Event-Tipp : Tagesspiegel-Karikaturist präsentiert Jahresband

Hauptfiguren Trump und Merkel: Klaus Stuttmann stellt seinen Band für 2018 vor. Seien Sie dabei!

Wulstig. Trump und Merkel sind die Hauptfiguren in Klaus Stuttmanns Jahresband – neben Seehofer, Söder, Erdogan sowie Otto und Ottilie Normalverbraucher.
Wulstig. Trump und Merkel sind die Hauptfiguren in Klaus Stuttmanns Jahresband – neben Seehofer, Söder, Erdogan sowie Otto und...Abbildung: Klaus Stuttmann

Keiner kann den Entenschnabel so schön zeichnen wie Klaus Stuttmann. Zwar sind auch andere Karikaturisten weltweit auf die Idee gekommen, Donald Trump mit einem Donald-Schnabel zu porträtieren. Aber, so schwärmt Karikaturen-Kenner Andreas Platthaus: „Derart wunderbar wulstig organisch, wie Klaus Stuttmann das Entenhausener Attribut ins Antlitz seines präsidialen Zerrbildes eingepasst hat, ist es niemandem sonst gelungen.“ Wunderbar wulstig organisch, ach! Andreas Platthaus kennt sich aus, denn der „FAZ“-Redakteur hat ein ganzes Buch zur Geschichte der Karikatur geschrieben, mit dem Titel: „Das geht ins Auge“ (Die Andere Bibliothek, 480 Seiten).

Stuttmanns Karikaturen gehen jeden Tag direkt in die Augen der Tagesspiegel-Leser, und wie immer im Dezember erscheint bald wieder sein Jahresband, der 200 Karikaturen aus dem Jahr 2018 versammelt (Schaltzeit Verlag, 228 Seiten, 19,90 Euro). Er trägt den Titel „Is was?!“ und zeigt eine Kanzlerin, die aus dem Bild geht und sich dabei langsam auflöst, eine Wolke von Steinbröckchen hinterlassend.

Das Lachen bleibt im Halse stecken

Mit dem Stuttmann-Band in der Hand können sich Betrachter und Betrachterin dann an schöne und schlimme Ereignisse des Jahres erinnern: etwa an die Sondierungen („Zeit der Einzelgespräche“: Alle Parteichefs liegen bei Steinmeier auf der Couch) oder an Trumps Besuch an der chinesischen Mauer, als er Gemeinsamkeiten mit China entdeckt: „Ach, ihr habt ja auch eine Grenze zu Mexiko?“ Mal kommt das Lachen von Herzen, etwa wenn Seehofer, Merkel und Martin Schmidt mit Gehstock und Rollator unter dem Banner „Für Aufbruch, Erneuerung, Innovation“ stehen, mal bleibt es im Halse stecken, wenn es um Erdogan, Klimawandel, rechte Hetze geht. Und die Hauptfiguren des Jahresbands sind natürlich: Trump und Merkel.

Stuttmanns Merkel-Bilderbuch

Auch Merkel kann ja niemand so schön zeichnen wie Klaus Stuttmann. Das weiß jeder, der seine Bilder im Tagesspiegel gesehen oder einen Blick in den Prachtband geworfen hat, den Stuttmann bereits im September herausgebracht hat: „Mein Merkel-Bilderbuch“ heißt das Werk und umfasst fast 800 (!) Zeichnungen aus drei Jahrzehnten (Schaltzeit Verlag, 184 Seiten, 24,90 Euro).

Im Tagesspiegel-Salon wird Klaus Stuttmann am 5. Dezember beide Bände vorstellen. Mit dabei ist auch Andreas Platthaus, der das Vorwort zum Jahresband geschrieben hat. Durch die Anwesenheit des Karikaturen-Historikers ist gesichert, dass Stuttmanns Wirken nicht nur mit Blick auf das Jahr 2018 gewürdigt, sondern, wie es ihm gebührt, in die Weltgeschichte eingebettet werden wird. Comic-Experte Lars von Törne wird den Abend moderieren und immer wieder auf historische Parallelen und Fragestellungen hinweisen.

"Gradmesser der Aufklärung"

Zum Beispiel auf die Frage, was eine Karikatur eigentlich ausmacht: Ist jedes Bild eine Karikatur, wenn darauf Menschen verzerrt, übertrieben, grotesk dargestellt werden? Andreas Platthaus meint: nein. „Zur Karikatur gehört Widerstand. Eine Zeichnung, die kein kritisches Bewusstsein zeigt und sich gegen einen ohnehin machtlosen Gegner richtet, verrät nur Häme, wenn nicht gar pure Hetze.“ Ein Bedürfnis nach Aufklärung im modernen Sinne, nach Gesellschaftskritik: Das gehört für Platthaus und auch für Stuttmann untrennbar zur Karikatur dazu. Das Wort selbst stammt aus dem Italienischen – das Verb caricare bedeutet ursprünglich überladen, als Bezeichnung für Zerrbilder von Personen in kritischer Absicht ist der Begriff erst seit dem 18. Jahrhundert gebräuchlich. Die Karikatur macht sich also nicht gemein mit den Mächtigen, haut nicht auf Schwache und Wehrlose ein, sondern ist, wie Platthaus schreibt, ein „Gradmesser der Aufklärung“.

In einer Zeichnung im Jahresband hat sich Klaus Stuttmann selbst porträtiert. Er steht an der Bürotür eines Chefredakteurs und muss sich anblaffen lassen: „Keine Trump-Karikaturen mehr!“, raunzt der oberste Redakteur. „Über kranke, debile und demente Menschen macht man keine Witze!!“ Tja: Wenn sie die Macht haben, eben doch. Mit oder ohne Entenschnabel, wunderbar, wulstig und organisch.

Zeitung im Salon mit Klaus Stuttmann, Andreas Platthaus und Lars von Törne. Mittwoch, 5. Dezember, Beginn 19 Uhr. Eintritt inkl. Sekt und Snack 16 Euro, Infos und Anmeldung.

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