Einmal hingeschaut : Propagandabegleitung beim Fastenbrechen in der Türkei

In der Türkei wird zum Ende des Ramadan ein großes Fest gefeiert. Eine Kolumne über dessen politische Instrumentalisierung durch die AKP.

Ahmet Refii Dener
Mandeln oder Datteln sind ideal fürs Fastenbrechen.
Mandeln oder Datteln sind ideal fürs Fastenbrechen.Foto: Pixabay

In meiner Kindheit in der Türkei fiel der Ramadan auf die Wintermonate. Die Menschen freuten sich, wenn es auf den Ramadan zuging. Es wurde gefeiert. Das Besondere waren die Ramadan-Fladenbrote. Das sind die Fladenbrote, die man auch aus Deutschland kennt. In der Türkei gibt es sie nur zum Ramadan.

Es war üblich – zumindest in der Stadt – dass man andere zu sich einlud. Um in der Nacht aufstehen zu können, stellte man den Wecker. Die Kinder weckte man nicht, damit sie weiterschlafen konnten. Ich kann mich nicht erinnern, dass in der Grundschule überhaupt ein Kind fastete. Wenn die Fastenbrechzeit nahte, leerten sich die Straßen. Jedem war es egal, wer fastete und wer nicht. Der Ramadan-Monat war kein Teil der Politik.

Der Ramadan rutschte in die wärmeren Jahreszeiten

Als die AKP an die Macht kam, die den politischen Islam zum Instrument machte, hatte sie Glück: Der Ramadan rutschte auf dem Kalender immer mehr in die wärmeren Jahreszeiten. Besonders die Stadtverwaltungen nutzten die Chance und boten gemeinsames Fastenbrechen auf großen Plätzen und Straßen an.

Bedenklich finde ich, dass dieses gemeinsame Fastenbrechen in Deutschland sofort übernommen wurde. Auch ohne Parolen sind diese Treffen Propaganda für die AKP, denn sie hat das politische Fastenbrechen erfunden.

Die Müdigkeit bleibt im Verborgenen

2014 erreichte das Propagandafastenbrechen seinen Höhepunkt. Die Präsidentschaftswahlen standen am 10. August an, folglich wurden im Juli die tollsten Fastenbrechpartys veranstaltet, mit reichlich Propaganda für Herrn Erdogan. Von da an wurde der Ramadan zur Propagandazeit der Politiker. Der Ramadan-Monat hatte seine Unschuld verloren. Die AKP-Politiker müssen dabei nicht einmal viel reden. Allein ihre Anwesenheit ist Propaganda.

Irgendwann reichte das Fastenbrechen allein nicht mehr. Heute trifft man sich sogar um 2,3 oder 4 Uhr in der Nacht, je nach dem wann man das letzte Mal eine Mahlzeit zu sich nehmen darf, auf den Plätzen der Stadt und beginnt den Ramadan-Tag gemeinsam. Wann und wie die Menschen von dort nach Hause kommen, schlafen gehen, wie sie aufstehen und müde zur Arbeit gehen – das bleibt im Verborgenen.

Ob das ein Omen für die Wahl ist?

Die Ramadan-Monate rutschen in den nächsten Jahren Richtung Frühling und nach und nach wird der Ramadan wieder auf die Wintermonate fallen. Das Propagandafastenbrechen auf der Straße wird es dann nicht mehr geben. Wollen wir das mal als ein Omen für die kommenden Wahlen am 24. Juni sehen.

Ahmet Refii Dener arbeitet als Türkei-Berater. 2017 ist ARDner, wie sich der Blogger (go2tr.de) nennt, nach Berlin gezogen. Sonntags schreibt er im Tagesspiegel eine Kolumne.

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