Aktien statt Scheine : Wie Sie kreativ Geld schenken

Wer an Weihnachten gerne Geld verschenken möchte, muss dies nicht mit einem langweiligen weißen Umschlag machen. Es gibt bessere Alternativen.

Aus Angst nicht das passende Geschenk zu finden, legen viele Verbraucher gerne Scheine und Gutscheine unter die Tanne.
Aus Angst nicht das passende Geschenk zu finden, legen viele Verbraucher gerne Scheine und Gutscheine unter die Tanne.Foto: Getty Images/iStockphoto

56 Prozent der Deutschen wollen dieses Jahr Scheine und Gutscheine unter die Tanne legen – vor allem, weil sie in Sorge sind, mit selbst ausgewählten Präsenten danebenzuliegen. Im Schnitt wollen sie 281 Euro ausgeben, hat die Unternehmensberatung EY in einer repräsentativen Umfrage herausgefunden. Allerdings: nicht jeder Beschenkte freut sich über einen Schein im weißen Umschlag. Zwar wird sich ein Jugendlicher, der auf ein Traumhandy oder ganz bestimmte Konzertkarten spart, freuen, wenn die Großmutter ihn weihnachtlich sponsert. Doch oft kommt der lieblose Schein auch nicht gut an. Es gibt Alternativen zum nackten Schein, die auch last minute umsetzbar sind.

Doppelte Freude mit einer Spende

Je nach den Vorlieben des Beschenkten lässt sich mit Geld auch doppelt Freude bereiten: mit einem Spendengeschenk. „Das gute Geschenk“ nennt es zum Beispiel Worldvision. Für 35 Euro kann der Schenkende Fruchtbaumsetzlinge in Peru für den Beschenkten kaufen. Der Beschenkte erhält eine Urkunde oder Grußkarte. Wahlweise gibt es Wasserfilter, Bienenstöcke, Winterjacken, Moskitonetze oder gleich eine Kuh für 735 Euro. Gerade mal 290 Euro zahlt, wer einem Jugendlichen in Guatemala eine Ausbildung für ein Jahr spendieren und damit den Beschenkten erfreuen will.

Die Auswahl unter den Spendengeschenken wird dabei von Jahr zu Jahr größer: Über die Berliner Stadtmission lässt sich ein Weihnachtsessen für Obdachlose verschenken, die Spendenplattform Betterplace vermittelt Futter für ein Tierheim. Via Ärzte ohne Grenzen kann sich der Beschenkte über 280 gegen Masern geimpfte Kinder freuen (70 Euro), über 35 Malaria-Tests (20 Euro) oder Tetanus-Impfungen für 96 Frauen (50 Euro).

Bei Plan International lassen sich Hühner für Familien in Ecuador spenden, mobile Hebammen in Laos oder Fischteiche in Sambia, die die Existenz der Menschen sichern und das Ökosystem schützen. Ähnliche Ideen haben von der Welthungerhilfe über Nabu, WWF und kirchliche Hilfswerke bis zu den SOS Kinderdörfern fast alle NGOs im Angebot. Zwar ist es bei vielen Anbietern nun zu spät für den Versand einer Spenderurkunde, aber meist lässt diese sich einfach ausdrucken. Auch Last-minute-Geschenkwünsche können bei einigen Anbietern noch kurzfristig platziert werden, etwa bei Ärzte ohne Grenzen. Sogar Langzeitgeschenke beziehungsweise Geschenk-Patenschaften sind möglich: beispielsweise kann ein großzügiger Schenker bei der BOS Foundation für den Beschenkten die Kosten für die Versorgung eines verwaisten Orang Utans in Auffangzentren auf Borneo übernehmen – für 25 Euro pro Monat. Lesen Sie hier, worauf Sie beim Spenden achten sollten.

Aktien oder Fonds mit Schleifen

Ein Alternative ist es auch, die Scheinchen in Sachwerte umzuwandeln, die sich notfalls auch wieder schnell zu Geld machen lassen. Außerdem bergen sie gleichzeitig die Chance auf einen Wertzuwachs in sich: Aktien oder Fonds. Selbst kurz vor Heiligabend lassen sich einzelne Aktien oder Fonds noch kaufen und übertragen – allerdings nur unter gewissen Voraussetzungen. So muss der Beschenkte ein Depot besitzen, ebenso wie der Schenkende, der sowohl Altbestände als auch neu gekaufte Papiere übertragen kann. Normalerweise gälte der Übertrag einzelner Papiere als Verkauf, für den der Schenkende dann Abgeltungsteuer zahlen müsste.

Zwischen Verwandten jedoch ist der Fiskus gnädiger: erklärt der Besitzer der Bank beziehungsweise dem Broker, dass es sich beim Übertrag des Fonds oder der Aktien um eine Schenkung handelt, dann bleibt der Transfer steuerfrei. Papiere im Gegenwert von bis zu 20 000 Euro können so steuerneutral verschenkt werden. Hat der Beschenkte kein eigenes Depot, so kann man vielleicht mit einem Gutschein arbeiten und den Übertrag erst nach den Festtagen in die Tat umsetzen. Ein Depot für einen anderen Erwachsenen zu eröffnen ist nicht möglich. Nur für ein nicht volljähriges Kind können dies die Eltern übernehmen – oder die Großeltern mithilfe der Eltern. Auch Geschenk-Sparpläne für Fonds oder Aktien kann man so abschließen.

