Polnisches Design : Natürlich aus Danzig

Drei junge Architekturstudenten verlieben sich in Sperrholz. Und gründen das Möbellabel Tabanda – die Bande. Der Rest ist eine irre Erfolgsgeschichte.

Schöne Kanten. Der Stuhl "Diago" ist Tabandas Kultprodukt.
Schöne Kanten. Der Stuhl "Diago" ist Tabandas Kultprodukt.Foto: Tabanda

Angehende Designer träumen groß. Ganz am Anfang ihrer gemeinsamen Karriere schwebte auch Megi Malinowska, Filip Ludka und Tomek Kempa Großes vor: Sie wollten unbedingt eine CNC-Fräse haben.

Noch vor zehn Jahren waren diese Maschinen rar in Polen. „In Danzig gab es damals vielleicht zwei Exemplare“, sagt Malinowska. Eines gehörte glücklicherweise einem entfernten Verwandten von ihr. Dort machte sich das Trio mit den technischen Möglichkeiten vertraut. Schnell wurde klar: „Hätten wir so ein Ding, könnten wir viele coole Sachen produzieren“, erzählt sie.

Bloß: Wie treiben frisch gebackene Architekturabsolventen das nötige Geld auf? Ein Förderprogramm für kreative Start-ups bot sich an. Malinowska, Ludka und Kempa bewarben sich und bekamen den Zuschlag. Wenig später stand die ersehnte Fräse in der Werkstatt. „Mit ihr fing das Herz von Tabanda an zu schlagen“, sagt Malinowska.

Im Dezember 2009 feierte das Label eine „bescheidene, vorweihnachtliche Premiere“. Freunde und Familie wurden geladen, um die ersten Produkte zu sehen. Vieles davon habe die Zeit auf Probe zwar nicht überstanden. Ein Möbel blieb aber bis heute im Sortiment: der Hocker „Falon“. Seine organische Form, die aus mehreren hintereinander angeordneten Einzelrahmen entsteht, erinnert an ein Akkordeon oder eine Welle – besonders, wenn man mehrere Teile zu einer Bank kombiniert. „Ein bisschen Möbel, ein bisschen Skulptur“, sagt Malinowska. Und eine kleine Demonstration solider handwerklicher Arbeit. Gebaut wird das gute Stück, wie auch Ess- und Couchtische von Tabanda, aus Birkensperrholz. „Ein angenehmes Material mit tollen Eigenschaften.“ Es verziehe sich nicht und lasse sich leicht verarbeiten.

Drehen und wenden statt verschwenden

Vor allem sei der Werkstoff aber ökologisch unbedenklich. Nachhaltige Entwicklung ist ein wichtiges Thema für das Designertrio. Die Möbel werden ausschließlich mit natürlichen Ölen behandelt. Auch Produktionsabfälle finden eine sinnvolle Wiederverwertung. Das Motto dabei: Drehen und wenden statt verschwenden. Ein Beispiel ist der Weinständer „Winio“, hergestellt aus Resten, die bei der Produktion des Hockers „Falon“ anfallen. Acht kleine Elemente mit jeweils drei runden Öffnungen bieten ineinandergesteckt Platz für sechs Flaschen. Genial.

Doch was wäre ein Möbellabel ohne einen Stuhl im Sortiment? Er gehört einfach dazu. „Irgendwann hing dieser ,Fluch’ auch über uns“, sagt Malinowska augenzwinkernd. 2012 war es dann soweit: „Diago“ kam auf den Markt. Und avancierte prompt zum Wiedererkennungsprodukt von Tabanda. „Dieser Erfolg hat uns unglaublich viel Selbstbewusstsein gegeben“, sagt die Designerin.

Die Esstische von Tabanda werden aus Birkensperrholz gefertigt.
Die Esstische von Tabanda werden aus Birkensperrholz gefertigt.Foto: Tabanda

Wobei die Entwicklung ein ziemlich langwieriger und mühsamer Prozess gewesen sei. Sechs Monate und unzählige Prototypen habe es gebraucht, bis die Danziger die komplizierte Technologie dahinter ausgeklügelt haben. Heute kann der Kunde zwischen vielen „Diago“-Varianten wählen. Sitz und Lehne, die mit ihrer markanten Silhouette Origami-Faltungen ähneln, sind aus Aluminium gefertigt und in zehn Farben lieferbar. Bei Bedarf werden sie mit Filz oder Ökoleder bezogen. Der Stuhl hat zwei weitere Objekte nach sich gezogen: einen Bar- und einen etwas niedrigeren Küchenhocker.

„Die Auslandsaufenthalte haben uns den Kopf geöffnet“

„Designen ist für uns immer eine Belohnung“, sagt Malinowska. Zumal jetzt, wo sich Tabanda von einer „Mikroidee“ zum prosperierenden Unternehmen entwickelte und die Aufgaben mehr wurden. Doch die Rollen sind fair verteilt: Megi Malinowska kümmert sich um PR, Marketing und Verkauf. Filip Ludka, mit seinem unersetzlichen Talent, Fördermittel zu beschaffen, waltet über die Finanzen. Und Tomek Kempa ist verantwortlich für „den Ort, an dem die Magie passiert“ – er überwacht die Produktion.

Verdreht. Couchtisch "Mobiush" wurde von dem berühmten Möbiusband inspiriert.
Verdreht. Couchtisch "Mobiush" wurde von dem berühmten Möbiusband inspiriert.Foto: Tabanda

Das Designen selbst bleibt aber ein kreatives Chaos, an dem sich natürlich alle beteiligen. „Wir arbeiten gern als Gruppe zusammen“, sagt Malinowska. Eine eingespielte Bande eben. Das erklärt auch den Namen des Labels: „ta banda“ heißt auf Deutsch „die Bande“. Das Geheimnis dahinter: Sie sind nicht nur Geschäftspartner, sondern auch gute Freunde. Schon an der Uni in Danzig – alle drei haben dort Architektur und Urbanistik studiert – hatten sie einen guten Draht zueinander und teilten dieselben Leidenschaften: die Lust am Werkeln und den Sport. Das Kitesurfen und die Ausflüge in die Berge zum Skifahren und Snowboarden schweißten sie zusammen. Während des Studiums gab es auch Stationen im Ausland. Ludka studierte für ein Jahr in Grenoble. Kempa und Malinowska an der Westminster School of Architecture in London. „Wir wollten schauen, was im Ausland los ist und Neues lernen“, sagt Malinowska. „Die Auslandsaufenthalte haben uns den Kopf geöffnet“.