• Busunglück in der Schweiz: Schwer verletzte Kinder schweben noch in Lebensgefahr

Warum verlor der Fahrer die Kontrolle über den Bus?

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Update
Busunglück in der Schweiz : Schwer verletzte Kinder schweben noch in Lebensgefahr

Viele Fragen blieben zunächst unbeantwortet. Vor allem: Warum verlor der Fahrer die Kontrolle über den Bus? „Ich kann den Unfall nicht nachvollziehen“, sagte der Bürgermeister von Anniviers, Simone Epiney. In Anniviers hatten die Mädchen und Jungen aus den flämischen Orten Lommel und Heverlee mit ihren Lehrern den Winterurlaub verbracht.

Nach Angaben des Pressesprechers der Walliser Kantonspolizei, Renato Kalbermatten, könnte sich der Unfall folgendermaßen ereignet haben: „Nach ersten Erkenntnissen hat der Fahrer die Herrschaft über das Fahrzeug verloren und einen Randstein touchiert und ist danach frontal in eine Nothaltestelle des Tunnels geprallt.“ Die Frontseite des Gefährts wurde komplett zerstört, die Passagiere in diesem Bereich hatten keine Chance. Aus dem hinteren Teil flogen vermutlich Menschen nach vorne. Mehr als zwanzig Stunden nach der Katastrophe präsentierte der Schweizer Ermittlungsrichter Olivier Elsig weitere Erkenntnisse: „Der Bus fuhr nicht zu schnell“, sagte er. Kein anderes Fahrzeug habe eine Rolle gespielt, die Straße sei nicht schadhaft gewesen. Die Behörden ermitteln jetzt in drei Richtungen: Hatte das Fahrzeug einen technischen Schaden? Litt der Fahrer unter Gesundheitsproblemen? Lag schlicht menschliches Versagen vor?

Wie die belgische Regierung bestätigte, waren die beiden Busfahrer der Gesellschaft Toptours aus dem flämischen Aarschot am Montagabend in dem Ferienort der Schüler eingetroffen. Offensichtlich legten die beiden Männer den vorgeschriebenen Ruhetag ein. Als die Fahrer am Dienstagabend zu der verhängnisvollen Fahrt aufbrachen, dürften sie nicht übermüdet gewesen sein. Nach Angaben des belgischen Außenministers Didier Reynders begleiteten zwei weitere Busse das Unglücksfahrzeug, sie aber setzten ihre Fahrt fort. Warum die Begleitfahrzeuge nicht stoppten, blieb unklar. Belgische Regierungskreise betonten den „exzellenten Ruf“ der Bus-Firma Toptours. Das Unglücksfahrzeug habe der „neuesten Generation“ gehört und über alle nötigen Sicherheitsvorkehrungen verfügt. Firmenfahrer müssten eine spezielle Ausbildung für winterliche Berggebiete absolvieren. Doch diese Erklärungen können die Familie nicht trösten.

Die vermutlich letzten Lebenszeichen vieler verstorbener Kinder fanden sich auf einem Blog. Über den Internetbotschafter versorgten die Schüler ihre Eltern mit Urlaubsnachrichten. Ein Schüler aus Heverlee schrieb: „Liebste Mama und Papa, es ist sehr cool. Das Essen ist sehr lecker. Es funktioniert alles sehr gut beim Skifahren. Aber ich vermisse euch so sehr.“ Der Blog ist jetzt nicht mehr zugänglich.

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