Welpen brauchen Erziehung und Gesellschaft - nicht nur Auslauf

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Duisburg : Der Welpenkrieg: Kleine Hunde aus dem Zoogeschäft

„Welpen brauchen Auslauf, den bekommen sie in der Zoohandlung nicht“, klagten die Tierschützer vor der Eröffnung des Hundegeheges. Und: „Die Hunde sind überfordert, wenn ständig Leute an die Scheibe klopfen.“

Zajac baute für 800 000 Euro ein Hundegehege, das die Auflagen des Veterinäramts übererfüllt. Die Welpen eines Wurfs, meist fünf Hunde, teilen sich jeweils einen 22 Quadratmeter großen Raum – so groß also wie ein durchschnittliches deutsches Wohnzimmer. Der Boden ist mit gelenkschonendem Gummi ausgelegt. Darunter ist eine Fußbodenheizung montiert, die ständig in Betrieb ist, und es gibt automatische Tränken. Eine Wand des Raums ist aus Glas, so dass die Besucher der Zoohandlung die Tiere sehen können. Zwischen den Besuchern und den Hunden liegt ein breiter Gang – niemand kann gegen die Scheibe klopfen. Von ihrem Wohnzimmer können die Hunde direkt in ein überdachtes Außengehege.

„Welpen brauchen intensive Betreuung und Erziehung, sie müssen an Menschen und andere Hunde gewöhnt werden, an den Verkehr, an Geräusche. Das ist in der Zoohandlung nicht möglich“, sagt Gudrun Wunsch. Welpen, denen diese frühe Erziehung fehle, seien verkorkst.

Zajacs Tierärztinnen haben einen strengen Trainingsplan für die Welpen erarbeitet: täglich 15 Minuten Gassigehen auf einer Strecke, auf der oft Menschen mit Hunden unterwegs sind, bis zu einer großen Kreuzung mit viel Verkehr. 15 Minuten Schmusen. 15 Minuten Kommandotraining. Alle Mitarbeiter werden geschult, bevor sie mit den Welpen in Kontakt kommen, damit sie dieselben Befehle geben. Ständig sind zwischen zehn und 20 Mitarbeiter bei den Hunden, auch am Wochenende, putzen die Anlage, füttern die Hunde.

„Den künftigen Halter der Welpen muss man genau prüfen“, sagt Gudrun Wunsch. „Wie wohnt er? Welches Tier passt zu seinem Lebensstil? Will er das Tier wirklich? In der Zoohandlung geht es nur ums Geschäft.“

Zajacs Tierärztinnen haben alle Verkäuferinnen geschult, worauf sie bei den künftigen Welpenhaltern achten müssen. Sie sagen, 40 Prozent der Interessenten würden abgewiesen. Und ein Tier in den Arm nehmen darf nur, wer ein langes Verkaufsgespräch hinter sich hat.

„Wir werden weiter kämpfen“, sagt Gudrun Wunsch. „Selbst wenn wir Zajac nicht stoppen können: Es geht auch darum, andere Zoohandlungen abzuhalten.“

Als Zajac sich vom Pudelzüchter im Münsterland verabschiedet, stimmt er sich wieder auf den Krieg ein. Dem Züchter befiehlt er: „Nennen Sie der Presse niemals Ihren Namen!“ Einmal habe ein Reporter den Namen von einem seiner Züchter veröffentlicht – anschließend habe der über Drohbriefe und Telefonterror geklagt. „Ich kann mit diesen Attacken gut umgehen, aber Sie wollen das bestimmt nicht“, knurrt Zajac. Dabei blickt er von oben auf den kleinen Mann herab. Mit zusammengezogenen Augenbrauen und vergnügter Grimmigkeit. Vielleicht führt Norbert Zajac den Krieg auch, weil er Spaß daran hat.

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