Im Museum der Dinge in Kreuzberg : Manchmal ist ein Schatz dabei

Heide Rezepa-Zabel schätzt in ihrer „Dingsprechstunde“ den Wert von Kunsthandwerk und Kuriositäten.

Heide Rezepa-Zabel schaut bei Schmuck genau hin.
Heide Rezepa-Zabel schaut bei Schmuck genau hin.Foto: © Frank Dicks; Werbundarchiv - Museum der Dinge

Das Museum der Dinge/Werkbund Archiv in Kreuzberg ähnelt einem sorgfältig kuratierten Kuriositätenkabinett. In einem ehemaligen Werkstattgebäude an der Oranienstraße stehen nach Epochen, Farben und Funktionen sortierte Alltagsgegenstände, vom Rasierapparat bis zum Kaffeeservice. Für Heide Rezepa-Zabel ist dies die perfekte Umgebung, um Erbstücke oder Flohmarktfundsachen buchstäblich unter die Lupe zu nehmen. Seit etwa zehn Jahren bietet die promovierte Kunsthistorikerin, die vielen Fernsehzuschauern aus der ZDF-Sendung „Bares für Rares“ (Mo-Fr um 15 Uhr 05) bekannt ist, eine regelmäßige „Dingsprechstunde“ an.

Zehn bis 15 Minuten nimmt sie sich Zeit, um einen fachkundigen und vor allem unabhängigen Blick auf den mitgebrachten Schatz jedes einzelnen Besuchers zu werfen. Dank ihrer langjährigen Arbeit als Gutachterin und Expertin im Kunst- und Auktionshandel reicht das aus, um eine erste, unverbindliche Aussage treffen zu können. „Oft bringen die Menschen Stücke aus dem Nachlass ihrer Eltern oder Großeltern mit“, erzählt Heide Rezepa-Zabel. „Da ist dann zum Beispiel das Sonntagsgeschirr, für das die jüngere Generation keinen Platz mehr hat und von dem immer behauptet wurde, es sei sehr wertvoll.“ Meistens ist das aber nicht der Fall. Bei figürlichem Porzellan können noch Werte erzielt werden, vor allem wenn es sich um Marken wie KPM, Meißen oder Sèvres handelt. Silberbestecke sind eigentlich nur dann etwas wert, wenn sie von einem bekannten Künstler entworfen wurden, weiß Heide Rezepa-Zabel.

Originale von Ramsch unterscheiden

Welchen Wert ein Stück hat, ist von vielen Faktoren abhängig: Zum einen spielen die Materialien eine wichtige Rolle, ihre Bearbeitung, ihre Authentizität, der Künstler, die Provenienz, und nicht zuletzt die aktuelle Nachfrage. Was noch vor zehn Jahren ein begehrtes Sammlerobjekt war, muss es heute nicht mehr sein.

Einige Fälschungen sind heute so geschickt, dass sie selbst für Heide Rezepa-Zabel schwer erkennbar sind. „Es gibt Gold- oder Elfenbeinimitationen, die wirklich täuschend echt wirken“, sagt sie. „Das ist immer wieder faszinierend.“

Fernseh-Truhe aus dem Jahr 1957
Fernseh-Truhe aus dem Jahr 1957Foto: © Frank Dicks; Werbundarchiv - Museum der Dinge

Um Originale von Ramsch zu unterscheiden, nimmt sie die Leute an die Hand, das Stück mit ihr zusammen zu untersuchen und gibt Tipps, wie und wo sie ihre Recherche weiterführen und zum Beispiel mehr über den Künstler und seine Rezeption herausfinden können. Ein sichtbar aufgesetzter Pinselstrich oder eine Materialunebenheit können Hinweise darauf sein, dass es sich um ein Original handelt.

„In den meisten Fällen ist das gar nicht so schwer“, sagt Heide Rezepa-Zabel.

Sie ermutigt, mit beiden Augen durch eine Lupe zu schauen. „Da erkennt man wirklich viel, zum Beispiel ob handwerklich oder maschinell gearbeitet wurde.“

Ihr Herz schlägt für ungewöhnliche Objekte

Wer mehr lernen möchte über den Wert von Kunsthandwerk, Schmuck oder historischen Alltagsgegenständen, dem stehen Heide Rezepa-Zabels Schätzrunden im Museum der Dinge offen. Während die „Dingsprechstunde“ im Einzelgespräch stattfindet, wird dort in einer größeren Runde anhand von Beispielen über das Erkennen und Bewerten gesprochen.

In ihrer Berufslaufbahn sind ihr schon einige Schätze untergekommen, deren Wert für die Besitzer überraschend war. Das bereitet ihr besondere Freude. Wofür das Herz der Kunstexpertin aber wirklich schlägt, sind ungewöhnliche Materialien und Objekte, die historische Experimentierfreude und Kulturtransfer zu erkennen geben. Da packt dann auch die sonst eher nüchterne Kennerin die Leidenschaft. „Die Vielfalt unserer Kulturgeschichte ist einfach unerschöpflich“, sagt sie.

Weitere Informationen unter www.museumderdinge.de

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