Sportmode von Aeance : Alles für alle, immer

Mit der Sportmode von Aeance soll man für alles bereit sein. Damit entspricht die Kleidung genau den Anforderungen, die auch an den modernen Menschen gerichtet werden.

Die Sportkleidung von Aeance sind so schlicht gehalten, dass man sie nicht nur im Fitness-Studio tragen kann.
Die Sportkleidung von Aeance sind so schlicht gehalten, dass man sie nicht nur im Fitness-Studio tragen kann.Foto: promo

Arendt van Deyk kommt in einer Sporthose zum Interview. Nicht dass er vorhätte, schnell noch eine Runde ums Soho House zu drehen. Aber, und das ist entscheidend: Er könnte. Auch seine Partnerin Nadine-Isabelle Baier trägt ein langärmliges T-Shirt, das sie schon unzählige Male zum Joggen an der Isar getragen hat. Dass sie heute keinen Sport mehr macht, ist nicht zu übersehen, ihr Fuß ist fest in einen unförmigen Plastikschuh verpackt. Sie hat sich beim Laufen die Sehnen überdehnt.

Dass zwei, die ein Label für Funktionskleidung gründen, fit aussehen, ist selbstverständlich. Aber Nadine-Isabelle Baier und Arendt van Deyk sehen vor allen Dingen aus, als seien sie jederzeit zu allem bereit und haben das Richtige dafür an. Sie haben nicht nur darüber nachgedacht, wie man in ihrer Kleidung am besten Sport machen kann, sie soll auch davor und danach funktionieren. Und dann auch noch möglichst umweltfreundlich in Material und Herstellung sein. Damit haben sie eigentlich alle relevanten Themen der Mode abgedeckt.

Sie wissen, wie die Konsumenten da draußen ticken. Die beiden sind Profis für Außenwirkung. Nadine-Isabell Baier arbeitete viele Jahre bei der internationalen Modeagentur Karla Otto. Beim Autobauer Mercedes-Benz traf sie Arendt van Deyk. Er war dort verantwortlich für die globale digitale Kommunikation. Sie kümmerte sich um das Modeengagement von Mercedes und damit auch um die Berliner Fashion Week.

Mehr als die Hälfte der Produkte des amerikanischen Marktführers Nike werden nicht für den Sport gekauft

Die Münchnerin denkt laut darüber nach, wieso Sportbekleidung so gut in unsere Zeit passt: „Vielleicht, weil alles so schnelllebig ist. Alle müssen immer mehr Informationen verarbeiten. Und weil wir es können, müssen wir immer mehr gleichzeitig machen.“ Es ist nicht zu überhören, sie hat die Beschleunigung am eignen Leib erfahren. „Da ist es doch ganz logisch, dass die Frauen keine Lust mehr haben, sich auf Stilettos abzuquälen. Sie müssen schnell und agil sein.“

Neu ist es keineswegs, dass Turnschuhe, Sweatshirts und Jogginghosen auf der Straße getragen wurden. Aber erst in den neunziger Jahren brachten die Sportartikelhersteller ihre eigenen Kollektionen für die Straße heraus. Adidas legte unter dem Logo „Adidas orginals“ den Turnschuh „Stan Smith“ neu auf, der erstmals nicht zum Sportmachen gedacht war. Dann ließen die großen Häuser Designer wie Stella McCartney und Jeremy Scott für sich arbeiten.

Heute werden mehr als die Hälfte der Produkte des amerikanischen Marktführers Nike nicht für den Sport gekauft. Und Nike-Chef Mark Parker kündigte kürzlich an, mit seinen Produkten mehr darauf eingehen zu wollen, dass es immer weniger um ein Entweder-Oder gehe, sondern alles für alle.

Arendt van Deyk und Nadine-Isabelle Baier wollen mit ihrem Label der Umwelt möglichst wenig Schaden zufügen.
Arendt van Deyk und Nadine-Isabelle Baier wollen mit ihrem Label der Umwelt möglichst wenig Schaden zufügen.Foto: promo

Vor ein paar Jahren erreichte die Sportmode die Haute Couture

Die kleine Berliner Marke Arys nennt ihre schlichten, aber funktionstüchtigen Entwürfe „Fusionwear“. Ähnlich wie bei Aeance kommt die Kleidung mit wenigen Nähten aus, wird zum großen Teil nachhaltig und in Europa produziert und damit beworben, dass man in ihr ebenso einen Marathon bestreiten wie einem Bus hinterher sprinten kann.

Vor ein paar Jahren erreichte die Sportmode schließlich die Haute Couture. Bei Donatella Versace sah die Präsentation im Sommer 2014 aus wie ein Schaulaufen im Sportstudio. Bei Louis Vuitton wurden kürzlich kurze, satinglänzende Laufhöschen in den Mittelpunkt der Kollektion gestellt. Junge Pariser Designer wie Gosha Rubchinskiy und Virgil Abloh von Off-White mischen inzwischen so viele Sportelemente in ihre Kollektionen, dass einem vor lauter Logos die Ohren schlackern. Rubchinskiy rasierte seinen Models für die letzte Schau sogar die drei Streifen von Adidas in die kurz geschorenen Haare. Jetzt macht also eigentlich jeder alles. Genauso, wie Schauspielerinnen in Turnschuhen auf dem roten Teppich erscheinen, kann man heute in Haute Couture Sport machen.

Das alles ist chaotisch und löst die fein säuberlich getrennten Felder auf, in denen Mode traditionell bespielt wird. Es geht nicht mehr um eine bestimmte Funktion, noch nicht mal um einen bestimmten Anlass. Mode soll für alles bereit sein. Wenn man nach der Arbeit auch noch sofort ins Fitnessstudio und danach in die Bar gehen kann, entspricht Kleidung genau den Anforderungen, die auch an den modernen Menschen gerichtet werden.

Nachhaltige Funktionskleidung ist immer noch die Ausnahme

Nadine-Isabelle Baier und Arendt van Deyk wissen all das. Trotzdem, so beteuern sie, ist die Gründung von Aeance keiner geschickten Marketingstrategie geschuldet, sondern dem Gefühl, hier mit eine Lücke gefunden zu haben. Denn nachhaltige Funktionskleidung ist immer noch die Ausnahme. Wer Nachhaltigkeit mit Funktion verknüpfen will, landet oft beim Kompromiss. Meistens ist Sportswear aus Kunstfasern, damit sie elastisch und atmungsaktiv ist.

„Wir sind keine Biomarke, wir versuchen nur, der Umwelt so wenig wie möglich Schaden zuzufügen“, sagt Arendt van Deyk. Die richtigen Materialien zu finden, war ein langer Prozess. Zusammen mit dem Schweizer Stoffhersteller Schoeller entwickelten sie ein technisches Material für ihre Jacken, Westen und Hosen, das mit dem hochwertigen Prüfsiegel „Bluesign“ versehen ist. Die Oberteile sind aus einem Merinowollgemisch, viele Nähte sind nicht genäht, sondern geklebt.

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„Wir finden verklebte Nähte fantastisch, weil sie robust und clean sind“, sagt Nadine-Isabelle Baier und fordert ihren Partner auf, zum Beweis ein Video vorzuführen. Arendt van Deyk startet den „Belastungstest“ und schaut auf seinem Handydisplay zwei Minuten lang begeistert einer in einen Apparat eingespannten Leggings dabei zu, wie sie nach minutenlangem Gezerre direkt neben der geklebten Naht reißt. „Toll, oder?“, rufen die beiden. Spätestens jetzt muss man ihnen glauben, dass sie Sportmode aus Überzeugung machen.

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