Verbraucher : an Gabriele Francke Verbraucherzentrale Berlin

Soll ich in den Standardtarif?

an Gabriele Francke

Ich habe mich vor gut 20 Jahren für eine private Krankenversicherung entschieden. Inzwischen 57 Jahre, beträgt der Gesamtbeitrag monatlich 717 Euro (686 Euro Krankenversicherung, 31 Euro Pflegepflichtversicherung). Seit kurzem haben sich meine Einkommensverhältnisse (Altersteilzeit) aber geändert, und ich sehe mich veranlasst, eine günstigere Krankenversicherung zu suchen. Die gesetzlichen Kassen nehmen mich nicht. Meine private Versicherung hat mir zwei neue Tarife (mit höherer Selbstbeteiligung) vorgeschlagen, aber auch die sind noch recht hoch. Wäre der Standardtarif eine Alternative, und wie hoch dürfte der sein?

Wer den Weg in die private Krankenversicherung geht, muss sich klar sein, dass die Kosten im Laufe der Jahre steigen, ohne dass sie vom Einkommen – wie bei der gesetzlichen Krankenversicherung – abhängen. Das führt dazu, dass gerade im Alter mit veränderten Einkommensverhältnissen die Beiträge zur privaten Krankenversicherung zur großen Belastung werden. Der Gesetzgeber hat schon vor Jahren reagiert, als er den privaten Krankenversicherungen aufgegeben hat, sogenannte Standardtarife einzuführen.

Der Standardtarif ist begrenzt auf den Höchstbetrag der gesetzlichen Krankenversicherung und entspricht im Umfang in etwa den Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung. In den Standardtarif kann nach den jetzt geltenden Gesetzen wechseln, wer das 65. Lebensjahr vollendet hat. Darüber hinaus gibt es die Möglichkeit, mit Vollendung des 55. Lebensjahres zu wechseln, sofern das Gesamteinkommen die Jahresarbeitsentgeltgrenze von derzeit 42 750 Euro nicht übersteigt. Außerdem ist immer eine Vorversicherungszeit in dem privaten Krankenversicherungsunternehmen von zehn Jahren erforderlich.

Der Wechsel in den Standardtarif bedeutet auch, dass Zusatztarife wie zum Beispiel vereinbartes Tagegeld oder Krankenhaustagegeld nicht in den Versicherungsschutz einzubeziehen sind. Man kann also nicht den Standardtarif durch Zusatztarife aufstocken. Da der Standardtarif verringerte Leistungen und natürlich auch verringerte Arzt- und Zahnarztkosten beinhaltet, sollte vor dem Wechsel in den Standardtarif überlegt werden, ob nicht eine Umtarifierung sinnvoll ist.

Die Krankenversicherer sind gesetzlich verpflichtet, bei jeder Beitragserhöhung Angebote zu Umtarifierung zu unterbreiten. Dies kann ein Wechsel in eine andere Tarifgruppe zu veränderten Leistungen sein, auch eine höhere Selbstbeteiligung ist denkbar. Die Erfahrungen der Verbraucherzentrale zeigen, dass viele Versicherer bei der Nennung von günstigen Alternativtarifen mauern. Es sollte daher konkret nach einer Umtarifierung in Neu-, Einsteiger- oder Hausarzttarife gefragt werden. Im Hinblick auf erhöhte Selbstbeteiligung ist noch mitzuteilen, dass die höheren Aufwendungen für Gesundheit im Rahmen der jährlichen Steuererklärung absetzbar sind. Auch dies sollte in die Überlegung einbezogen werden. Foto: Thilo Rückeis