Barren aus Gold oder Silber

Sehr festlich verschenkt sich Geld in seinen glänzenden Varianten, als Gold oder Silber. Am meisten für sein Geld bekommt man mit Barren, die dem Weltmarktpreis für die Edelmetalle am nächsten kommen. Allerdings: je kleiner die Stückelung, desto größer der Aufpreis. Kleinste Einheit ist beim Gold 1 Gramm, das derzeit, zum Beispiel als kleines Täfelchen der australischen Perth Mint, je nach Händler zwischen 51,50 und 54,50 Euro zu haben ist. Zehn Gramm kosten etwa 457 Euro, sind also deutlich günstiger. Wer es gewichtiger mag, muss sehr viel tiefer in die Geldbörse greifen oder Silber wählen. Ein halbes Kilo Silber gibt es für gut 320 Euro, in der Gold-Variante wären da schon knapp 22 000 Euro fällig. Übrigens: Im Jahr 2019 hat der Goldpreis zulegen können. Wer sich bereits im vergangenen Jahr entschieden hatte, seinen Liebsten ein paar Gramm Gold unter die Tanne zu legen, musste kurz vor Weihnachten 2018 nur 46,50 Euro für ein beziehungsweise 369 Euro für zehn Gramm hinblättern.

Ein Stück für die Münzsammlung

Etwas weniger Gold fürs Geld, dafür mehr fürs Auge gibt es bei Goldmünzen, die ja aufwendiger geprägt werden müssen. Vor allem Anlagemünzen, die sogenannten Bullion-Münzen, eignen sich als Wertspeicher statt Geld. Am beliebtesten sind hier der American Eagle, der österreichische Philharmoniker, der südafrikanische Krugerrand oder der kanadische Maple Leaf. In ihrer 1-Unzen-Variante kosten die Münzen bei einem Goldpreis von aktuell 1328 Euro (1479 Dollar) rund 1390 bis 1415 Euro, kleinere Stückelungen (bis zu 1/20 Unze) entsprechend weniger. Doch Vorsicht: sollte der Beschenkte das Gold umgehend wieder zu Geld machen wollen, so wird er wegen des Spreads zwischen Kauf- und Verkaufspreis weniger dafür bekommen. Umgekehrt hat Gold jedoch einen klaren Vorteil: Während Geld, das verschenkt wird und dann auf Konten lagert, durch die Inflation automatisch an Wert verliert, besteht beim Gold zumindest die Chance auf Wertgewinne.

Das Sparbuch unterm Baum

Auch wenn derzeit praktisch keine Zinsen fließen, verschenken manche Menschen gerne ein Sparbuch statt Scheinen – vor allem Ältere an Jüngere. Hier gibt es mehrere Möglichkeiten. Wer selbst ein Sparkonto eröffnet, kann es zwar verschenken und vielleicht bei entsprechender Gelegenheit weiter befüllen, rein rechtlich bleibt es jedoch beim Schenkenden. Dies lässt sich umgehen mit einem Sparvertrag zugunsten Dritter. Der Einzahlende kann dann auch entscheiden, ob das Geld sofort oder erst ab einem bestimmten Ereignis, etwa dem 18. Geburtstag oder der Heirat, an den Beschenkten übergeht. Will man für ein Kind, einen Jugendlichen oder einen Erwachsenen direkt ein Sparbuch auf dessen Namen eröffnen, so ist dessen beziehungsweise die Unterschrift der Eltern notwendig. In jedem Fall gilt: auch minimale Zinsen muss derjenige versteuern, dem der Sparvertrag oder das Tagesgeldkonto gehören. Angesichts der Minimal- bis Nullverzinsung gegenwärtig fällt dies jedoch derzeit kaum ins Gewicht.

Ein Gutschein, ein Gutschein

Eine Alternative für die schnöde Banknote sind auch Gutscheine. Nahezu alle größeren Händler bieten solche Gutscheine in diversen Stückelungen an. Zum Einlösen haben die Beschenkten wegen der allgemeinen Verjährungsfrist maximal drei Jahre Zeit, unabhängig davon, was auf dem Gutschein vermerkt ist. Eine Beschränkung auf ein Jahr gilt nach diversen Urteilen allerdings als „unangemessen“. Keine Regel ohne Ausnahme: manchmal ergibt sich eine Befristung aus der Art des Gutscheins, etwa bei Theatergutscheinen, die nur für eine bestimmte Saison gültig sind. Übrigens: Ein Recht, sich den Wert des Gutscheins nach den Festtagen gleich in bar auszahlen zu lassen, hat der Beschenkte nicht. Dafür darf er ihn laut Verbraucherzentrale auch in mehreren Teilen nutzen.