Von Tisch zu Tisch - die Restaurantkritik : Frischer Fisch, schneller Service, harte Stühle

Im "Funky Fisch" lässt Asia-Meister The Duc Ngo Portugiesen maritim kochen. Der puristische Fisch ist das Beste.

Aus dem Meer in die Kantstraße. Ob filetiert oder im Ganzen: Im "Funky Fisch" können die Gäste direkt an der Kühltheke bestellen.
Aus dem Meer in die Kantstraße. Ob filetiert oder im Ganzen: Im "Funky Fisch" können die Gäste direkt an der Kühltheke bestellen.Foto: Thilo Rückeis

Wenn Sie abends die Kantstraße runterkommen, dann ist da seit einiger Zeit dieser Menschenauflauf in Höhe Schlüterstraße – ausgelöst von The Duc Ngo, der seinem „Funky Fisch“ (ja, Fisch) später auch noch einen Veggie-Imbiss angeschlossen hat. Der Fisch ist anscheinend immer voll, und das, obwohl der schnelle Service und die harten Sitzgelegenheiten alles tun, um die Plätze so schnell wie möglich wieder freizumachen. Woran liegt das?

Seltsamerweise ist das das erste Restaurant des Berliner Panasien-Champions, in dem asiatische Einflüsse praktisch keine Rolle spielen. Die Küchenrichtung ließe sich als typisch portugiesisch in dem Sinn bezeichnen, dass den Grundprodukten aus dem Meer nichts Prägendes hinzugefügt wird; tatsächlich hörte ich, dass in der Küche Portugiesen arbeiten. Das Restaurant ist auch eher ein Zufallsprodukt, denn Duc wollte hier vor allem eine Produktionsküche etablieren, um seine Restaurants zentral mit Fisch zu versorgen.

Frischer Fisch, im Ganzen und filetiert - durchweg aus dem Meer

Kein Wunder also, dass schon die Auslage bezirzt: Erkennbar frischer Fisch, im Ganzen und filetiert, durchweg aus dem Meer, dazu Austern. Snapper, Adlerfisch, Kabeljau, Wolfsbarsch, Thun, als Blickfang meist auch ein großer Steinbutt, „4700g 285 Euro“ steht dann beispielsweise an der Tafel, das ist ein in Berlin sonst nicht übliches Angebot. Auch alle Filets werden nach Gewicht verkauft, was pro 100 Gramm zwischen zehn und 20 Euro kostet.

Meeresfrüchte auf Eis. Auch Garnelen und Austern sind im "Funky Fisch" im Angebot.
Meeresfrüchte auf Eis. Auch Garnelen und Austern sind im "Funky Fisch" im Angebot.Foto: Thilo Rückeis

Hinzu kommt eine erstaunlich lange Reihe von festgelegten Zubereitungen, zum Beispiel zwei Suppen. Eine weiß-sahnig mit Dill und Estragon (9 Euro), sehr gut, und eine Bouillabaisse (8/16 Euro), die mir nicht ganz so gefallen hat, weil die typischen Aromen von Fenchel, Safran und Tomaten in einem leicht gelierten, betont würzigen Sud verschwanden und nicht präzise genug herausgearbeitet waren; beiden Suppen eigen war die großzügig bemessene, angenehm unverkochte Einlage.

Auf Wunsch wird an der Theke alles in Carpaccio verwandelt

Wer ein Carpaccio bestellt, kann dem Mann an der Theke beim Schneiden zusehen – er macht nicht viel dran, ein bisschen Zitrone, Meersalz, ein paar Zwiebelwürfel, Gott sei dank von den milden großen, das ist leicht und köstlich; hier wird auf Wunsch alles carpaccisiert, was da ist (13-19 Euro). Auch die Tempura-Technik sitzt, der Teig ist leicht, dünn und unfettig. Die gemischte Version (14 Euro) war ein bisschen sehr gemüselastig, aber die Hausmayo egalisierte das angenehm. Den Salat „Funky Fisch“ (21 Euro) hätten wir dann eher entbehren können, weil der Salat matt unter einer süßlichen Honigvinaigrette ächzte, so aber immerhin die gebratenen Fischstücke und Muscheln zur Geltung kommen ließ.

Hier der asiatische Einfluss: „Fisch Buns“, kleine chinesische Hefebrötchen mit Backfisch, Hoisin-Soße, Mayo, Gurke, Koriander, ein animierender Haps von einem, der weiß, wie’s geht (zwei für acht Euro). Das traf auch zu für das leichte Kartoffel-Stockfisch-Püree (fünf Euro), bei dem die Portugiesen natürlich ein Heimspiel haben. Schließlich das, wofür man wirklich unbedingt hingehen sollte: frischer Fisch aus der Theke, der glücklicherweise ganz pur serviert wird, nur mit separater Remoulade, Tomaten-Chipotle-Salsa und Brot. Unser Steinbuttfilet mit Saum (24 Euro für 200 Gramm), dezent hellbraun angebraten, traf den Punkt, das war genau, was man immer haben will, aber nie kriegt.

Das "Funky Fisch" ist auch eine gute Mittagsadresse

Auch beim Wein hat Meister Duc die Expertise, da stehen viel gute Namen aus Deutschland, Österreich und Portugal auf der Karte, und auch die Offenen sind gut und nicht billig: Fünf bis 10 Euro für 0,1l werden aufgerufen. Bliebe noch zu erwähnen, dass dies auch eine gute Mittagsadresse ist, dann sogar ohne Reservierung. Allerdings gibt es keinen gesonderten Business-Lunch und also auch keine Lunch-Preise.

Funky Fisch, Kantstr. 135-136, Charlottenburg, Tel. 23 53 16 86, täglich 12-23 Uhr, funky-fisch.de

Dieser Beitrag ist auf den kulinarischen Seiten "Mehr Genuss" im Tagesspiegel erschienen – jeden Sonnabend in der Zeitung. Hier geht es zum E-Paper-Abo. Weitere Genuss-Themen finden Sie online auf unserer Themenseite.

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