Kanada : Der Nobelpreis der Arktis

Bürgerinitiativen erhalten drei Millionen Dollar für die Arbeit in Kanadas Nordpolarraum - gestiftet von einem Schweizer und einer Iranerin.

Karge arktische Landschaft im Hafen von Gjoa.
Karge arktische Landschaft im Hafen von Gjoa.Foto: Chris Wattie/Reuters

Er ist der höchst dotierte Preis, der den Menschen in der Arktis gewidmet ist. Bis zu drei Millionen kanadische Dollar – rund zwei Millionen Euro – erhalten Bürgerinitiativen im Norden Kanadas jährlich, die sich für die Verbesserung der Lebensbedingungen und das Wohlbefinden der Menschen der Arktis einsetzen. Dahinter stehen ein Immigrant aus der Schweiz und seine Frau, die als politischer Flüchtling aus dem Iran nach Kanada kam: Arnold Witzig und Sima Sharifi.

Die Begeisterung für die Arktis hatte Arnold Witzig und Sima Sharifi vor sieben Jahren bewogen, aus ihrem Vermögen den „Arctic Inspiration Prize“ zu schaffen, der oft als „Nobelpreis der Arktis“ bezeichnet wird. Sie hatten die faszinierenden Landschaften und die Menschen der indigenen Völker kennengelernt, die seit Jahrtausenden in dieser harschen Umwelt leben, aber auch die sozialen und wirtschaftlichen Probleme vieler Gemeinden. „Wir wollen zur Lösung beitragen“, sagt Witzig. „Aber Lösungen sollen aus dem Norden von den Menschen der Arktis kommen, nicht vom Süden, der Konzepte überstülpt, die sich als falsch erweisen.“

Die Arktis ist reich an Rohstoffen - und Problemen

Beide sahen auf ihren Reisen in die Arktis die Widerstandsfähigkeit und die Bereitschaft der dortigen Menschen, ihr Schicksal in eigene Hände zu nehmen. Sie sahen aber auch, dass unkonventionelle Ideen nicht die gebotene Anerkennung und finanzielle Unterstützung bekommen. Die Arktis ist ein Gebiet reich an Rohstoffen und Potenzial für die Zukunft. Aber es gibt auch Probleme zuhauf: zerbrechende Familien, Identitätsverlust durch den schnellen Wandel von der Nomaden- zur Hightech-Gesellschaft, Arbeitslosigkeit, Drogenmissbrauch und psychische Probleme bis hin zur hohen Suizidrate. Hinzu treten die Folgen des Klimawandels.

Preis fördert Initiativen auf lokaler Ebene

Hier greift der Arctic-Inspiration- Preis, der auf lokaler Ebene Ideen fördert, die zur Stärkung der Gemeinden und Sicherung traditioneller Fähigkeiten und indigener Sprachen beiträgt. Bis zu zwölf Teams teilen sich das Preisgeld von jährlich bis zu drei Millionen Dollar. Jetzt wurden im Rahmen der Arktiskonferenz „Northern Lights“ in Ottawa wieder die Preise vergeben. Der erste Preis mit einer Million Dollar ging an eine Initiative in Yellowknife in den Nordwest-Territorien, die sich für indigene Frauen und Männer einsetzt, die obdachlos und suizidgefährdet sind und bisher kein Netzwerk hatten, das ihnen finanzielle und mentale Unterstützung gibt.

Die Unaaq-Männergruppe in Inukjuak in Nord-Quebec war nach einer Suizidserie gegründet worden, um Männern durch Rückbesinnung auf ihre Traditionen und Fähigkeiten Selbstbewusstsein zu geben. Sie erhält 500.000 Dollar, ebenso eine Gruppe in Carcross im Yukon, die ein Krisenzentrum für Familien in Konfliktsituationen geschaffen hat. Das „Qajaq Program“ in Chesterfield Inlet in Nunavut wird mit 140.000 Dollar gefördert. Jugendliche lernen von älteren Erwachsenen die Fähigkeiten, Kajaks zu bauen und Gemeinschaftssinn zu entwickeln. Zu den vier Jugendinitiativen, die bis zu 100.000 Dollar erhielten, gehört das Rankin Rock Hockey Camp, das in Gemeinden an der Hudson Bay Eishockeyfreizeiten für junge Inuit veranstaltet.

Im Iran saß Sharifi zwei Jahre im Gefängnis

Arnold Witzig, geboren 1949 in der Schweiz, wuchs auf dem elterlichen Bauernhof in der Nähe von Schaffhausen auf. Er studierte Architektur und baute in Zürich eine Unternehmensgruppe auf, die IE Engineering Group, die auf Industriebauten spezialisiert ist. 1998 verkaufte er das Unternehmen an die Mitarbeiter. Am 1. Juli 1999 flog er nach Vancouver. Wenig später lernte er Sima Sharifi kennen. Sie war Mitte der 1980er Jahre nach Kanada gekommen. Im Iran hatte sie sich für Frauenrechte engagiert und zwei Jahre im Gefängnis gesessen.

2008 gründeten die beiden die Stiftung. 2012 wurde die Auszeichnung erstmals und anders als der Nobelpreis nicht für Leistungen der Vergangenheit vergeben. „Der Arctic-Inspiration-Preis fließt in gegenwärtige und künftige Projekte. Wir blicken nach vorne“, sagen Sima Sharifi und Arnold Witzig.

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