Verbraucher : an Sabine Fischer Verbraucherzentrale Brandenburg

Warum kostet der Flug das Dreifache?

an Sabine Fischer

Ich habe im Internet einen Flug nach London für 20 Euro entdeckt. Als ich ihn buchen wollte, standen plötzlich 60 Euro als Endpreis auf der Rechnung. Wie kann das gehen?

Besonders Billigairlines locken zuweilen mit Tiefstpreisen. Doch das Erwachen kommt bei der Buchung: Neben Flughafengebühren und Steuern, die meist nicht im beworbenen Ticketpreis inbegriffen sind, werden Flugreisende auch bei den Gebühren für Übergepäck zur Kasse gebeten. Mehrere Fluggesellschaften haben ihre Gebührentarife für Zusatzkoffer und zu schweres Gepäck erhöht, zuletzt British Airways (BA) und Air France. Reiserechtsexperten raten darum, die gesamten Kosten für den Flug vor Reiseantritt genau zu prüfen, denn gegen hohe Gebühren für zusätzliches Gepäck haben Flugreisende rechtlich kaum etwas in der Hand.

Als Vorreiter für diese Entwicklung können die Billigflieger angesehen werden. Ryanair kassiert seit 2006 für jedes aufgegebene Gepäckstück, selbst wenn die Menge unter der Freigepäckgrenze von 15 Kilogramm bleibt. Zwischen 4,50 Euro und zehn Euro kostet die Aufgabe der Gepäckstücke, je nachdem ob sie online oder direkt am Schalter angemeldet wurden. Der Begriff Freigepäck ist hier absolut irreführend.

Ärgerlich sind aber auch die abenteuerlichen Preisvarianten der Billigflieger, allen voran der Verbrauchernepp mit den Ticketpreisen. Die niedrigen Summen mit dem hohen Werbefaktor geben den tatsächlichen Preis für die Flugreise nicht korrekt wieder. Dabei müssen nach der Preisangabenverordnung gegenüber Endverbrauchern Endpreise angegeben werden. Das hat auch ein Urteil des Bundesgerichtshofes vom 5.7.2001 (AZ: I ZR 104/99) bestätigt.

Für Internetauftritte der Airlines ist die Regelung allerdings aufgeweicht worden, so dass rechtlich gegen die Dumpingsummen allenfalls aus wettbewerbsrechtlicher Sicht vorgegangen werden kann. Der Bundesgerichtshof hatte seinerzeit mit Urteil vom 3.4.2003 (AZ: I ZR 222/00) entschieden, dass ein Anbieter eines Internet-Reservierungssystems für Linienflüge bei der erstmaligen Bezeichnung von Preisen nicht gleich den Endpreis angeben muss, der sich erst nach fortlaufender Eingabe und Auswahl der gewünschten Flugverbindung ergibt. Dies deshalb, weil die anfallenden Steuern und Gebühren, die zum Nettopreis hinzukommen, vom jeweiligen Flugziel und vom Routing abhängig sind und der Endpreis damit unterschiedlich hoch ausfällt. Auch der sogenannte Kerosinzuschlag ist neben den Steuern und Gebühren Bestandteil des Endpreises.

Reisende sollten bereits im Vorfeld aufmerksam sein und sämtliche Zusatzkosten beachten. Gerade Billigflieger sind dafür bekannt, dass die Nebenkosten den Gesamtpreis vervielfachen können, nicht nur in puncto Gepäckgebühren. Auch Kerosinzuschlag, Steuern und Flughafengebühren fallen ins Gewicht. Foto: Thilo Rückeis