Von Tisch zu Tisch - die Restaurantkritik : Moabit mediterran

Im "Tre Stanze" wird italienisch mit Anspruch gekocht. Ein Restaurant mit guter Küche – und etwas Luft nach oben.

Das Restaurant "Tre Stanze" in Moabit bietet gehobene italienische Küche.
Das Restaurant "Tre Stanze" in Moabit bietet gehobene italienische Küche.Foto: Thilo Rückeis

"Drei Zimmer", so lautet übersetzt der Name dieses geräumigen Ecklokals. Vielen wird der Ort noch bekannt sein unter den Namen "Nola" oder "Probiermahl". Beide Restaurants galten über viele Jahre an als Vorboten der nahenden Gentrifizierung. Was das Ausgehen betrifft, blieb die in diesem toten Winkel Moabits bislang aus. Der Nachfolger ist ein praktischer Italiener für alle Fälle, wenngleich mit edlen Wurzeln und deshalb auch etwas für Feiern. Früher betrieb der Wirt in Ku'damm-Nähe das "Ovest", das unter anspruchsvolleren Italienern einen guten Namen hatte. Das Preisniveau ist in Moabit natürlich etwas volkstümlicher, die Breite des Angebots ebenfalls: Pasta, Pizza, aber auch feinere Speisen.

Die weißen Tischdecken sind mit Papierbögen bedeckt, der Raum wird von vielen Kerzen erleuchtet, das Ambiente ist auf eine stilvolle Art gemütlich und luftig. Der Service ist schwungvoll, flott und auf temperamentvolle Weise charmant.

Die Vorgänger-Restaurants galten als Vorboten der Gentrifizierung

Zum frischen Weißbrot gibt es Tomatenbutter. Die Vorspeisen kommen unheimlich schnell: Die Parmigiana ist lau wie bei einem Picknick zu fortgeschrittener Stunde, sie schmeckt wirklich gut und saftig mit Auberginen, Zucchini, Tomaten und Käse (11,50 Euro). Das Vitello Tonnato ist ziemlich gut, das Kalbfleisch nicht zu trocken, die Thunfischsauce hell und von recht dichter Konsistenz. Nur die Qualität der Kapern wäre ausbaufähig, sowohl den winzigen wie den größeren Äpfeln fehlt der typische Geschmack, bei Letzteren kommt noch ein irgendwie sandiger Gaumeneindruck hinzu. Da hat man an der falschen Stelle gespart (11,50 Euro).

Der Risotto Mare war großzügig mit Meeresfrüchten angereichert, Garnelen, Tintenfischringe, sogar Jakobsmuscheln, eine reichhaltige, sättigende Portion, sehr gut gemacht (13,50 Euro). Die Salsiccia erfreute sich einer prachtvollen Würzung und kam in drei Stücken, die von der Form her an große Champignonköpfe erinnerten. Den Röstkartoffelscheiben dazu hätte ein bisschen mehr Knusperbräune gut getan, und wenn man sie noch ergänzen wollte durch ein Dip, einen kleinen Salat oder etwas Gemüse würde das dieser Hauptspeise vielleicht die letzte Weihe verleihen (16,50 Euro).

"Crema di Caffe" war ein guter Abschluss, kälter fast als schmelzendes Eis, von geschmeidiger Konsistenz und mit einem pointierten Kaffeegeschmack. Ein Dessert, bei dem ich mich fragte, wieso das nicht öfter vorkommt auf italienischen Speisekarten. Das sanft ironische "Kennt jeder", mit dem das Tiramisu in der Karte annonciert wird, könnte hier zu einem "Mag jeder" werden (4,50 Euro).

Ein Lokal zum Wiederkommen

Von der Weinkarte suchten wir uns einen italienischen Grillo aus, den die nette Kellnerin tatsächlich noch im Weinkühlschrank fand, obwohl das Weinangebot gerade überarbeitet werden sollte. Ganz gut war er, vielleicht ein bisschen schwer. In diese Art Lokal passen leichtere, beschwingte Weine besser, die Fruchtigkeit und Lebensfreude vermitteln (22 Euro). Zum Aperitif kann man hier immerhin aber ziemlich gute Bellinis bekommen, sanft moussierend, von pfirsichgelber Farbe, sicher nicht mit Püree und Champagner bereitet, wie es im Sinne des Erfinders wäre, aber im Rahmen des Preismöglichen gut gemacht. (6,50 Euro) Die traditionelle italienische Schule manifestiert sich im Grappa, den es zum Schluss auf Rechnung des Hauses gibt.

Fazit: Ein Lokal zum Wiederkommen. Dabei schwingt allerdings ein wenig die Hoffnung mit, dass manches Detail noch ausgearbeitet wird. Und dass die Verspieltheit, die doch eine typisch italienische Tugend ist, den an manchen Stellen herb hervorschimmernden Purismus mit Grazie schlägt.

Tre Stanze, Dortmunder Str. 9, Tiergarten, Tel. 39 81 74 31, geöffnet Mo – Sa ab 17 Uhr, So ab 10 Uhr

Dieser Beitrag ist auf den kulinarischen Seiten "Mehr Genuss" im Tagesspiegel erschienen – jeden Sonnabend in der Zeitung. Hier geht es zum E-Paper-Abo. Weitere Genuss-Themen finden Sie online auf unserer Themenseite.

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