Berliner Leuchten-Label Steinbuehl : Glänzend gemacht

Linien, Falten, Kanten: Das Berliner Label Steinbuehl schafft Lichtkunst aus Kunststoff und greift neuerdings zum Glas.

Wie erstarrte Wasserfälle: Die Leuchte „Big Shine“.
Wie erstarrte Wasserfälle: Die Leuchte „Big Shine“.Foto: Markus Bachmann photography

Der Wunsch, Lampen zu gestalten, war schon länger da. Dann kam die Gelegenheit: 2013 lud die Berliner Kuratorin Isabelle Meiffert 16 Künstlerinnen und Künstler dazu ein, sich im Rahmen einer Ausstellung in einem Hamburger Kulturhaus mit der wechselvollen Geschichte des Ortes und dem Thema Verdrängung auseinanderzusetzen. Antje Blumenstein und Marcel Bühler hatten eine im Wortsinn glänzende Idee: Im Erdgeschoss des Hauses richteten sie einen Laden mit Designleuchten ein. Auf den anfangs noch mit Papierbahnen abgeklebten Fensterscheiben prangte bald die Aufschrift „Steinbuehl – Coming soon“.

„Damit ging das explosionsartig los“, erzählt Antje Blumenstein. Pünktlich zur Eröffnung gab es auch die neuen Lampen. Der Laden war natürlich ein Fake. Und wurde am Ende zu einer Art selbsterfüllenden Prophezeiung.

2014 gründet das Berliner Künstlerduo ein echtes Label, das sich seither mit kunstvollen Entwürfen der Massenproduktion entgegenstellt: Die Serie „Shine“ ist dafür das beste Beispiel.

Der Kunststoff wird frei von Hand geformt

Die plastischen Pendelleuchten aus transparentem Kunststoff modelliert Antje Blumenstein wie Skulpturen. Die Grundform aus wenigen Faltungen ist vorgegeben. Dann wird es kreativ. Der Kunststoff wird erwärmt und frei von Hand geformt. Natürlich in Handschuhen, um das Material nicht zu zerkratzen. „Bei dem Modell geht es darum, relativ streng zu bleiben, und trotzdem den Zufall zuzulassen“, sagt die gebürtige Dresdnerin. Der Effekt: Die Leuchte erinnert an erstarrte Wasserwellen, die das Licht mehrfach reflektieren.

Aus der Serie Farbkosmos: Die Pendelleuchte „Kuunthi“.
Aus der Serie Farbkosmos: Die Pendelleuchte „Kuunthi“.Foto: Markus Bachmann photography

Eigentlich, sagt Blumenstein, könne man „Shine“ online nicht verkaufen. Der Effekt bildet sich am Bildschirm nicht ab. Deshalb lädt sie ihre Kunden gern in die Werkstatt in die Weddinger Uferhallen ein. Produziert wird in reiner Handarbeit – und limitierter Edition. Jedes Objekt, das das Atelier verlässt, wird mit Seriennummer und Echtheitszertifikat versehen. 75 Stück pro Modell dürfen es sein, dann muss Neues her. „Wir wollen ja Spaß haben“, begründet Blumenstein die charmante Idee. Nach hundert Exemplaren, glaubt sie, sei die Lust komplett weg.

Mit Ecken und Kanten: Die Hängeleuchte „Crease“.
Mit Ecken und Kanten: Die Hängeleuchte „Crease“.Foto: Steinbuehl

Das Spiel mit Linien und Schatten

Dabei sind alle Steinbuehl-Leuchten streng genommen Einzelstücke, die immer wieder eine Brücke zwischen Kunst und Produktdesign schlagen. Seine Ideen schöpft das Label aus dem Spiel mit Linien und Schatten. Mit Falten und Kanten. Kantig kommt auch die Leuchte „Crease“ daher, die aus fluoreszierendem Plexiglas gefaltet wird. Der besondere Kniff: Hochkant aufgestellt wird die Hängeleuchte zum Lichtobjekt, das knallige Akzente im Raum setzt.

Lichtkunst aus Glas: Die neuen Steinbuehl-Leuchten werden in der Mayer'schen Hofkunstanstalt gefertigt.
Lichtkunst aus Glas: Die neuen Steinbuehl-Leuchten werden in der Mayer'schen Hofkunstanstalt gefertigt.Foto: Mike Wolff

Ganze Farbuniversen kreiert dagegen die Serie „Farbkosmos“, die aus bunten Polypropylenfolien entsteht und spannende Kombinationen erzeugt – in Anlehnung an Goethes Farbenlehre.

Die neuen Leuchten werden aus Glas gefertigt

Genau, wie die neuesten Leuchten aus der Steinbuehl-Familie, die in den Feuerlandhöfen in Mitte hängen. „Vorsicht“, warnt Blumenstein und hievt den Prototypen aus bunt gefärbtem Glas auf den Tisch. Atmosphärische Farbschatten erfüllen das Atelier.

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Mit dem Werkstoff wagt man sich auf neues Terrain. Und holt sich für die Produktion die Besten ihres Fachs zur Seite: die Münchner Glaskünstler von der Mayer'schen Hofkunstanstalt. Ihre Arbeit beschreibt die Designerin mit einem Wort: gigantisch.