Im Roten Rathaus heißt es: Niemand darf wissen, wo der Defibrillator hängt

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Defibrillator : Gut versteckte Lebensretter
Gwendolin Gurr Laura Stelter
Im Notfall stellt ein Defibrillator mit Stromstößen den Herzschlag wieder her.
Im Notfall stellt ein Defibrillator mit Stromstößen den Herzschlag wieder her.Foto: Thilo Rückeis

Gut platzierte Defibrillatoren und ein informiertes Personal sind jedoch nicht der Normalfall. Nicht nur der Begriff Defibrillator, auch seine Funktion scheint häufig unbekannt. Auf die Frage, ob es in diesem Gebäude einen Defibrillator gebe, lautet die Antwort: „Ja, da muss ich mal nachfragen. Brauchen Sie den gerade oder wie?“ Andere entgegnen, der Defibrillator stehe nur für interne Zwecke zur Verfügung. „Aber wenn draußen auf der Straße jemand umfällt, würden wir natürlich auch rauslaufen“, wird die Aussage zurechtgerückt. Während einige ihren Defibrillator auf interne Einsätze begrenzen, weisen andere darauf hin, dass man sich doch nicht in einem Krankenhaus befinde. Vielleicht ist es das allgemeine Unwissen über das Gerät und dessen Bedeutung, das viele dazu verleitet, über Standort und Zugang keine Auskunft geben zu wollen.

Am Empfang des Roten Rathaus werden wir zunächst informiert, dass ein Defibrillator direkt am Empfang platziert sei. Nach mehreren Telefonaten heißt es jedoch, dieser Fakt dürfe nicht veröffentlicht werden. Doch warum darf der Standort eines Defibrillators, der im Notfall Leben rettet, nicht öffentlich bekannt gemacht werden? Den Beauftragten für Raumplanung und Brandschutz des Roten Rathaus sind hierfür auf spätere Nachfrage keine Gründe bekannt. Die Angestellte habe sich in diesem Fall geirrt, heißt es entschuldigend.

Und im Europa-Center wussten die Angestellten der Informationsstelle zunächst nicht, wo sich ein Defibrillator befindet. Es gebe zwar einen Zuständigen, der das wisse, aber gerade nicht vor Ort sei. Dabei hat das Einkaufscenter durchaus daran gedacht. Ungefähr 15 Meter entfernt vom Infostand finden wir – deutlich gekennzeichnet – den Defibrillator. Das Management des Europa-Centers gibt an, großen Wert darauf zu legen, dass alle Mitarbeiter und auch die Mieter der Räumlichkeiten informiert sind. Dass keiner der Mitarbeiter vor Ort über den Standort des Gerätes Bescheid wusste, erklärt sich das Centermanagement damit, dass bei der Sicherheitsfirma viele neu eingestellte Mitarbeiter arbeiteten. Und auch Kurioses stellten wir fest: In einem der Gebäude, in denen wir uns erkundigten, suchte der befragte Mitarbeiter erst einmal im Telefonverzeichnis nach einer Person, die den Namen „Defibrillator“ trägt. Er hielt den medizinischen Schockgeber offenbar für einen Kollegen.

Auf der Suche nach öffentlichen Defibrillatoren in Berlin haben wir allgemeine Unsicherheit und Unwissenheit über das lebensrettende Gerät und seine Funktion erfahren. Regelmäßige Informationen und Schulungen könnten zumindest diese Probleme lösen.

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