Verbraucher : Vitaminexpress für Eilige

Fatina Keilani

DAS TESTURTEIL: 6 Punkte 0 Punkte: Hände weg und alle Bekannten warnen, 5 Punkte: Noch mal drüber schlafen, 10 Punkte: Sofort kaufen

Na, auch wieder nichts Anständiges gegessen heute, nur Brötchen im Gehen oder Frittiertes an der Bude? Dann mal schnell ein Fläschchen Knorr Vie gekippt und die Vitaminbilanz stimmt wieder. Aber Moment! Geht es so einfach? Sicher, es lag nahe, ein Produkt in die klaffende Nährstofflücke eiliger Zeitgenossen zu pressen: Nachdem sich herumgesprochen hat, dass Vitamine in Tablettenform nichts bringen, weil sie nicht die gesunden sekundären Pflanzenstoffe enthalten, fehlte eine einfache Lösung für Gesundheitsbewusste, die nicht frisch kochen. Schließlich soll man drei Portionen Gemüse und zwei Portionen Obst essen, und zwar jedermann und jeden Tag. Wer schafft das schon? „50 Prozent des täglichen Bedarfs an Obst und Gemüse“ verspricht die Werbung für „Knorr Vie“, und ich, mit schläfrigem Hirn einkaufend, ging der Sache gleich auf den Leim.

Vier Geschmacksrichtungen gibt es, die alle echt lecker schmecken. Mein Favorit ist „Ananas Passionsfrucht Mais“, meine Nachbarin (sie ist Pharmazeutin, dazu komme ich gleich) steht auf „Apfel Karotte Erdbeere“. Auch „Banane Kürbis Kiwi“ und „Orange Banane Karotte“ sind köstlich. Nur dass meine Nachbarin sich davon nicht einlullen lässt. „Wissenschaftlich gesehen ist das natürlich völliger Schmu“, sagt sie. „Das mit den 50 Prozent ist ein pseudowissenschaftlicher Satz, der gar nichts aussagt.“ Ein Marketing-Ding.

Ich glaube, sie hat recht. Die Zutatenliste besteht aus Frucht- und Gemüsepürees und -konzentraten; dafür muss das alles ja erhitzt worden sein, und sind dann nicht die Vitamine kaputt? Auf der Knorr-Homepage steht jedenfalls, das Produkt könne eine Ernährung mit frischem Obst und Gemüse nicht ersetzen, es liefere aber einige der Nährstoffe.

Zum Preis muss gesagt werden: Das Zeug ist recht teuer. Drei Ampullen à 100 Milliliter kosten 1,99 Euro, was einen Literpreis von stolzen 6,68 Euro ergibt. Die Konkurrenz ist billiger: Schwartau hat ja schon vor einiger Zeit „Fruit2day“ in die Kühlregale gestellt, ein vergleichbares Fruchtgetränk, das den halben Tagesbedarf decken soll, allerdings ist die Flasche doppelt so groß, und es sind Aromen und mir lästige Fruchtstücke enthalten. Literpreis: 4,48 Euro. Sogar die Discounter haben den Trend erkannt – Aldi zum Beispiel bietet auch 100-Milliliter-Fläschchen, vier Stück zu 1,49 Euro. Sie schmecken auch sehr gut. Und überhaupt: Was heißt schon gesund? Es kann ja nicht gesund sein, dass ein Erdbeerjoghurt 9000 Kilometer zurücklegt, bis er im Regal steht. Wie weit ist dann mein Ananasdrink gereist, und welche Schadstoffe wurden erzeugt, die am Ende wieder im Essen landen? Ich will hier mal dafür plädieren, auf jedes Produkt eine CO2-Bilanz zu drucken. In dieser neuen, klimabewussten Zeit würde das meine Kaufentscheidung wirklich beeinflussen.

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