FRAGEN  an Christoph von Marschall : Würden Sie gern ein Interview mit Donald Trump führen?

"Wir verstehen die Welt nicht mehr": Christoph von Marschall stellte sein neues Buch im Salon vor - und beantwortet Fragen der Gäste.

Christoph von Marschall.
Christoph von Marschall.Foto: Kitty Kleist-Heinrich

Wie wird die deutsche Politik von unseren Partnern etwa in den USA, Frankreich, Polen gesehen? Darüber hat Christoph von Marschall das Buch „Wir verstehen die Welt nicht mehr“ geschrieben. Im Tagesspiegel-Salon stellte er es vor Kurzem vor. Hier einige Fragen der Gäste. 

Wie viel Zeit hat Europa noch, um zu der „Weltmacht“ zu werden, die man sich geopolitisch wünscht?
Bernd Schmelzer, Brandenburg

Eigentlich hat Europa keine Zeit zu verlieren. Aber es nimmt sich die Zeit, die es nicht hat. Und verlässt sich darauf, dass die USA uns Europäer schützen werden. Wenn Europa die Notwendigkeit zur Veränderung ernst nimmt, dauert es eine Generation, bis es strategisch eigenständig wird. Wenn nicht, länger.

Sie sagen, dass deutsche Politiker vor der Kamera anders reden als hinter verschlossenen Türen. Das erschreckt mich. Ist das nicht Teil der Politikverdrossenheit derzeit, weil die Bevölkerung es merkt? Kathrin Otto, Reinickendorf

Es ist schon okay, dass nicht alles öffentlich breitgetreten wird. Aber im Kern der politischen Botschaft sollten sich die Erkenntnisse der Politiker spiegeln. Das Wissen, wie schlecht die Bundeswehr ausgerüstet ist, passt nicht zur pauschalen Ablehnung höherer Verteidigungsausgaben. Wir sollten ihnen Mut machen, redlicher mit uns Bürgern zu sein.

Spiegelt die deutschlandkritische Politik der PIS in Warschau eine allgemeine Haltung der polnischen Bevölkerung gegenüber Deutschland? Stefan von Holtey, Steglitz-Zehlendorf

Nein. Die PiS wird von 37 bis 40 Prozent der Polen unterstützt. Aber es hat Folgen, wenn über die von PiS-Getreuen geführten Medien antideutsche Rhetorik verbreitet wird. Dagegen helfen die positiven Partnerschaftserfahrungen von Firmen und Kommunen nur begrenzt.

Würden Sie gerne ein Interview mit Donald Trump führen? Martha Bockstette, Teltow

Unbedingt. Nicht alles, was er sagt, ist falsch. Und er bedient sich auch nicht immer nur der Gossensprache.

Wie viel Vertrauen haben Sie in die Regenerationskräfte der amerikanischen Demokratie? Astrid von Pufendorf, Charlottenburg

Nicht unbegrenztes Vertrauen, aber eine Menge Vertrauen. Bisher funktionieren die „Checks and Balances“. Gerichte, das Parlament und die Medien setzen Trump Grenzen. 2020 ist die nächste Präsidentenwahl. Und wenn man die Handlungsfähigkeit der USA mit der Europas vergleicht, könnte man glatt fragen, ob Europa hoffnungsvoller dran ist.

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