Was auf Kreuzfahrten droht : Zehn Minuten Internet für 120 Euro

All inclusive? Von wegen. Wovor sich Reisende hüten müssen.

Ziel Mallorca: Kreuzfahrten - hier das Kreuzfahrtschiff Europa vor dem Hafen von Palma - sind gefragt.
Ziel Mallorca: Kreuzfahrten - hier das Kreuzfahrtschiff Europa vor dem Hafen von Palma - sind gefragt.Foto: dpa

Eine Woche Mittelmeer-Kreuzfahrt für 400 Euro, volle Verpflegung und Unterhaltung an Bord inklusive – bei solchen Schnäppchen greifen viele zu. 2,3 Millionen Deutsche buchten vergangenes Jahr eine Hochseereise, die Branche wächst enorm. Wer unbeschwert den Urlaub genießen will, sollte sich aber vorher gut informieren und absichern. Sonst kann das Erlebnis teurer werden als gedacht.

Kostenfalle Smartphone

Eine gemeine Kostenfalle ist die Smartphone-Nutzung an Bord. Anders als an Land gibt es dafür keine Begrenzung nach oben. Schon fünf Minuten Telefonieren und zehn Minuten Surfen können auch auf Fähren 120 Euro kosten, warnt das Magazin „Finanztest“ der Stiftung Warentest. Die Anbieter langen geradezu unverschämt zu, im Extremfall bekamen Seereisende Handyrechnungen über 12 000 Euro präsentiert. Die Verbraucherschützer raten daher, sich vor Reiseantritt über die Tarife an Bord zu informieren. Sowohl die Kreuzfahrt- als auch die Mobilfunkunternehmen kassieren für die nötigen Satellitenverbindungen mächtig ab. Schon eingehende Telefonate, die Nutzung von Whatsapp oder das Abhören der Mailbox können sehr teuer werden.

Vorsichtige schalten das Smartphone an Bord daher konsequent ab. Denn bereits meist voreingestellte Automatismen können zu teuren Rechnungen führen. So wählen sich Handys oft automatisch ins teure Bordnetz ein und viele Programme und Betriebssysteme laden Updates von selbst. Wenn ein Megabyte dann 33 Euro kostet, ist der Ärger programmiert.

25 Euro pro MB

Die Stiftung Warentest rät daher den Urlaubern, vor dem Gang an Bord den Flugmodus zu aktivieren, der alle Verbindungen verhindert. Wer erreichbar bleiben und wenigstens soziale Netzwerke nutzen möchte, sollte die automatischen Updates in den Einstellungen deaktivieren und die Angebotspakete der jeweiligen Reederei nutzen.

Die Verbraucherschützer haben im vergangenen Herbst die Tarife auf den Schiffen verglichen. Bei Aida, Costa, MSC und Tui Cruises kostet eine Woche alleinige Nutzung sozialer Netze demnach zwischen 19 und 29 Euro. Internetpakete sind mit 47,90 Euro (MSC) bis 109 Euro (Costa) deutlich teurer. Telefonate schlagen pro Minute mit 1,90 Euro (MSC) bis 4,99 Euro (Tui) zu Buche.

Wer statt des Bordnetzes seinen Mobilfunktarif nutzt, zahlt unter Umständen noch weit mehr. Für abgehende Telefonate rechnet die Telekom 3,99 Euro ab, O2 Telefonica bis zu 4,46 Euro und Vodafone bis zu 6,70 Euro. Selbst eingehende Telefonate kosten 1,99 Euro (Telekom), bis zu 2,19 Euro (Vodafone) oder gar bis zu 5,16 Euro (O2) pro Minute. Für eine schlichte SMS werden bis zu 99 Cent berechnet und fürs Internet zwischen 19,80 Euro (Telekom) und 25 Euro (O2) - und zwar pro MB.

Versicherung ist Pflicht

Ohne ausreichenden Schutz bei Krankheiten sollte niemand verreisen. Auf hoher See können eine Behandlung und womöglich ein Rücktransport sehr teuer werden. Diese Risiken deckt eine Auslandskrankenversicherung ab, die es schon ab acht Euro im Jahr gibt und die jeder haben sollte. Bei teuren Kreuzfahrten sei zudem eine Rücktrittsversicherung sinnvoll, rät die Stiftung Warentest. Damit ist die Kostenerstattung abgesichert, wenn die Reise wegen Krankheit nicht angetreten werden kann. Kombi-Tarife funktionieren auch, wenn der Urlaub wegen gesundheitlichen Problemen oder Unfällen abgebrochen oder verlängert werden muss.

Versicherer und Reedereien bieten für Kreuzfahrten spezielle Versicherungspakete an. „Finanztest“ hat 68 Angebote untersucht. Ergebnis: Die meisten bieten guten Schutz, lohnen sich aber nur eingeschränkt. Billiger sei es, Einzelpolicen für Auslandskranken- und Reiserücktrittschutz abzuschließen. Die Deckungssummen in den Paketen seien bei der Unfall- und Haftpflichtversicherung meist zu gering. Bei der Gepäckversicherung gebe es zu viele Einschränkungen, ein Schutz gegen Seekrankheit sei überflüssig.

Sonne gibt es umsonst an Deck, doch ansonsten müssen Kreuzfahrtgäste vorsichtig sein an Bord. Das Mobiltelefon stellt man am besten ab und im Internet sollten die Passagiere besser nicht surfen. Geht vielleicht auch mal ohne, ist ja Urlaub.
Sonne gibt es umsonst an Deck, doch ansonsten müssen Kreuzfahrtgäste vorsichtig sein an Bord. Das Mobiltelefon stellt man am...Foto: picture alliance/dpa

EU-Reiserecht nutzen

Was viele nicht wissen: Eine Schiffsreise mit Verpflegung und Unterhaltung an Bord fällt generell unter das EU-Pauschalreiserecht, selbst bei Eigenanreise. Das sei ein Riesenvorteil, betont Finanztest. Denn bei Mängeln können Reisende nachträglich eine Preisminderung und sogar Schadenersatz wegen entgangener Urlaubsfreude verlangen, wenn zum Beispiel die gebuchte Außenkabine nicht zur Verfügung steht. Die Forderung muss spätestens zwei Jahre nach Rückkehr geltend gemacht werden, besser aber früher.

Die Klassiker bei Beschwerden sind schlechtes Essen, zu enge Kabinen und dröhnende Schiffsmotoren. Der Veranstalter ist verpflichtet, bei berechtigten Beschwerden für Abhilfe zu sorgen. Wenn das nicht passiert, sollten die Mängel dokumentiert werden. Auch bei Routenänderungen und ausgefallenen Landgängen können Preisminderungen verlangt werden. Sofern schlechtes Wetter oder politische Unruhen für Einschränkungen verantwortlich sind, haftet der Veranstalter jedoch nicht.

Vorsicht beim Einkaufen an Bord

Viele Kreuzfahrtschiffe sind Einkaufsparadiese. Wer Schmuck oder Uhren in den Läden an Bord kauft, sollte aber darauf achten, dass der Händler seinen Sitz in der EU hat. Dann gilt die hiesige Gewährleistung. Käufer können bei Mängeln innerhalb von zwei Jahren Reparatur oder Ersatz verlangen und bei Weigerung den Preis zurückfordern. Falls der Händler seinen Sitz anderswo hat, wird es meist schwer, die Ansprüche durchzusetzen. Deshalb sollte man sich auch in bester Urlaubsstimmung solche Anschaffungen besser zweimal überlegen, um spätere Enttäuschungen zu vermeiden.

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