FRAGEN  an Thomas de Padova : "Sie hat mich das Zuhören gelehrt"

Thomas de Padova stellte sein Buch über seine süditalienische Großmutter im Tagesspiegel-Salon vor. Hier einige Fragen der Gäste.

Thomas de Padova, Autor von "Nonna".
Thomas de Padova, Autor von "Nonna".Foto: Tsp

Thomas de Padova, Autor zahlreicher Wissenschaftsbücher etwa über Albert Einstein, Johannes Kepler und Galileo Galilei, ist Sohn einer Deutschen und eines Italieners. Nun hat der ehemalige Tagesspiegel-Redakteur ein Buch über seine Großmutter geschrieben, die Analphabetin war und die er jedes Jahr in Süditalien besuchte. Kürzlich stellte er „Nonna“ im Tagesspiegel-Salon vor. Hier einige Fragen der Gäste.

Warum haben Sie zu Hause nie Italienisch gesprochen? Hendrik Schmidt, Pankow

Anders als meine beiden Urgroßväter, die nach Amerika gingen und dort in einer Großstadt in einem „Little Italy“ wohnten, wo jeder Italienisch sprach, zog mein Vater in den 1960er Jahren in ein Dorf am Mittelrhein. Dort kannte niemand seine Muttersprache. Nicht einmal seine Frau. Und da er selbst als Maurer von früh bis spät arbeitete, machte er gar nicht erst den Versuch, uns seine Sprache beizubringen.


Was nehmen Sie aus der Lebenswelt Ihrer Großmutter mit für Ihren Alltag? Maren Laje, Steglitz

Eine wohltuende Entschleunigung. Wenn ich aus Berlin in das Dorf Mattinata komme, muss ich meinen Schritt verlangsamen, um anderen nicht in die Quere zu kommen. Und wenn ich meiner Nonna gegenüber in ihrer halb dunklen Wohnung saß, geschah oft nichts, außer dass ich zusammen mit ihr durch die Zeit hindurchsah. Sobald ich an meine Nonna denke, denke ich: „Piano, piano! Immer mit der Ruhe!“

In welcher Weise hat Ihre Nonna Sie geprägt? Ruth Melcer, Charlottenburg

Sie hat mich das Zuhören gelehrt. Das Zuhören auch da, wo Stille herrscht.

Fahren Sie immer noch gern in die Heimat Ihrer Nonna? Litzki, Marienfelde

Ich fahre immer wieder nach Apulien und suche heute mehr als zuvor das Gespräch mit anderen Dorfbewohnern. Besonders gerne höre ich alten Menschen abends bei der „passeggiata“ zu, dem Auf und Ab auf dem Corso.

Könnten Sie sich vorstellen, Ihren Ruhestand in dem kleinen Dorf Ihrer Nonna zu verbringen? Katrin Bösch, Zehlendorf

Nur für ein paar Wochen, vielleicht auch mal ein paar Monate im Jahr.

Haben Sie Ihrer Nonna kleine Geheimnisse entlocken können? Hedwig Sandmann, Kreuzberg

Davon handelt das Buch. Bis kurz vor ihrem Tod hat sie geschwiegen. Erst dann hat sie sich mir anvertraut.

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