Von Tisch zu Tisch : Bruderherz

Freundlicher Service, sehr gute italienische Speisen: In diesem Charlottenburger Restaurant schlagen zwei Herzen für die Gäste.

Schlicht und gemütlich. Das Programm im Restaurant Bruderherz in Charlottenburg: "zeitlose italienische Küche".
Schlicht und gemütlich. Das Programm im Restaurant Bruderherz in Charlottenburg: "zeitlose italienische Küche".Foto: promo/Anna Nesterenko

Der Name ist Programm. Zwei Brüder teilen sich die Arbeit in dem kleinen Restaurant, das sich „zeitlose italienische Kulinarik“ auf die Fahnen geschrieben hat. Der eine kocht, der andere kümmert sich um die Gäste. Es herrscht eine spürbar freundliche Atmosphäre in dem schlicht, aber gemütlich eingerichteten Lokal. Die offene Küche ist durch einen Tresen mit eingebauter Vitrine vom eigentlichen Restaurant getrennt. Unter der Decke eine Schiefertafel, an der Wand Weinregale – gemütlich wie in einem Kaufmannsladen von früher.

Im Laufe des Abends erfuhren wir noch ein bisschen über die Geschichte des Restaurants. Die Brüder waren Kinder, als die Familie aus Polen nach Berlin zog, zunächst genau in diesen Charlottenburger Kiez, dem sie über die Jahre auf verschiedene Weise treu geblieben sind. Vom Umbau des Raumes, in dem vorher ein Weinlager untergebracht war, gibt es sehr schöne Vorher-Nachher-Fotos in einem Foto-Buch, das uns stolz zum Dessert präsentiert wurde. Kein Getue, und man ist auch nicht gezwungen, sich mit dem makellos Deutsch sprechenden Team auf Englisch zu unterhalten.

Die Empfehlung, zum Aperitif statt Prosecco einen deutschen rosa Winzersekt vom rheinhessischen Weingut Sander zu probieren, erwies sich schon mal als gut, lebendiges Prickeln zum leicht fruchtigen Geschmack (7 Euro). Italienische Kulinarik wird hier mit weitem Horizont interpretiert. Dicke, krustige weiße Brotscheiben und exzellentes Olivenöl stillen den ersten Hunger.

Pasta wird grundsätzlich selbst gemacht

Die Vorspeisenauswahl war auf einem Brett ganz malerisch angerichtet: elegant drapierter Panchetta, die italienische Antwort auf den Schweinebauchspeck, hauchzarter Parmaschinken und Fenchelsalami, gegrillte Gemüsestücke an kleinen Holzspießen, Auberginen, Zucchini und getrocknete Tomate, Artischocke, einmal am Stück, einmal als eine Art Streusel, Süßkartoffelpüree farblich passend zur Kapkirsche, zweierlei Käse in Gestalt von Roccolo und Gorgonzola, dazu Feigensenf (14 Euro). Optisch ebenso ansprechend war die Parmigiana, was keineswegs selbstverständlich ist. Der Auberginenauflauf mit Tomaten und Büffelmozzarella schmeckt aber auch schon wegen der guten Zutaten, dazu gab es auf demselben Teller Blattsalate mit Kirschtomaten und winzigen, weißen Apfelwürfeln (13 Euro).

Pasta, hatte der Gastgeber gleich zu Anfang verkündet, wird hier grundsätzlich selber gemacht, das gilt auch für die Lasagne. Wir probierten die exzellenten Ravioli mit einer feinen Füllung aus einem Püree von Roter Bete, einem Modegemüse, das, kombiniert mit Bio-Ricotta und Minz-Butter, quasi über sich hinauswächst (14 Euro). Optisch ansprechend angerichtet war der Hauptgang aus Thunfischsteaks auf mildscharfem Wasabi-Kartoffel-Püree, umgeben von einer luftige Girlande Limetten-Espuma. Die Steaks waren schön rosig und wohlschmeckend, nur von der Konsistenz her hätten sie etwas weniger durch sein können. Umgeben waren die Steaks von drei kleinen Portionen Thunfischtatar (22 Euro).

Mit Liebe zubereitetes Soul Food

Beim „Nasch-Tisch“, wie das Dessert hier genannt wird, hätte es des Hinweises „hausgemacht“ gar nicht bedurft, man hätte es auch so erkannt, wenn man den Begriff in seiner erfreulichsten Form interpretiert, nämlich als mit Liebe zubereitetes Soul Food. Okay, Tiramisu ist jetzt nicht gerade ein Kracher an Originalität, aber in diesem Restaurant schmeckt es in Gestalt eines deftigen Stücks tatsächlich richtig gut (6 Euro). Die Weinkarte konzentriert sich auf italienische und deutsche Weine. Nach der guten Erfahrung mit dem Aperitif entschieden wir uns für einen Chardonnay aus der Pfalz, einen 2016er von Rothmann (25 Euro).
Es ist dies also ein richtig nettes Nachbarschaftsrestaurant, dem man ein langes Leben wünscht. Ganz billig kann sowas natürlich nicht sein. Dass man sich dort wohlfühlt, muss wohl an der natürlichen Atmosphäre liegen, an dem Eindruck aufrichtiger Gastfreundschaft, den die Bruderherzen vermitteln.

Bruderherz, Leonhardtstraße 6, Charlottenburg, Tel. 33 85 20 77, täglich, außer Sonntag, ab 11 Uhr. Dieser Beitrag ist auf den kulinarischen Seiten "Mehr Genuss" des Tagesspiegel erschienen – jeden Sonnabend in der Zeitung. Hier geht es zum E-Paper-Abo. Weitere Genuss-Themen finden Sie online auf unserer Themenseite.

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