Ausflugstipps für Hipster : Im Herbst nach Meck-Pomm?

Aber ja, das geht! Ob Warmtanzen am Strand von Heiligendamm oder Plattenkaufen in Warnemünde: sechs Tipps für Berlin-müde Hipster.

Daniela Prugger
Im „Coaast“ in Warnemünde gibt es nicht nur Schallplatten, man kann sich auch bei Bier und Kaffee zwischen den Regalen verlaufen.
Im „Coaast“ in Warnemünde gibt es nicht nur Schallplatten, man kann sich auch bei Bier und Kaffee zwischen den Regalen verlaufen.Foto: Promo

Schwerin

Ein Freitagabend in der Landeshauptstadt. Selten fährt ein Auto die Bornhövedstraße entlang bis zum Schweriner Innensee, eine schwarze Wasseroberfläche, auf der kleine Boote schunkeln. Ein Mann, Mitte 30, Weg-Bier in der Hand, steuert auf das Ufer zu, wo bunte Lichterketten Birke mit Birke verbinden. Er verschwindet im Stimmengewirr des „Angler II“, Hafenkneipe, Konzert-Location, Restaurant – und Garant für einen gemütlichen Abend.

„Moin“ sagen die Raucher, die vor dem Eingang stehen, wenn sie mehr werden. Und während draußen der Wind die Äste einer Trauerweide gegen die Holzwände peitscht, zupft drinnen ein Musiker die dicken Saiten seines Kontrabasses. Eine Diskokugel dreht sich und wirft Lichtflecken auf tätowierte Arme, Regenjacken, Meerjungfrauen an den Wänden.

Zwei Minuten vom Marktplatz entfernt steht der Club „Komplex“ wie eine Festung in der Nacht. Musikalisch wechselt das Thema zwischen Drum ’n’ Bass, Techhouse, Elektro, Swing und Rock – „und wenn Letzteres, dann Punkrock“, sagt Henning, 36, Sakko, T-Shirt und Veranstalter der Tanzreihe. Schwerin hat nun mal keine Universität und die Mittzwanziger gehen nach Rostock oder Berlin.

Nach einer langen Nacht ein Katerfrühstück, am besten in der Rösterei Fuchs, wo Claudia Pirnke die Bestellungen in den Computer tippt. Am Nachmittag serviert sie Cappuccino, Trinkschokolade und Chai Latte, am Abend Prosecco, Weißwein und orientalischen Linsensalat. Als Pirnke vor 13 Jahren ihren Job in der Verwaltung aufgab und mit einem Kaffeehaus neu anfing, war Schwerin noch nicht bereit für Coffee to go und Pastrami. Heute ist das anders.

Heiligendamm

Sarah Fleischer feiert den achten Geburtstag ihres „Deck Heiligendamm“. Der Beach-Club öffnet auch im Winter, dann meist tagsüber. Nur bei Regen und Sturm ist geschlossen. Doch leichte Brise und Minusgrade machen den Gästen nichts aus. „Die wissen ja, worauf sie sich einlassen, wenn sie an einem Novembernachmittag an die Ostsee fahren.“ Mit Mütze, Pulli und Sanddornsaft bevölkern die Gäste die 200 Quadratmeter große Terrasse. Genießen den Blick aufs Meer, essen Pommes, Currywurst oder Suppe. Im Sommer zieht es vor allem die Jungen aus Berlin, Hamburg und München in den Club, der noch bis Ende Oktober Electropartys und Feuershows am Strand veranstaltet.

Warnemünde

Rostock beginnt oder endet im Ortsteil Warnemünde, je nachdem, wen man fragt. Während sich die Touristengruppen am Warnemünder Strom entlang schieben, vorbei an den Backsteinhäusern, Fischrestaurants und Regenjacken-Shops, sortiert Frank in seinem Laden alte Schallplatten. Der 59-Jährige trägt Dreitagebart und Armbanduhr mit vier Abba-Köpfen auf dem Ziffernblatt. „Unser Kerngeschäft sind die 60er und 70er“, sagt er. Seit einiger Zeit verkaufen sich auch die Modern Talking-Scheiben wieder, die jahrelang rumlagen. Die Nachfrage kommt aus Berlin.

Das „Coaast Schallplattencafé“ befindet sich am Leuchtturm 4, von hier sieht man Sanddünen und Ostsee. Auf den Pflastersteinen kreischen die Möwen, auf dem Meer tönt das Signalhorn einer Fähre, und im Schallplattencafé läuft Santana. Weil vor einigen Jahren an den „Laden“ das Wort „Café“ angehängt wurde, steht Frank hinter einem kleinen Tresen, der eher an ein DJ-Pult erinnert, und drückt alle paar Minuten auf den „Cappuccino“-Knopf. Seit er Kaffee verkauft, darf der Laden auch an Sonn- und Feiertagen aufsperren. Bier gibt es im Coaast schon seit der Eröffnung im Jahr 1991.

Direkt gegenüber, an der S-Bahn-Station Warnemünde Werft, steht das „Dock Inn“. Wie Waben sind die Container aufgestapelt, in denen sich die Zimmer des Hostels befinden. Wer hier übernachtet, hat eine ideale Anbindung an die Innenstadt und bucht den lässigen Aktivurlaub gleich mit: Vor der Tür parken Longboards und Strandfahrräder. In der Boulderhalle nebenan klatschen Sportler ihre Hände zusammen und lassen das Magnesiumpulver aufstäuben. Die hohe Eingangshalle aus Beton erinnert an ein Loft. Hier befinden sich die Rezeption, ein kleiner Laden, der Fair-Wear-Shirts eines Rostocker Modelabels verkauft, und das Restaurant. Bierbänke, Europaletten und Holztische von skandinavischen Designern. An den Wänden kleben „Refugees Welcome“- und „Kein Mensch ist illegal“-Sticker.

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Volleyballer in ihren Trainingsanzügen hängen auf Couches, daneben starren junge Touristinnen auf ihr MacBook und trinken Fritz Cola. Im Dock Inn ist man schnell beim Du, kann den ganzen Tag abhängen und am Abend versumpfen, am besten bei den Konzerten. Oder in der hauseigenen Vinylbar, einem Container in dem die LPs von Adam Green, Miles Davis und Feine Sahne Fischfilet darauf warten, abgespielt zu werden.

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