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Australien

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Australien: Mutmaßlicher Brandstifter steht vor Gericht

Angst vor Lynchjustiz: Der Prozess gegen einen der mutmaßlichen Brandstifter der verheerenden Waldbrände in Australien sollte ohne Namensnennung geführt werden. Nun hat der Richter den Namen vollständig genannt. Die Polizei bewacht den Täter, um Rache zu verhindern.

Ungeachtet von Befürchtungen der Lynchjustiz ist bei dem ersten Prozess gegen einen mutmaßlichen Urheber der verheerenden Waldbrände in Australien der volle Name des Angeklagten verlesen worden. Brendan S. wurde am Montag vor Gericht in Melbourne vorgeworfen, einen Brand gelegt zu haben mit 21 Toten. Bei den Bränden starben nach neuen Angaben mindestens 189 Menschen.

Der mutmaßliche Brandstifter war vergangene Woche in seiner Heimatstadt im Bundesstaat Victoria festgenommen und zu seiner eigenen Sicherheit nach Melbourne gebracht worden. Den Medien war es zunächst streng untersagt, Hinweise auf die Identität des Verdächtigen zu veröffentlichen. Damit reagierte die Polizei auf Rufe nach Selbstjustiz: Überlebende der Brände hatten im Fernsehen gefordert, die Brandstifter sollten an Pferden festgebunden und zerrissen oder mit Öl übergossen und verbrannt werden.

Angeklagter auch wegen Besitzes von Kinderpornographie angeklagt

Ein Richter hob die Anordnung zur Anonymität vor dem Prozess jedoch mit der Begründung auf, diese habe kaum "praktische Auswirkungen". Auf Wunsch des 39-jährigen Angeklagten fand der erste Prozesstag ohne ihn statt. Im Gefängnis wurde der Häftling gesondert untergebracht um zu verhindern, dass er von aufgebrachten Mithäftlingen angegriffen würde. Neben den Vorwürfen der Brandstiftung mit Todesfolge und absichtlichen Herbeiführens eines Buschbrands muss sich S. auch wegen Besitzes von Kinderpornographie verantworten. Ihm drohen bis zu 25 Jahre Haft.

Die Polizei schützte den Prozess mit einem großen Aufgebot, wütende Proteste blieben jedoch zunächst aus. Die Verteidigerin Helen Spowart warnte vor Angriffen auch auf die Familie des Angeklagten. "Das ist ein außergewöhnlicher Fall," sagte sie vor Gericht. "Das Ausmaß an Emotionen, Wut und Abscheu, das die Vorwürfe hervorgerufen haben, ist ohne Beispiel." Die Polizeichefin von Victoria, Christine Nixon, hatte die Öffentlichkeit gemahnt, den Verdächtigen der Justiz zu überlassen.

Premier: Brandstifter sollen im Gefängnis verrotten

Australiens Premierminister Kevin Rudd hatte vergangene Woche die Brandstifter als "Massenmörder" bezeichnet und gefordert, sie sollten "im Gefängnis verrotten". Brandstiftung war nach Ansicht von Experten auch die Ursache des Feuers in Maryville, bei dem möglicherweise bis zu einhundert Menschen starben.

Nach Polizeiangaben wurden alle außerhalb von Ortschaften gefundenen Toten mittlerweile identifiziert. Die Polizei durchsuche jetzt die "schwierigen" Gebiete innerhalb der niedergebrannten Gemeinden nach weiteren Opfern. Es werde noch einige Zeit dauern, bis die endgültige Opferzahl feststehe, sagte der Vizepolizeichef von Victoria, Kieran Walshe.

Gefahr noch nicht gebannt

Premierminister Rudd rief für den kommenden Sonntag einen nationalen Trauertag für die Opfer der Brände aus. Am Austragungsort des Tennisturniers Australian Open in der Rod Laver Arena in Melbourne soll eine Gedenkfeier abgehalten werden, die im Fernsehen und Rundfunk übertragen werden soll. Der 7. Februar, an dem die Feuer über die Häuser und Ortschaften hinweggefegt seien, werde sich als Tag der "Katastrophe, des Todes und der Trauer" in das Gedächtnis der Nation einprägen, erklärte Rudd.

Am Montag kämpften tausende Feuerwehrleute weiter gegen noch acht außer Kontrolle geratene Brände in Victoria, Ortschaften waren jedoch nicht bedroht. Die günstigen Wetterbedingungen sollen noch bis Mittwoch andauern, die Behörden warnten jedoch, dass starke Winde die Feuer wieder anfachen könnten. (saw/dpa)

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