Mode : Bakterien im Schuh

Per Bioengineering zum Sieg: Wie Bakterien in der Kleidung künftig Sportler schneller machen könnten.

Barbara Russ
Frisch aus dem Labor. Hier reagieren Bakterien auf einem T-Shirt auf die Luftqualität.
Frisch aus dem Labor. Hier reagieren Bakterien auf einem T-Shirt auf die Luftqualität.Foto: Promo

Beim Sportartikelhersteller Puma glaubt man fest daran, dass Bakterien in Kleidung Sportler schneller machen. Zusammen mit Forschern des Massachusetts Institute of Technology (MIT) Design Lab untersucht das dortige Innovationsteam Möglichkeiten, Sportlern mit sogenanntem „Biodesign“ zu neuen Höchstleistungen zu verhelfen.

Biologisch designte Kleidung kommt

Einlegesohlen mit Erinnerungsvermögen; T-Shirts, die je nach Luftqualität die Farbe wechseln; Schuhe, die personalisiert belüftet werden, Verpackungsmaterial, das sich flexibel an Produkte anpasst. Das ist alles nicht so weit entfernt, wie man denken mag. „Ich glaube, dass es innerhalb der nächsten drei Jahre möglich sein wird, biologisch designte Produkte zu kaufen“, sagt Charles Johnson, Global Director Innovation von Puma.

Tatsächlich könnten seiner Meinung nach bald lebende Organismen in der Kleidung einen 100-Meter-Läufer schneller machen oder einem Marathonläufer zu mehr Ausdauer verhelfen: „Wir kreieren Produkte, die sich an die Sportler und deren Umgebung anpassen. Im besten Fall geschieht das, ohne dass es den Sportlern besonders auffällt.“

Einlegesohlen, die lernen

Zum Beispiel könnte ein Sportler mit Hilfe der „Deep Learning Einlegesohlen“ Gedanken um sein Equipment hintanstellen und sich voll auf seinen Lauf konzentrieren. „Es handelt sich dabei um Einlegesohlen auf Silikonbasis mit Mini-Hohlräumen darin, die mikrobielle Kulturen enthalten. Diese Bakterien überwachen biochemische Vitalfunktionen, die sich während des Laufens oder Trainings ändern. Sie sind darauf spezialisiert, verschiedene Verbindungen im Schweiß zu erkennen. Als Antwort auf das, was sie wahrnehmen, geben sie Chemikalien ab, die Änderungen des Ph-Wertes oder der Leitfähigkeit der Sohle bewirken“, sagt Johnson.

Diese biochemischen Veränderungen werden registriert, die Signale digitalisiert und zur weiteren Analyse versendet, beispielsweise an ein Smartphone. So kann der Benutzer über bevorstehende Ermüdungserscheinungen informiert werden, noch bevor sie eintreten. Johnson: „Wenn man etwas über die eigene Ermüdung weiß, kann man lernen, wie man sie im Wettkampf vermeidet und dadurch schneller wird.“

Neben den Einlegesohlen entwickelt Puma eine neue Version des atmenden Schuhs. Der Biodesign-Schuh ermöglicht eine personalisierte Belüftung des Fußes, indem er individuelle Luftkanäle entwickelt, die den Fuß kühl halten. Entwickelt werden zurzeit auch ein T-Shirt mit „Carbon-Fressern“, die auf Umweltfaktoren reagieren und den Benutzer über die Luftqualität informieren, und biologisch programmierbares Verpackungsmaterial, das seine Form und Struktur verändern kann und dadurch biologisch abbaubar ist. Innovationen sind ein wichtiger Teil des umkämpften Sportschuhmarktes, der von Nike und Adidas angeführt wird.

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