Sinkende Aktienkurse : Wie man auch in der Krise an der Börse Gewinne machen kann

Stopp-Loss, Short-ETFs, Buy Hold - es gibt verschiedene Wege für Aktienanleger angesichts der drohenden Rezession tun. Einige sind jedoch kostspielig.

Es gibt nicht nur einen Fallschirm gegen den Absturz, aber für bestimmte Anleger kommen nicht alle infrage.
Es gibt nicht nur einen Fallschirm gegen den Absturz, aber für bestimmte Anleger kommen nicht alle infrage.Foto: Getty Images

Die Zeichen stehen auf Rezession. Die Aktienindizes funken zwar Schwächezeichen, haben sich insgesamt aber noch ganz gut gehalten. Dennoch sorgen sich Anleger um ihr Geld. Wer sein Depot absichern will, hat eine ganze Reihe von Möglichkeiten. Die wichtigsten Modelle im Überblick:

Die Stopp-Loss-Methode

Eine der beliebtesten und einfachsten Methoden zur Depotsicherung ist der Stopp- Loss. Dabei legt der Anleger bei seiner Bank für ein bestimmtes Wertpapier einen Kurs für den automatischen Verkauf im Falle eines Abwärtsrutsches fest. Er teilt der Bank also beispielsweise mit, dass sie eine bestimmte Aktie, die derzeit bei 60 Euro notiert, sofort verkaufen soll, wenn der Kurs 51,50 Euro erreicht. Hauptproblem eines Verkaufslimits ist: Wo genau soll es liegen? Welcher Abstand zum aktuellen Kurs ist hier der richtige?

Das Niveau des Stopp-Limits hängt von Risikobereitschaft und Anlagehorizont des Anlegers ab. Grob vereinfacht könnten vorsichtige Anleger ihren Verkaufsstopp etwa zehn bis 15 Prozent unter dem aktuellen Kurs oder auch unter dem Kaufkurs setzen, Risikoorientiertere mindestens 20 Prozent darunter. Ist die Aktie volatiler, empfiehlt sich ein deutlich lockererer Stopp. Denn sonst können Aktienbesitzer durch einen plötzlichen, aber singulären Tauchgang aus dem Markt gekegelt werden – bevor die Aktie wieder steigt. Dies geschieht häufig, wenn Stopporder an charttechnisch wichtigen Marken gesetzt werden. Sinnvoller also ist es, den Stopp an einem ungeraden Niveau zu setzen.

Verkauft wird das Papier nicht zum Stoppkurs selbst, sondern zum nächsten Kurs danach. Wird ein Stopp-Loss beispielsweise in einem Crash bei sehr hohen Umsätzen und starkem Verkaufsdruck ausgelöst, können leicht auch ein paar Euro zwischen Stoppkurs und Verkaufskurs liegen. Allein deshalb sollte der Anleger die Stopporder an der umsatzstärksten Börse einloggen. Für deutsche Aktien ist das fast immer die elektronische Handelsplattform Xetra.

Steigt der Markt wider Erwarten, kann der Stoppkurs auch nach oben mitgezogen werden, um Gewinne zu sichern und den Abstand zum aktuellen Kurs in etwa zu halten. Allerdings verlangen Banken für Stopplimits wie für deren Anpassung Geld. Hier eignet sich ein sogenannter Trailing Stop, bei dem für den Fall steigender Märkte die Abstände zu den Verkaufslimits automatisch mitgezogen werden.

Umschichtungen in defensive Assets

Auch eine taktische Neugewichtung des Portfolios kann vor Verlusten schützen. In Zeiten konjunktureller Abkühlung leiden vor allem Aktien, deren Geschäft stärker von der wirtschaftlichen Entwicklung betroffen ist. So werden etwa Unternehmen der Autoindustrie, der Chemie, der Stahlbranche, aber auch Halbleiter-Unternehmen, Maschinenbauer und Luxuskonsumartikel weniger Geld verdienen, wenn die Konjunktur absackt. Umgekehrt werden Nahrungsmittel, Medikamente oder Energie zu allen Zeiten benötigt. Der Nachteil: Käufe und Verkäufe kosten Gebühren.

Zudem ist es unmöglich, die Zukunft so vorherzusagen, dass eine Sektorrotation im Depot verlässlich zum Schutz vor Verlusten führt. Denn das frei gewordene Geld muss ja anderweitig angelegt werden. Anleihen, die sehr häufig negativ verzinst und inzwischen hoch bewertet sind, sind nur begrenzt ein sicherer Ort. Auch Cash rentiert nicht mehr, ab 100.000 Euro verlangen die Banken oft sogar Strafzinsen. Alternativ bieten sich Rohstoffe wie Gold oder andere Metalle an, die jedoch in Dollar gehandelt werden und damit auch ein Währungsrisiko mitbringen. Erhöhen lässt sich die defensive Ausrichtung aber auch, indem von einzelnen Aktien auf Fonds gewechselt wird. Hier wacht nicht nur ein Profi über das Geld, sondern eine breite Mischung reduziert auch das Risiko.

