Ärger mit Bahn und Fliegern : Wenn einer keine Reise tut

Unpünktliche Züge, Chaos im Himmel: Fahrgäste am Boden oder in der Luft sind oft leidgeprüft. Jetzt schaltet sich die Politik ein.

Anzeige der Flugausfälle während eines Streiks am Flughafen Tegel
Anzeige der Flugausfälle während eines Streiks am Flughafen TegelFoto: imago/STPP

Eigentlich sollte der ICE von Berlin nach Düsseldorf fahren. Doch dann kam es anders. Als erstes klappte die planmäßige Zugteilung in Hamm nicht. Der Zugteil, der nach Köln weiterfahren sollte, ließ sich nur mit größter Mühe abkoppeln. Dann funktionierten die Bremsen nicht. Die Reparatur dauert so lange, dass der Zug schließlich auch noch vorzeitig gestoppt wurde. Statt in Düsseldorf endete der Problemzug in Duisburg.

Viele ICEs sind unpünktlich

Reisende, die mit der Bahn oder dem Flieger unterwegs sind, brauchen starke Nerven. Störungen im Betriebsanlauf sind an der Tagesordnung. Im vergangenen Jahr verringerte sich die Pünktlichkeit der ICE-Züge von 78,5 auf 74,9 Prozent. Das ist nicht nur schlecht fürs Image, sondern kostet den Konzern auch Geld. 53,6 Millionen Euro hat die Bahn im vergangenen Jahr als Entschädigung an Reisende gezahlt, im Jahr zuvor waren es gerade einmal 34,6 Millionen Euro gewesen.

An diesem Donnerstag wird Bahnchef Richard Lutz auf der Bilanzpressekonferenz erklären, wie die Bahn besser werden will. Eine Zahl könnte ihm helfen. Im Februar lag die Pünktlichkeit bei 80 Prozent, „der beste Wert seit Februar 2018“, freut sich eine Sprecherin. Und eine kundenfreundliche Reform ist auch bereits in Sicht: Entschädigungen soll man künftig auch online beantragen können, sagte ein Bahnsprecher dem Tagesspiegel. Wann es so weit sein wird, könne man aber noch nicht sagen.

Aber mit dem Flieger ist es auch nicht besser

Sollten Reisende lieber auf das Flugzeug umsteigen? Wohl nicht. Glaubt man dem Internetportal Airhelp, ist die Zahl der Passagierflüge in Deutschland von 2016 bis 2018 nur um fünf Prozent, die Zahl der Verspätungen und Ausfälle aber um 55 Prozent gestiegen. Fast 800 Millionen Euro hätten Passagieren im vergangenen Jahr an Entschädigungen zugestanden, hat das Fluggastrechteportal Flightright ausgerechnet, 300 Millionen Euro mehr als 2017.

Das Luftfahrtbundesamt erhielt 2018 mehr als 4200 Beschwerden wegen Annullierungen, Verspätungen oder Nichtbeförderungen, 1500 mehr als im Vorjahr. An diesem Donnerstag berät Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) mit Vertretern von Airlines und Flughäfen, wie man das Chaos am Himmel in den Griff bekommt.

Das sind die schlimmsten Airlines

Besonders leidgeprüft sind die Passagiere der türkischen Fluglinie Onur Air, hat Flightright ermittelt. Fast jeder dritte Flug war verspätet. Auch TAP Express, TAP Portugal, Air Canada und Vueling stellten die Geduld ihrer Passagiere auf eine besonders harte Probe. Noch schlimmer traf es Kunden von HOP!, Joon, Lufthansa CityLine, Air Nostrum und BA Cityflyer. Diese Airlines annullierten besonders häufig Flugverbindungen.

Justizministerin Barley: Entschädigungen müssen verbessert werden

Bundesjustizministerin Katarina Barley will solche Zustände nicht länger hinnehmen. „Beim Thema Verbraucherfreundlichkeit gibt es bei vielen Airlines noch Luft nach oben“, sagte die SPD-Politikerin dem Tagesspiegel. Das gelte vor allem für die Frage, wie Kunden bei Verspätungen und Annullierungen entschädigt werden. „Entschädigungen müssen unkompliziert und rasch an die betroffenen Kunden ausgezahlt werden“, betonte Barley.

Die Ministerin unterstützt dabei die Forderung der Verbraucherschützer, das Verfahren für die Kunden zu erleichtern. „Anträge für Entschädigungen müssen digital gestellt werden können“, sagte die Ministerin. Ausdrücklich spricht sich Barley gegen Bestrebungen auf europäischer Ebene aus, die Voraussetzungen für Entschädigungen zu verschärfen, etwa durch eine Verlängerung der zumutbaren Verspätungszeiten oder eine Verringerung der Entschädigungszahlungen. „Einschränkungen bei den Entschädigungen lehne ich ab“, so die Ministerin.

Die Airlines, meint Barley, müssten Fluggäste zudem besser informieren als bisher. Zur Kundenfreundlichkeit gehörten auch „gut auffindbare“ Informationen, die in deutscher Sprache auf Fluggastrechte und Schlichtungsstellen hinweisen. Viele Kunden scheinen den Service der Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr (SÖP) aber bereits zu kennen: Die Zahl der Beschwerden über Airlines ist bei der SÖP im vergangenen Jahr um 140 Prozent auf rund 28.100 in die Höhe geschossen.

6 Kommentare

Neuester Kommentar