Gesundheit : Warum wächst ein Ballen am großen Zeh?

Thomas de Padova

Zwei Beine. Das ist nicht viel. Aus Sicht der Evolutionsbiologie eine abgespeckte Version des Landgängers. Ob Käfer, Spinnen oder Haustiere, sie alle sind breiter aufgestellt als wir.

Die Minimalausstattung verlangt unseren Füßen einiges ab. Sie stehen ständig unter Druck. Die Last des Körpers verteilt sich über je 26 Knochen auf Vorfuß und Ferse, auf Innen- und Außenseite. Mehr als zwei Dutzend Muskeln und 100 Sehnen und Bänder verspannen das federnde Längs- und Quergewölbe. Zusätzlich dämpft die natürliche Polsterung des Fußes die Stöße beim Gehen.

Bei zu großer Belastung sinkt das Fußgewölbe jedoch ein. Platt-, Senk- und Spreizfüße sind manchmal erblich bedingt. Oft aber kommt es durch falsches Schuhwerk zu solchen Deformationen oder wenn man als Verkäuferin oder Kellner viele Stunden am Tag stehen muss.

Frauen haben einen schwereren Stand als Männer. „Ihr Bindegewebe ist häufig schwächer“, sagt Stephan von Ruediger, Chirurg und Vorstandsmitglied der Gesellschaft für Fußchirurgie. „Es hält das Fußgewölbe nicht ausreichend zusammen.“ Die Schuhmode tut das ihre dazu. Je höher die Absätze, umso stärker wird der Vorfuß belastet. Infolge dessen sinkt das Quergewölbe eher ein, die Mittelfußknochen werden auseinandergedrückt, der Fuß gespreizt. „Ein Spreizfuß ist die häufigste Ursache für einen Ballen am Großzeh.“

Beim Ballen, dem Hallux valgus, handelt es sich nicht um zusätzliches Knochenwachstum, sondern um ein heraustretendes Mittelfußköpfchen. Durch den Spreizfuß ändert sich die Zugrichtung der Sehnen. Die große Zehe wird nun wie ein Flitzebogen gespannt, weil die entsprechende Sehne nicht mehr geradewegs über das Zehenglied und ihr Grundgelenk führt, sondern daran vorbei. Der Prozess verstärkt sich wie von selbst. In vorne zu engen Schuhen wird die X-Stellung noch extremer.

Während die große Zehe abknickt, kippt an ihrem hinteren Ende das Köpfchen des Mittelfußknochens aus dem Gelenk. Es tritt zusehends hervor. Eine Druckstelle auf der Innenseite des Fußes ist oft das erste spürbare Anzeichen für das Überbein. Entzündet sich der Schleimbeutel über dem Knochenköpfchen, nimmt der Schmerz zu.

Der entstellte Fuß rollt beim Gehen nicht mehr richtig ab. Die Beschwerden können sich über Sprung-, Kniegelenk und Hüfte bis in die Wirbelsäule fortsetzen. Der Ballen sollte behandelt werden, ehe es so weit ist.

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