Der Short-ETF

Mit einem Exchange Traded Fund (ETF) lässt sich sehr einfach und kostengünstig die Entwicklung eines Index abbilden. Dies gilt nicht nur für steigende, sondern auch für fallende Märkte. Denn einige Banken haben „Short-ETF“ im Portfolio, also Indexfonds, die steigen, wenn der Index fällt. Sie können Verluste normaler ETF, anderer indexorientierter Anlagen oder auch eines Aktienportfolios, das grob an einem Index orientiert ist, neutralisieren und damit ein Depot im Fall eines Crash vor starken Verlusten schützen.

Mit der falschen Anlagestrategie wird die Rezession an der Börse schnell zum Albtraum.
Mit der falschen Anlagestrategie wird die Rezession an der Börse schnell zum Albtraum.Foto: dpa

Doch diese Form der Absicherung ist kapitalintensiv und problematisch, falls es doch nicht zu einem Crash kommt. Wer beispielsweise ein Depot von 20.000 Euro, das vorrangig in Dax-Papieren investiert ist, mit einem Short-ETF auf den Dax verlässlich absichern will, muss tatsächlich weitere 20.000 Euro investieren, um einen sicheren Ausgleich zu erhalten. Der Short-ETF wird dann auch ziemlich genau um fünf Prozent steigen, wenn der Dax um fünf Prozent fällt. Dies gilt jedoch nur auf Tagesbasis. Wird der Short-ETF länger über schwankende Märkte gehalten, kann dies auch bei einem insgesamt leicht negativen Index zu Verlusten führen.

Ein Beispiel: Der x-trackers Shortdax Daily Swap liegt auf Jahressicht 2,82 Prozent im Plus. Das Minus im Dax liegt jedoch bei 6,45 Prozent. Die Differenz erklärt sich nicht nur aus den Kosten, sondern auch aus der Berechnungsweise und den zwischenzeitlichen Gegenbewegungen. Längere Seitwärtsbewegungen mit heftigen Schwankungen belasten das Ergebnis zum Teil deutlich. Short-ETF eignen sich also eher für kurze taktische Absicherungen und nur für Anleger, die Zeit haben, die Märkte zeitnah zu beobachten. Der Vorteil von Short-ETF ist, dass sie in echten Crashs eine gute, sehr transparente Absicherung bieten.

Optionsscheine und Zertifikate

Sehr effektiv, aber gleichzeitig auch sehr risikoreich absichern lassen sich einzelne Aktien oder auch das ganze Depot mit- hilfe von Finanzderivaten wie Optionsscheinen oder Knock-out-Zertifikaten. Sie sind mit einer Laufzeit versehen und verfügen über einen bestimmten Hebel, was den notwendigen Kapitaleinsatz reduziert. Um gegen Verluste abzusichern, werden Puts benötigt, die bei fallenden Marktpreisen steigen.

Es besteht jedoch bei Unter- bzw. Überschreiten einer bestimmten, zuvor bekannten Schwelle auch das Risiko eines Totalverlustes. Zudem verlieren die Scheine allein mit der Laufzeit an Wert. Lohnend sind Absicherungen mit Puts meist erst ab einem Depotvolumen von 50.000 Euro. Auch diese Art der Absicherung kostet gutes Geld: mit drei bis fünf Prozent der Depotsumme muss gerechnet werden.

Buy and hold

Augen zu und durch: auch mit dieser Strategie können Anleger unter bestimmten Bedingungen sogar massive Crashs überstehen. Der Blick zurück zeigt: Börsencrashs sind meistens kurz und heftig, die Kurse erholen sich jedoch relativ schnell wieder. Ablesbar ist das beispielsweise am Renditedreieck des deutschen Aktieninstituts, das die Wertentwicklung des Dax in allen denkbaren Anlage-Zeiträumen der vergangenen 50 Jahre misst. Danach waren die Auswirkungen eines Crashs in den meisten Fällen sehr viel schneller, im negativsten Fall jedoch nach 12,5 Jahren wieder ausgebügelt – und die Anleger wieder im Plus.

Im weltweit stark beachteten S & P 500, der die 500 wichtigsten Aktien der USA repräsentiert, waren zu allen Zeiträumen maximal 13,5 Jahre notwendig, um ganz sicher wieder im grünen Terrain zu landen. Für einzelne Aktien gilt dies natürlich nicht. Wer etwa Aktien der deutschen Telekom vor 20 Jahren gekauft hatte, ist weiter im Minus.

Wer Crashs einfach ignorieren möchte, braucht vor allem gute Nerven und ein ausgewogenes Depot. Profitieren kann ein Anleger vom Abwärtsrutsch, wenn er im Crash Aktien billig zukauft.

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