Farbmanufaktur Little Greene : In Aquamarin

Farben von Little Greene entstehen in einer Manufaktur in Nordwales. Sie sind hochpigmentiert, haltbar - und noch dazu historisch.

Harmonisch. Eine türkisblaue Wand setzt schöne Akzente.
Harmonisch. Eine türkisblaue Wand setzt schöne Akzente.Foto: Little Greene

Briten sind höflich. Und deshalb würde David Mottershead natürlich nie sagen: Die Deutschen sind langweilig. Aber etwas merkwürdig findet es der Geschäftsführer der Farbmanufaktur Little Greene schon, dass viele Deutsche ihre Wände im Haus oder in der Wohnung einfach weiß streichen. „Ein Phänomen, dass Sie in keinem anderen Land finden“, sagt er schmunzelnd. Dazu kommt: Die meisten nutzten jenes Weiß, dem ein Schuss Blau zugemischt wurde. Dadurch werde es besonders strahlend oder, wie es auf Englisch heißt, „brilliant white“. Ein Problem, weiß Mottershead. Denn: „Gegenüber so einem knalligen Weiß wirken alle anderen Farben schmutzig“, sagt der studierte Chemiker.

So ein Weiß mochte er nie. Überhaupt wollte er andere, bessere Farben herstellen, als er sein Unternehmen Little Greene vor 20 Jahren gegründet hat. Am Firmensitz in Manchester tüfteln sie seitdem an Farben mit einem besonders hohen Pigmentanteil. Denn sie decken besonders gut und verlieren auch über Jahre hinweg nichts von ihrer Intensität. „Da bleicht nichts aus“, sagt Mottershead stolz. Jede einzelne der vielen verschiedenen, harmonisch aufeinander abgestimmten Nuancen bleibt an der Wand so wie sie mal aufgetragen wurde.

Schriller Ton im Esszimmer. Einfach mal was Neues ausprobieren.
Schriller Ton im Esszimmer. Einfach mal was Neues ausprobieren.Foto: Little Greene

Meist entscheidet die Frau

Um den Kunden die Auswahl zu erleichtern, gibt Little Greene Farbkarten heraus. Darin finden sich die Originalfarben, auf Pappstreifen verstrichen. Sofort sieht der Kunde, welcher Ton am besten zu einem anderen aussieht. Allein die Karte „Grau“ enthält 28 unterschiedliche Nuancen, jeweils sieben werden unter einander in einer Kolonne präsentiert. Oben beginnt sie etwa mit „Loft White“, in der Mitte gibt es „Urbane Grey“, und unten steht „Lamp Black“. Diese Farben passen perfekt zueinander. Anhand der Musterkarten kann man sehen, welches Grau gut zu einem roten oder blauen Sofa passt - je nachdem, ob sich blaue oder rote Spurenelemente im Grau finden.

Beruhigend. Je nach Grünton kann man verschiedene Effekte erzielen.
Beruhigend. Je nach Grünton kann man verschiedene Effekte erzielen.Foto: Little Greene

„In vielen Familien bestimmt die Frau, in welcher Farbe die Wände gestrichen werden sollen“, sagt der Experte. Denn während der Mann morgens stets zu blauem Hemd, blauer Hose und vielleicht braunen Schuhen greife, kreiert die Frau täglich andere Kombinationen. Sie sucht zur Bluse den passenden Rock, komplettiert ihr Outfit mit Schal und Handtasche.

Hat sie sich an einer flaschengrünen Bluse übergesehen, packt sie diese für eine Weile in den Schrank. Grüne Wände im Wohnzimmer aber muss sie erstmal aushalten. Deshalb gilt: Für die Entscheidung sollte man sich viel Zeit lassen. Wen die Wahl aufgrund der Farbkarten noch überfordert, dem empfiehlt Mottershead, einfach einen Quadratmeter von dem Farbton aufzutragen. Für diese Tests sind die Minidosen mit kleinen Mengen gedacht.

Little Greene setzt auf Tradition

Bei Möbeln gibt es immer auch Trends. Aber existieren auch für Räume Modefarben? „Das ist von Land zu Land unterschiedlich“, sagt Mottershead. In Frankreich und England etwa verschiebt sich die Vorliebe für Grau gerade hin zu einem intensiven, dunklen Blau. In Russland favorisieren die Menschen nach wie vor beige, in Variationen von Gelb und Weiß. „Das ist historisch begründet“, vermutet Mottershead.

Industriell hergestellte Farben taugen wenig, findet David Mottershead.
Industriell hergestellte Farben taugen wenig, findet David Mottershead.Foto: Little Greene

Auch Little Greene setzt auf Tradition. Die Firma hat enge Kontakte zu English Heritage und National Trust, jene beiden Organisationen, die sich um die historischen Gebäude Großbritanniens kümmern. „Wir können in diesen Häusern recherchieren“, sagt Mottershead. Und so entdecken er und seine Mitarbeiter dort, welche Farben im 17. oder 18. Jahrhundert aufgetragen wurden. „Ashes of Roses“, eine Art altrosa, wurde zum Beispiel gefunden - und gehört nun zur Farbpalette von Little Greene. Ebenso wie „Hicks Blue“, ein typischer Blauton aus den 1960er Jahren.

Gibt es Farben, die für eine Epoche typisch sind? „Oh ja“, sagt Mottershead. Im 19. Jahrhundert etwa, als vorwiegend Könige, Herzöge oder mindestens Adlige Zugang zu Farben hatten, favorisierte die Gesellschaft pastellblau oder lindgrün.“ Das zeige sich bei vielen Gebäuden von Robert Adam, einem der berühmtesten Architekten und Designer jener Zeit. Adam habe einfach ein Grundfarbe genommen und sie dann für einen anderen Anstrich mit Weiß Nuance für Nuance aufgehellt.

Passen dann noch Bilder an die Wand?

Im 20. Jahrhundert hatte sich viel verändert, nun konnten sich auch „normale“ Menschen Farben leisten. Nach England etwa kamen viele Menschen aus den Kolonien, aus Indien oder Pakistan. Sie mochten starke, leuchtende Töne wie sie in ihrer Heimat üblich waren. Dieser Geschmack breitete sich über den Kreis der Immigranten hinaus in der gesamten Bevölkerung aus. „Diese Entwicklung, zusammen mit den gesunkenen Preise für Farben hat dazu geführt, dass wir in England viel bunter in unserem Geschmack geworden sind“, sagt Mottershead.

Gedeckte Nuancen machen sich im Schlafzimmer gut.
Gedeckte Nuancen machen sich im Schlafzimmer gut.Foto: Little Greene

Farben sind schön, aber passen dann noch Bilder an die Wand? „Natürlich“, sagt Mottershead. „Ich habe viele Bilder, aber keine einzige weiße Wand in meinem Haus und übrigens auch keine weiße Decke.“ In Museen, sagt der Experte, verwenden sie oft ein neutrales Grau als Untergrund. Das wollte Mottershead nicht und hat herausgefunden: „Wichtig ist, dass man gedeckte Töne nimmt, ohne Brillanz.“ Ein Bild im Goldrahmen auf Hicks Blue etwa wirke perfekt. Ein silberfarben gerahmtes Bild passe womöglich gut auf eine in Zartlila gestrichene Wand.

Die meisten Menschen lassen mindestens drei Jahre vergehen, bevor sie neu streichen. Oft sind es auch zehn Jahre, sagt Mottershead. Es gebe auch viele, die mit exakt den gleichen Farben renovieren. Wie schade. Es gibt so viele Varianten für einen neuen Look im Haus. Und auch gute, teure Farben sind immer noch günstiger als neue Möbel.

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