• Mit dutzenden Flüchtlingen an Bord: "Aquarius" erneut auf der Suche nach rettendem Hafen
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Mit dutzenden Flüchtlingen an Bord : "Aquarius" erneut auf der Suche nach rettendem Hafen

Mit 58 geretteten Migranten an Bord sucht die "Aquarius" einen Platz zum Anlanden. Zuvor hatte Panama angekündigt, dem Rettungsschiff die Flagge zu entziehen.

Das Rettungsschiff Aquarius im Hafen in Senglea.
Das Rettungsschiff Aquarius im Hafen in Senglea.Foto: Roberto Runza/XinHua/dpa

Das Rettungsschiff "Aquarius" ist wieder einmal mit dutzenden Flüchtlingen an Bord auf der Suche nach einem Hafen. Die Hilfsorganisation SOS Méditerranée bat Frankreich am Montag um eine offizielle Anlegeerlaubnis im Hafen von Marseille. Das Schiff habe bereits Kurs auf die südfranzösische Mittelmeer-Stadt genommen, hieß es. Die französische Regierung forderte eine "europäische Lösung". Das Schiff, das sich noch nahe der libyschen Küste befand, solle den "nächstgelegenen sicheren Hafen" anlaufen.

Die "Aquarius" hatte 58 Migranten vor der libyschen Küste aus Seenot gerettet und will diese nun an Land bringen. Der Hafen von Marseille sei "die einzige Option, die wir haben", erklärte die Organisation, die das Schiff gemeinsam mit Ärzte ohne Grenzen betreibt. Ansonsten könne die "Aquarius" nicht zu weiteren Rettungseinsätzen auslaufen. Von seiner Position am Montagabend aus würde das Schiff etwa vier Tage bis Marseille benötigen.

Die französische Regierung reagierte zurückhaltend auf das Anliegen der "Aquarius"-Besatzung. "Wie wir es in den vergangenen Monaten wiederholt getan haben, suchen wir eine europäische Lösung nach dem Prinzip des nächstgelegenen sicheren Hafens", erklärte die Regierung gegenüber der Nachrichtenagentur AFP.

Seit Italiens Regierung im Sommer verkündet hatte, keine Rettungsschiffe mehr anlegen zu lassen, irrte die "Aquarius" bereits mehrmals auf der Suche nach einem Hafen über das Mittelmeer. Besonders dramatisch war eine Odyssee des Schiffs im Juni, nachdem es vor der libyschen Küste 630 Flüchtlinge an Bord genommen hatte. Italien und Malta verweigerten der "Aquarius" das Anlegen, nach tagelangem Warten durfte sie schließlich in den Hafen der spanischen Stadt Valencia einlaufen, die Flüchtlinge durften von Bord gehen. Im August duften 141 Migranten erst nach langem Warten in Malta an Land gehen, nachdem sich mehrere EU-Länder zu deren Aufnahme bereit erklärt hatten.

Panama will der "Aquarius" die Flagge entziehen

Zuvor hatte die Schifffahrtsbehörde Panamas mitgeteilt, den Prozess der Löschung der „Aquarius 2“, vormals „Aquarius“, aus dem Schifffahrtsregister des mittelamerikanischen Landes eingeleitet zu haben. Es gebe Berichte, dass das Schiff internationale rechtliche Vorgehensweisen in Bezug auf Migranten und Flüchtlinge missachtet habe, schrieben die Panamaer. Der Verlust der Flagge würde das Schiff de facto lahmlegen.

Hilfsorganisationen auf dem Mittelmeer reagierten entsetzt auf die Ankündigung. „Die Ankündigung verurteilt Hunderte Männer, Frauen und Kinder, die verzweifelt versuchen, sich in Sicherheit zu bringen, zu einem nassen Grab“, schrieben Ärzte ohne Grenzen (MSF) auf Twitter.

Die Organisation SOS Méditerranée forderte die EU-Regierungen auf, zugunsten der „Aquarius“ zu intervenieren. Die „Aquarius“ sei das einzige verbliebene nichtstaatliche Rettungsschiff im zentralen Mittelmeer. Die wichtigste Beschwerde, auf die sich Panama stützt, komme von den italienischen Behörden. Diese hätten gemeldet, der Kapitän des Schiffes habe sich geweigert, die Flüchtlinge an ihren Herkunftsort zurückzubringen.

Der italienische Innenminister Matteo Salvini verfolgt seit Antritt der neuen italienischen Regierung im Juni eine Null-Toleranz-Politik gegen Migranten, die mit Booten versuchen, illegal Italiens Küsten zu erreichen. Der Minister der Rechtspartei Lega will diejenigen anzeigen, die illegale Einwanderung begünstigten. Zugleich bestritt er, in irgendeiner Weise auf Panama Druck ausgeübt zu haben. „Ich kenne nicht einmal die Vorwahl von Panama“, schrieb er. (AFP, dpa)

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