DIWAN am 26. Februar im Tagesspiegel-Haus : Deutschland, seltsames Land

Was bedeutet "Heimat" für Deutsche und Geflüchtete? Darüber diskutieren im Diwan die Chefredakteurin von "Abwab", Souad Abbas, und Bernd Ulrich, Buchautor und stellvertretender Chefredakteur der ZEIT.

„Heimat“ nicht der AfD überlassen: Souad Abbas ist Chefredakteurin der Zeitung „Abwab“.
„Heimat“ nicht der AfD überlassen: Souad Abbas ist Chefredakteurin der Zeitung „Abwab“.Foto: Kai-Uwe Heinrich

„Watan“ – das ist das arabische Wort für Heimat. Oder für Vaterland, Nation. Was „Watan“ genau heißt, was alles mitschwingt, wenn man das Wort benutzt, das können arabische Muttersprachler Deutschen nur schwer erklären. Ist „Watan“ der Ort, wo ich hingehöre? Oder eher: ein Ort, an dem ich dazugehöre? Muss das die Gegend sein, in der ich aufgewachsen bin? Können es mehrere Orte sein? Ist es womöglich kein Ort, sondern ein Gefühl? Alles nicht so eindeutig – wie auch beim deutschen Begriff „Heimat“.

Heimat gibt es auch im Plural

Nicht erst seitdem „Heimat“ zum Zuständigkeitsbereich des Innenministeriums erklärt wurde, gibt es Diskussionen um den Begriff. Manche spotten darüber; andere empfinden ihn gerade in Zeiten von Globalisierung und Digitalisierung als besonders wichtig. Bundespräsident Steinmeier hat in seiner Rede zum Tag der Deutschen Einheit betont, dass es „Heimat“ auch im Plural gibt, der Grünen-Politiker Robert Habeck ruft dazu auf, Begriffe wie „Heimat“ und „Patriotismus“ nicht den Rechten zu überlassen.

Wie sehen das Menschen, die gezwungenermaßen viel über „Heimaten“ nachdenken – über die, die sie verloren haben, und über das Land, das vielleicht eine neue Heimat werden kann? Darum wird es am 26. Februar im „Diwan“, der gemeinsamen Veranstaltungsreihe von Tagesspiegel und Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit, gehen. Die Syrerin Souad Abbas, Chefredakteurin der größten arabischsprachigen Flüchtlingszeitung in Deutschland „Abwab“, wird mit Bernd Ulrich, dem stellvertretenden Chefredakteur der ZEIT und Leiter der Politikredaktion, diskutieren: Wie kann es gelingen, dass Deutschland zu einer Heimat für alle wird, die hier auf Dauer leben, egal woher sie stammen? Was können die Einheimischen, was die Geflüchteten selbst dafür tun?

"Abwab" heißt: "Türen"

Souad Abbas, die seit drei Jahren in Deutschland lebt, hat in einem Interview mit dem „Focus“ Robert Habeck recht gegeben: Jeder Deutsche dürfe stolz auf sein Land sein, sagte sie, man solle nicht auf den „Trick der AfD“ hereinfallen, die die Heimatliebe für sich reklamiere. Der Begriff „Heimat“ sei nicht ausgrenzend, für einige ihrer syrischen Freunde sei Deutschland mehr Heimat als Syrien, weil es ihnen eher „geholfen habe, sie selbst zu sein“, ihnen mehr „Gegenliebe“ entgegengebracht habe.

„Abwab“ heißt auf Deutsch „Türen“. Die Zeitung, die seit 2016 in einer Auflage von 40 000 einmal im Monat bundesweit erscheint, wird gratis in Kulturzentren, Flüchtlingsunterkünften und Restaurants verteilt und will dazu beitragen, Türen zu öffnen. Sie möchte den arabischen Lesern die deutsche Gesellschaft erklären und nahebringen – damit Verbindungen und Freundschaften entstehen, die im besten Falle ein Heimatgefühl wachsen lassen.

Ein neues Wir

Denn letztlich geht es um ein „neues Wir“: So sieht es Bernd Ulrich, der vor seiner Tätigkeit bei der ZEIT Leitender Redakteur des Tagesspiegels war. Er hat – nach Titeln wie „Deutsch, aber glücklich“ und „Sagt uns die Wahrheit! Was die Politiker verschweigen und warum“ – zuletzt das Buch „Guten Morgen, Abendland. Der Westen am Beginn einer neuen Epoche. Ein Weckruf“ veröffentlicht. Darin analysiert er die Weltlage, wie sie sich nach dem neuesten, dem „vielleicht letzten großen Mauerfall – dem zwischen der vormals Ersten und der vermeintlich Dritten Welt“ darstellt. Bis vor Kurzem war die Globalisierung eine Einbahnstraße, schreibt Ulrich: „Der Westen konnte sich aus dem Süden noch einseitig holen, was er brauchte, seien es Drogen, Arbeiter oder Prostituierte.“ Inzwischen jedoch wachsen vor allem in Asien wirtschaftliche Konkurrenten heran, kommt der islamistische Terror nach Europa und vor allem: Es kommen, quasi als Verkörperung des Gezeitenwechsels, der sich zwischen Erster und vormals Dritter Welt vollzieht, die Flüchtlinge. „Sie erzwingen eine völlig neue Nachbarschaftlichkeit – oder aber einen neuen Grad von Abschottung mit bisher nicht gekannter Brutalität und Rigorosität.“ Eine Herausforderung nicht nur für Deutschland, dieses „seltsame Land“.

Tagesspiegel-Projekt #jetztschreibenwir

Die Veranstaltungsreihe „Diwan“ ist Teil des Projekts #jetztschreibenwir, in dem geflüchtete Journalisten im Tagesspiegel publizieren. Die Exiljournalisten bereiten gerade eine Beilage zum Thema Heimat und Ankommen vor – und sind sich, wie in einem Workshop deutlich wurde, in einem einig: Auch wenn „Deutschland“ für sie noch keine Heimat geworden ist, in Berlin fühlen sich viele von ihnen zu Hause.

BUCHVERLOSUNG

Wir verlosen Exemplare des Buchs von Bernd Ulrich. Mitmachen können Sie bis zum 22. Februar unter www.tagesspiegel.de/gewinnen oder per Postkarte an Der Tagesspiegel, Askanischer Platz 3, 10963 Berlin, Stichwort Salon.

Diwan mit Souad Abbas und Bernd Ulrich, 26. Februar, 19 Uhr, Askanischer Platz 3, 10963 Berlin. Mit Simultanübersetzung ins Arabische. Eintritt frei , zur Anmeldung.

Autor

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