlerischen Zugängen unterrichtet werden, und zwar nicht als einzelne Akademien unter einem Dach, sondern im Dialog der Disziplinen vor dem Hintergrund der Komplexität aktueller und zukünftiger Fragestellungen an Künste, Gestaltung und Wissenschaft. Im Herzen Berlins.

Der Autor ist Erster Vizepräsident der UdK Berlin. Im Foyer der Hardenbergstraße 33 sind während des Rundgangs die Abschlussarbeiten der Absolventinnen und Absolventen, sowie der Meisterschülerinnen und Meisterschüler der Bildenden Kunst zu sehen.