Von Tisch zu Tisch - die Restaurantkritik : Das Schmidteinander von Friedenau

"Vinophile Genusswerkstatt" nennt sich der Friedenauer Mehrzweck-Weinladen SchmidtZ&KO. Auch die Küche überzeugt.

Essen am Weinregal. Das "SchmidtZ&Ko" in Friedenau ist geräumig und mehr Geschäft als Restaurant - eine angenehme Atmosphäre.
Essen am Weinregal. Das "SchmidtZ&Ko" in Friedenau ist geräumig und mehr Geschäft als Restaurant - eine angenehme Atmosphäre.Foto: Christian Kielmann/SchmidtZ&Ko

Jetzt haben wir schon wieder ein Jubiläum verpasst, und zwar den 30. Geburtstag dieser Kolumne hier. Kann denn nicht mal jemand Bescheid sagen? Egal: Genau am 8. September 1988 haben wir mit dem Kritisieren und Loben begonnen, und es wäre sicher eine gute Idee gewesen, das damals zur Premiere ausgesuchte Restaurant erneut zu testen. Nur gibt es das "Harlekin" – wie fast alles andere von damals – längst nicht mehr, und auch das Grand Hotel Esplanade drumherum hat jeden kulinarischen Ehrgeiz fein sheratonisiert.

Ein Weinhändler und zwei Fernsehköche haben sich hier zusammengetan

Also was anderes – aus unserer Kiste "Komischerweise noch nie beschrieben". Da landen Restaurants, in denen wir noch nie gelandet sind, ohne genau zu wissen, warum. Im Fall des "SchmidtZ&KO" lag es möglicherweise daran, dass das Konzept anfangs überwiegend aufs Mittagessen konzentriert war, aber das ist längst vorbei. Für Neulinge müssen wir zunächst den Namen entschlüsseln: "Schmidt" steht für den Weinladen Schmidt, dessen Filiale dies hier ist. „Z“ ist Ralf Zacherl und "KO" Mario Kotaska, beide bekannt aus Funk und Fernsehen. Zacherl ist oft im Haus, Kotaska seltener, weil er in Köln lebt. Und, noch verwirrender, es gibt auch einen Küchenchef, nämlich Marcel Woest. Und einen Untertitel: "Vinophile Genusswerkstatt".

Global orientierte Gerichte zu vernünftigen Preisen

Hier kann also ganztägig auch Wein gekauft werden, das Angebot ist groß und gut – und gegen ein Korkgeld von 15 Euro gibt es jede Flasche am Tisch. Gut! Die Küchenstilistik ist nicht so einzigartig, es gibt gemäßigt modische, global orientierte Gerichte im Geist der Zeit zu vernünftigen Preisen, gekonnt zubereitet. Bei unserem Besuch gab es neben einem Sechs-Gang-Menü (64 Euro, vier 44 Euro) auch noch das viergängige "Stadtmenü" anlässlich der Food Week, das mit 79 Euro veranschlagt war, etwas teuer im Vergleich, denn das gaben Wareneinsatz und Mehrarbeit allein nicht her (alles auch à la carte, einfacherer, günstiger Lunch).

Voilà: "Waller, Kürbis, Kopfsalat". Gebratene Filets, rescher Salat, Kürbispüree und -kerne – das isst man gern, ohne viel drüber nachzudenken, saftig, gut balanciert, gut gewürzt. "Huhn Liebstöckel, Haut" erwies sich als klare Brühe mit einer kleinen Rolle aus Geflügelfarce und knuspriger Hühnerhaut obendrauf. Das Duroc-Schwein, offenbar leicht angeräuchert, kam mit gelben Erbsen und Blattspinat recht deftig abgestimmt, aber doch weit weg von Kneipenküche. Obendrauf noch ein angenehmes Dessert, nämlich Feige mit Kondensmilch, Whiskyschaum und Krokant – fertig war ein gut gekochtes Menü, sehr viel Essen fürs Geld.

Deftig abgestimmt, doch weit weg von Kneipenküche

Das teurere Menü schnitt in der Preis-Wert-Prüfung natürlich nicht so gut ab, war sein Geld aber trotzdem wert. Gebeizter Rauchlachs, ein saftiges Stück, wurde nicht skandinavisch gewürzt, sondern originell ins Nahöstliche gedreht; dazu passten Tempura-Gemüse, Püree aus roten Linsen und aufgeschäumter Ayran. Die mit Pulpo gefüllten Agnolotti bildeten das Zentrum einer Komposition aus Pulpostreifen, süßen Mango- und erdigen Rote-Bete-Kugeln, und zum schön rosigen US-Beef, wohl aus der Keule, passten auf etwas brave Art Pastinaken, pürierter Spinat und Kräutersaitlinge. Abschluss: Topfensorbet mit Kürbis und (Zucht-)Heidelbeeren. Wir waren durchweg zufrieden, wenngleich der Eindruck blieb, dass hier mit mehr stilistischer Fokussierung mehr drin wäre. Aber das würde vermutlich in den legeren Rahmen gar nicht passen – die Atmosphäre ist mehr Geschäft als Restaurant, durchaus angenehm.

Eine Weinkarte gibt es nicht – der Laden ist eine. Man geht herum, freut sich über das Angebot, der feine Veltliner "Alte Setzen" von Markus Huber (Wagram) etwa kommt auf 29,95 Euro. Aber wer sitzen bleiben will, kann auch einfach eine Weinbegleitung glasweise bestellen. Alles sehr sympathisch.

SchmidtZ&KO, Rheinstraße 45 – 46, Friedenau, Di – Sa 12 – 15 (nur SB-Lunch) und ab 18 Uhr, Tel. 200 03 95 70

Dieser Beitrag ist auf den kulinarischen Seiten "Mehr Genuss" im Tagesspiegel erschienen – jeden Sonnabend in der Zeitung. Hier geht es zum E-Paper-Abo. Weitere Genuss-Themen finden Sie online auf unserer Themenseite.

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