Open-Air : Ed-Sheeran-Konzert steht auf der Kippe

85.000 Karten sind seit Monaten verkauft. Doch Düsseldorf streitet über den Auftritt von Ed Sheeran Ende Juli auf einem Messegelände. Es geht um Sicherheit und Naturschutz

Claudia Seiring
Der Musiker Ed Sheeran bei einem Auftritt in New York Ende 2017.
Der Musiker Ed Sheeran bei einem Auftritt in New York Ende 2017.Foto: Lucas Jackson/Reuters

Wer nach Karten für das Open-Air-Konzert von Ed Sheeran in Düsseldorf sucht, wird kein Glück mehr haben: Ausverkauft, heißt es bei den Ticketanbietern, 85000 Karten – die teuersten kosteten 250Euro – sind verkauft. Doch auch die, die im Besitz einer Eintrittskarte sind, könnten enttäuscht werden: Im Moment sieht es so aus, als ob der Auftritt des britischen Superstars am 22.Juli auf der Kippe steht.

Grund dafür sind Verwerfungen in der Stadtspitze, Naturschutzbedenken und Fragen zur Sicherheit. Die oppositionelle CDU-Fraktion hat in dieser Woche beschlossen, dem Event seine Zustimmung zu verweigern. „Es gibt einfach noch zu viele offene Fragen, die unter dem Druck der Zeit nicht beantwortet werden können“, sagte der Düsseldorfer CDU-Chef Thomas Jarzombek zur Begründung. Das sieht Oberbürgermeister Thomas Geisel von der SPD völlig anders. Er sehe keinen sachlichen Grund, dem Auftritt die Zustimmung zu verweigern, und befürchtet einen „dramatischen Reputationsschaden“, wenn die Veranstaltung abgesagt werden muss.

Feldlerchen und Bomben verhinderten das ursprüngliche Konzert

Das Konzert soll auf einem Messeparkplatz im Norden Düsseldorfs stattfinden, den die Stadt sowieso zu einem Ort für Open-Air-Veranstaltungen ausbauen möchte. Ursprünglich sollte das allerdings erst im nächsten Jahr geschehen. Doch überraschend suchte das Management von Ed Sheeran Anfang des Jahres einen Ausweichort für ein ursprünglich am Flughafen Essen-Mülheim geplanten Auftritt. Geschützte Feldlerchen und Bomben aus dem Zweiten Weltkrieg verhinderten, dass der 27-jährige Künstler dort singen konnte.

Nun also Düsseldorf. Die Stadt wollte unbedingt aushelfen – schließlich wäre Sheerans Auftritt als Premiere am neuen Veranstaltungsort eine großartige Werbung. Dass auf dem Gelände 104 Bäume gefällt werden müssen, rief Naturschützer und die Grünen auf den Plan. Mehr als hundert Bäume für vier Stunden Konzert zu opfern, sei nicht angemessen, hieß es. In der Diskussion darüber wurde von manchem unterschlagen, dass diese Bäume für den neuen Veranstaltungsort sowieso weichen müssten.

Ein Verkehrsforscher übte Kritik am Sicherheitkonzept

Als die „Westdeutsche Zeitung“ schließlich Verkehrsforscher Michael Schreckenberg zitierte, der in die Aufarbeitung der Loveparade-Katastrophe von Duisburg involviert war, fokussierte sich die Debatte auf den Sicherheitsaspekt: Er sehe in dem Vorhaben eine „hastig geplante“ Veranstaltung, „deren Planungszeit nicht ausreicht, um die Sicherheit der Besucher zu gewährleisten“, sagte Schreckenberg der Zeitung. Ein Sprecher der Düsseldorfer Feuerwehr widersprach. Es habe in Düsseldorf keine Kompromisse bei der Sicherheit gegeben. „Wir haben das Loveparade-Unglück hautnah miterlebt. Unsere Forderungen wurden alle erfüllt.“ Die Situation, so der Sprecher weiter, sei mit der in Duisburg nicht vergleichbar. Es gebe auf dem Gelände keine Engstellen ohne Fluchträume. Bei einem Unwetter stünden die anliegenden Messehallen und die nahe gelegene Arena bereit.

Die Entscheidung ist vertagt - auf den 27. Juni

Eigentlich sollte der Planungsausschuss am Mittwoch über die Vorlage und damit über das Konzert abstimmen. Doch Oberbürgermeister Geisel sagte den Termin ab und vertagte den Ausschuss auf den 27. Juni. Bis dahin, so heißt es aus dem Rathaus, werde man den Wunsch nach mehr Informationen erfüllen. Außerdem solle eine „geänderte Entscheidungsvorlage“ eingebracht werden.

„Perfect“, wie der aktuelle Hit Sheerans heißt, ist damit nicht nur in Düsseldorf noch lange nichts. „Es gibt eine gewisse Verunsicherung bei den Ticketbesitzern“, sagt Bernd Zerbin, Pressesprecher der Konzertagentur FKP Scorpio, die ihren Sitz in Hamburg hat. Er bestätigt, dass das Konzert in Düsseldorf seit Monaten ausverkauft ist. Auch in der Agentur warte man nun auf die Entscheidung der Stadt am 27.Juni. „Das Genehmigungsverfahren für ein solches Konzert ist ein Prozess. Wir haben alle Auflagen erfüllt“, erklärt Zerbin. Wenn noch Nachbesserungen erforderlich seien, würden diese ebenfalls geleistet. „An den Worst Case denken wir im Moment nicht. Wir tun alles dafür, dass das Konzert stattfinden kann.“ Und wenn nicht? „Dann werden wir die Tickets zurücknehmen und erstatten.“ (mit dpa)

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