Auf immer im Busch verschollen

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Erforschung Australiens : Ludwig Leichhardt auf Entdeckungsreise

Leichhardt notiert akribisch alles in seinem Tagebuch: Temperatur, Wetter, Flora und Fauna, die Beschaffenheit des Geländes, vor allem bei schweren Gewittern wird die Reise durch das unerschlossene Gelände zur Strapaze, die Tiere sinken im Schlamm ein und kommen nur mühsam vorwärts. Die Expedition ernährt sich von der Jagd, Leguane, Känguruhs, Vögel aller Art werden  geschossen. Im November werden die Vorräte knapp und Leichhardt entschließt sich, zwei Mitreisende zurückzuschicken. Dadurch fehlen schmerzlich zwei Pferde, aber dafür wird ein Ochse geschlachtet und das Fleisch getrocknet. Leichhardt muss sich eingestehen, dass er die Dauer der Reise falsch berechnet hatte.

Ab und an treffen sie auf Eingeborene, die Leichhardt reserviert beschreibt, für Geschenke sind die Vorräte zu knapp. „besonders bewunderten sie unsere rothen Decken. Beim Erblicken eines Degens wurden sie von Schrecken ergriffen und baten zitternd, ihn in die Scheide zu stecken. Sie erstaunten über das Ticken einer Uhr und die Bewegung ihrer Räder. Grössten Theils waren es junge Männer von freundlicher Gemüthsart und gefälligem Aeussern.“

Aber es bleibt nicht immer so harmlos. Am 28. Juni 1845 wird bei einem nächtlichen Überfall ein Expeditionsmitglied getötet, zwei verletzt. Am 17. Dezember erreicht die Expedition Port Essington. Einen Monat später tritt Leichhardt auf einem Segler die Rückreise nach Sydney an, wo er am 23. März 1846 begeistert empfangen wird.

Der Victoria Square in Port Essington an der Nordküste Australien. So sah der Ort zu Zeiten Ludwig Leichhardts aus.
Der Victoria Square in Port Essington an der Nordküste Australien. So sah der Ort zu Zeiten Ludwig Leichhardts aus.Foto: Aus dem Reisetagebuch

Doch bald schon reizt es Leichhardt, den Kontinent zu durchqueren und nach Perth zu gelangen, ein ungleich größeres Abenteuer, wie wir heute wissen. Am 1. Oktober 1846 bricht die Expedition auf, mit acht Männern, 14 Pferden, 16 Mauleseln, 40 Rindern, 90 Schafen und vier Hunden. Am 5. März erkranken Leichhardt und die ganze Mannschaft, die Strapazen nehmen zu und am 7. Juni 1847 beschließt er schweren Herzens die Reise abzubrechen und umzukehren.

Im Dezember 1847 bricht er noch einmal nach Westen auf, um es erneut zu versuchen. „Nachdem er dreihundert Meilen weit in’s Innere vorgedrungen, kehrte er wieder nach einer der äussersten Ansiedlungen zurück, diesmal jedoch nicht von Widerwärtigkeiten dazu gezwungen, sondern um Nachrichten über die Schönheit und Fruchtbarkeit der Gegend, durch welche er mit seinen Begleitern gekommen, zu überbringen, indem er als Grund für dies verfahren angab,  dass er befürchtete, von seiner grossen Reise nie wieder zurückzukehren, und dass er bekümmert gewesen wäre, die von ihm bis dahin gemachten Entdeckungen möchten mit ihm verloren sein – und  seitdem ist von einem Glaubwürdigen von ihm weder etwas gesehen noch gehört worden“, schreibt sein Übersetzer Ernst A. Zuchold am Ende der deutschen Übersetzung 1851.

Bis 1938 wurde immer mal wieder nach ihm gesucht, doch bis heute bleibt sein Verschwinden in den Weiten Australiens ungeklärt. So gesehen war sein Verdacht beinahe prophetisch, aber Leichhardt war sich auch immer der Strapazen und Gefahren seiner Reisen bewusst gewesen.

Die Australier dankten es ihm und benannten Straßen, Schulen und Berge nach ihm – und so ist er in Australien bis heute der bekannteste Deutsche.

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