Eurovision Song Contest : Roger Cicero siegt beim Vorentscheid

Er kann sein Glück nicht fassen: Der Swing-Musiker Roger Cicero singt für Deutschland beim Eurovision Song Contest. Der 36-Jährige lag beim Vorentscheid in der Zuschauergunst vor Rockpoet Heinz Rudolf Kunze und der Casting-Band Monrose.

Hamburg - Ciceros Siegertitel schien passend zum Weltfrauentag gewählt: "Frauen regier'n die Welt". Damit wird er am 12. Mai im finnischen Helsinki gegen 23 Konkurrenten aus ganz Europa antreten. Rund 800.000 Stimmen per SMS und Telefon waren für ihn eingegangen.

Der Hamburger, der erst vor rund einem Jahr einem größeren Publikum bekannt wurde, zeigte sich völlig überrascht von der Wahl der TV-Zuschauer. Er konnte seinen Sieg zunächst nicht fassen: "Ich bin total überwältigt und habe wirklich weiche Knie bekommen, als mein Name genannt wurde", sagte er nach dem Wettbewerb im Deutschen Schauspielhaus. "Es ist einfach großartig!" Für das Finale rechnet er sich durchaus Chancen aus: "Deutscher Swing ist durchaus etwas Besonderes. Ich werde mein Bestes geben." Die drei Monrose-Sängerinnen Senna (27), Bahar (18) und Mandy (16) waren nach der Verkündung der Entscheidung durch die Grand-Prix-Veteraninnen Alice und Ellen Kessler sichtlich enttäuscht. Kunze hatte sich ohnehin stets als Außenseiter bezeichnet.

Die drei Kandidaten standen jeweils zwei Mal auf der Bühne des Hamburger Schauspielhauses und präsentierten neben dem eigenen Song auch einen Grand-Prix-Klassiker. Monrose setzten neben ihrer Ballade "Even Heaven Cries" auf eine R&B-Version des Katja-Ebstein-Songs "Wunder gibt es immer wieder" (1970). Heinz Rudolf Kunze (50) sang den 1966er Grand-Prix-Siegertitel "Merci Chérie" von Udo Jürgens als auch seinen eigenen Song "Die Welt ist Pop". Cicero hatte sich neben seinem Wettbewerbssong für eine swingende Coverversion von "Zwei kleine Italiener" (Conny Froboess/1962) entschieden.

Viel Grand-Prix-Nostalgie

Die ARD lieferte eine perfekte Live-Show aus dem Hamburger Schauspielhaus, dessen Bühne mal ganz romantisch in rot, mal in kühles Blau getaucht war, dazu gab es viel Nebel, bewegliche Lichtvorhänge, Drehelemente auf der Bühne und Videowände. TV-Comedian Thomas Hermanns, bekennender Grand-Prix-Fan, führte wie bereits im vergangenen Jahr gekonnt durch die 90-minütige Sendung, in der viel Grand-Prix-Nostalgie auf dem Programm stand: Das Skandinavien-Trio Wencke Myhre, Gitte Haenning und Siw Malmkvist sowie Bucks Fizz, Johnny Logan und die Vorjahresteilnehmer Texas Lightning sorgten bei ihren Auftritten für Grand-Prix-Partystimmung unter den 800 Zuschauern, Paola erzählte als frühere Eurovisions-Teilnehmerinnen so manche Anekdote.

Auf Cicero ruhen nun die geballten Hoffnungen der deutschen Grand-Prix-Fans, denn der einzige deutsche Sieg liegt bereits 25 Jahre zurück: Nicole gewann 1982 im englischen Harrogate den Wettbewerb mit dem Ralph-Siegel-Song "Ein bißchen Frieden". Im vergangenen landete die Country-Band Texas Lightning um Komiker Olli Dittrich nur auf dem 15. Platz - ihr Song "No No Never" war aber ein großer Hitparadenerfolg, der sich sich wochenlang auf Platz eins hielt. Den Wettbewerb in Athen gewannen die finnischen Monsterrocker Lordi, weshalb das Finale in diesem Jahr in Helsinki stattfindet.

Der Norddeutsche Rundfunk (NDR) wartete als federführender Sender nun gespannt auf ein anderes Ergebnis - die Einschaltquote, die am Freitagvormittag feststeht. Rund fünf Millionen Zuschauer hatten im vergangenen Jahr die Show eingeschaltet und der ARD einen Marktanteil von 16 Prozent gebracht. (tso/dpa)

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