Kopenhagen : Neue Ausschreitungen befürchtet

Nach den durch die Räumung eines Jugendzentrums ausgelösten Krawallen in Kopenhagen rechnet die Polizei mit weiteren Unruhen. In Hamburg, Hannover und Berlin kam es zu Solidaritätskundgebungen für die Hausbesetzer.

Kopenhagen - Die Polizisten blieben mit einem großen Aufgebot vor Ort, so lange es nötig sei, um den Frieden zu bewahren, sagte Polizeisprecher Flemming Steen Munch in Kopenhagen. Bis zum Nachmittag blieb es jedoch ruhig. Bei den durch die Räumung des Jugendzentrums Ungdomshuset ausgelösten Krawallen vom Donnerstag wurden in Dänemark 217 Menschen festgenommen, darunter neun Deutsche. Der dänische Regierungschef Anders Fogh Rasmussen verurteilte die Gewalt.

"Wir waren erstaunt über das Ausmaß des Konflikts", sagte Munch. Die dänische Polizei hatte landesweit Verstärkung angefordert. Ministerpräsident Rasmussen bezeichnete es als bedauernswert, dass einige Unruhestifter für Krawalle sorgten. "Wir haben in Dänemark Meinungsfreiheit und es ist schockierend zu sehen, dass Gewalt eingesetzt wird, um auszudrücken, was man denkt", sagte die dänische Justizministerin Lene Espersen dem Fernsehsender TV2.

17 Ausländer unter den Festgenommenen

Das Auswärtige Amt in Berlin teilte mit, die deutsche Botschaft stehe im Kontakt mit der dänischen Polizei. Ein Haftprüfungstermin sei für Freitag angesetzt. Nach Angaben der dänischen Polizei waren unter den Festgenommenen 17 Ausländer aus Deutschland, Frankreich, England, Polen und Litauen.

Gegen die Räumung des Ungdomshuset kam es am Donnerstagabend auch in Berlin, Hamburg und Hannover zu Solidaritätskundgebungen für die Hausbesetzer. Nach Polizeiangaben beteiligten sich in Berlin rund 300, in Hamburg mehr als 700 und in Hannover rund 120 Menschen. In Hamburg wurden 16 Demonstranten vorübergehend festgenommen. Einige Protestierende warfen mit Flaschen und Steinen und zündeten Müllcontainer an.

Protestkundgebung endete in Straßenschlacht

Die Auseinandersetzungen hatten am Donnerstagmorgen mit der Räumung eines von linksgerichteten Hausbesetzern bewohnten Jugendzentrums im Problemviertel Nörrebro begonnen. Eine Protestkundgebung mit mehr als tausend Teilnehmern mündete in stundenlange Straßenschlachten mit der Polizei. In der Nacht zum Freitag besetzten rund hundert vorwiegend junge Randalierer eine leerstehende Schule in Nörrebro, wie der dänische Sender TV2 meldete.

Das Jugendzentrum Ungdomshuset war mehr als 20 Jahre mit Duldung der Stadt Anlaufstelle der alternativen Szene. Selbst große Stars wie Björk traten dort bei Veranstaltungen auf. Dann wurde es von einer christlichen Sekte gekauft, die einen Gerichtsbeschluss zur Räumung des Gebäudes durchsetzte. Auf seiner Homepage spricht sich das Ungdomshuset gegen Rassismus, Diskriminierung, harte Drogen und Gewalt aus. Allerdings wird ein Unterschied gemacht zwischen staatlicher Gewalt zur Unterdrückung anderer und Gewalt zur Selbstverteidigung.

(tso/AFP)

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