Designer Cristian Zuzunaga : Willkommen in der Pixelwelt

Der spanische Designer Cristian Zuzunaga pendelt zwischen London und Barcelona, hat ein Herz für Peru und lässt sich von China inspirieren. Bei der Herstellung seiner Produkte denkt und handelt er sozial.

Textilkunst aus Spanien. Das "Pixel Sofa" von Cristian Zuzunaga.
Textilkunst aus Spanien. Das "Pixel Sofa" von Cristian Zuzunaga.Foto: Zuzunaga

Cristian Zuzunagas Lebenslauf ist so bunt wie seine Pixel-Sofas. Sein Vater stammt aus Peru, seine Mutter aus Spanien, geboren wurde er 1978 in Barcelona. Er studierte Grafik-Design am London College of Communication und machte seinen Master am dortigen Royal College of Art. Dazwischen arbeitete er als internationales Fotomodell und studierte nebenbei eine Zeit lang Biologie. Der Blick durchs Mikroskop – für die kleinste Struktur, die die Dinge zusammenhält und bestimmt – hat ihn geprägt. Er entwickelt eine Leidenschaft für digitale Technologie, Fotografie und Textilien. Das Reisen als Model sowie die kunsthandwerklichen Traditionen Spaniens und Perus beeinflussen auch sein Schaffen. Seit 2010 betreibt er sein eigenes Studio in London und Barcelona.

Die Bandbreite seiner Produkte ist weitgefächert: Teppiche, Decken, Spiegel, Sofas, Lampen, aber auch Drucke auf Papier. Alle Designobjekte sind miteinander vernetzt.

Eine Reise nach Shanghai im Jahr 2006 hat ihm die Augen geöffnet. Er fotografierte die roten und grünen Dächer der modernen großen Wohnblocks, die in Reih und Glied aufgestellt aus der Luft ein grafisches Muster zeigten, dem Pixel nicht unähnlich. Strukturen draußen erkennen, verarbeiten, daraus neue Formen entwickeln: So geht Zuzunaga durch die Welt. Aus der Pixel-Struktur sind Ideen für Stoffe und Sofabezüge entstanden, das Kleine wird ganz groß, ob auf der Couch, dem Sideboard oder gar dem Lampenschirm.

Zu der "Inca"-Kollektion, die die Steinmauern in Machu Picchu zeigen, gehören auch Spiegelelemente "Inca Mirror".
Zu der "Inca"-Kollektion, die die Steinmauern in Machu Picchu zeigen, gehören auch Spiegelelemente "Inca Mirror".Foto: Zuzunaga

So etwa das „Pixel Fire Sofa“, eine lang gestreckte, eckige Struktur mit fünf Kissen und einem Bezug, der auf jedem Möbel anders ist – jedes Stück ein Unikat. Für Zuzunaga ist das Sofa die Leinwand, auf die er mit seinen gepixelten Farben „malt“.

Er nutzte eine alte Hochdrucktechnik aus den Zeiten Gutenbergs

Aber es muss nicht immer die Moderne sein, die ihn inspiriert. Hohe Wellen hat beispielsweise 2015 ein Besuch in Peru geschlagen, wo er die Ruinenstädten von Machu Picchu und Cuzco besuchte und fotografierte. Ihn faszinierte die Struktur dieser Mauern, die aus völlig unregelmäßigen, großen und kleinen asymmetrisch zugehauenen Steinen zusammengebaut waren. Diese markante Form der Fugen übertrug er in Druckgrafiken, um sie als Ausgangsbasis für die Kollektion „Inca“ zu nehmen. Dabei nutzte er das Letterpress-Verfahren, eigentlich die alte Hochdrucktechnik aus den Zeiten Gutenbergs, die nun aber mit neuen, am Computer entwickelten Klischees, den modernen Druckschablonen, zu ungeahnten Möglichkeiten erweiterbar ist. Interessant an dem Letterpress-Druck ist, dass man die Vertiefung, die die Form in das Papier drückt, sehen und fühlen kann.

Muster der Stadt: Die bunten Dächer in Schanghai haben Cristian Zuzunaga inspiriert.
Muster der Stadt: Die bunten Dächer in Schanghai haben Cristian Zuzunaga inspiriert.Foto: Zuzunaga

Zu der vielfältigen „Inca“-Kollektion gehören auch ausgeschnittene Spiegelelemente der Serie „Inca Mirror“ und runde Beistelltische, die die Strukturen der Mauern als Relief im Sockel zeigen. Die „Inca Side Tables“ sind aus einem Stück Sichtbeton gegossen, 25 Kilogramm schwer und können auch draußen stehen. Sein peruanisches Erbe kommt in den „Inca Kelims“ klar zum Vorschein. Auch hier finden sich die gleichen asymmetrischen Strukturen wieder, die in aufeinander abgestimmten Farben lieferbar sind.

Spanische Tradition zeigt sich bei den handgewebten Decken der Serie „Time & Space“ aus spanischer Merinowolle, die in der Umgebung von Barcelona bei Teixidor produziert werden. Breite Streifen unterschiedlicher Farben überlappen sich und ergeben so neue Töne innerhalb einer vorgegebenen Skala mit 42 Quadraten. In der Serie „Quaternio“ sind es dann nur noch vier große Rechtecke, die sich aus den Grundfarben Rot, Gelb, Grün und Blau mischen. In einer letzten Serie dominiert dann nur noch eine Farbe das Spektrum der Decke. Teixidor ist seit 1983 spezialisiert auf handwerkliche nachhaltige Produktion und gibt auch Menschen mit Lernschwierigkeiten eine Perspektive.

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