Casa Cook auf der Insel Kos : Der Pauschalrulaub für Hipster

Runterschalten. Aber unbedingt mit Highspeed-Internet, auf Designermöbeln und zwischen jungen Vollbartträgern. Auf der Insel Kos erfinden sie den Urlaub aus dem Katalog neu.

Felix Denk
Wenn der Weg zum Meer zu weit weg ist
Wenn der Weg zum Meer zu weit weg istFoto: Casa Cook

Die Erste, die man trifft, ist Illeni, smarte, schwarze Sportswear, dramatischer Lidstrich. Sie sei die „Guest Experience Managerin“, sagt sie, legt die Hand auf die Schulter des Neuankömmlings. „Setz dich doch. Magst du was trinken?“

Sie ist eine wichtige Person, denn Experience ist hier das große Ziel. Von Anfang an. Statt einer Rezeption empfangen einen in der Casa Cook auf der griechischen Insel Kos: ein großes Sofa, ein paar Sessel, ein Kamin, ein langer Couchtisch mit schweren Bildbänden, ein wandhohes Regal mit schönen, handgefertigten Gegenständen, die keiner näheren Funktion dienen, als schön und handgefertigt auszusehen.

Die Rezeption, die wie ein Wohnzimmer ausschaut, liegt gleich neben dem Concept-Store mit Juice-Bar, die so auch irgendwo in Berlin-Mitte stehen könnte. Davor baumeln ein paar Hängematten, Palmen werfen fotogene Schatten auf das Pflaster, Vögel zwitschern.

Eine Bassline wummert aus den Boxen, die überall montiert sind, und massiert die Gehörgänge. Wie alles hier sagt auch sie: Mach dich locker. Wirklich gar nichts deutet darauf hin, dass dieses neue, cool gestaltete Hotelresort - ein Pauschalangebot ist.

Gegen das all-inclusive-Klischee

Pauschalurlauber. Das sind die, die im Flugzeug bei der Landung klatschen, am Pool morgens mit Handtüchern die Liegen belegen und am liebsten all inclusive sehr viele Cocktails mit Schirmchen drin kippen. So weit das Klischee. Läuft man durch die Hotelanlage der Casa Cook aus ein- bis zweistöckigen Bungalows, die in ihrer kubischen Form und Anordnung der verwinkelten Architektur eines griechischen Dorfs nachempfunden sind, fehlt vom Pauschalurlauber-Klischee jede Spur.

Man trifft viele „Sie-zum-Yoga-er-zum- Joggen“-Paare, hie und da mal einen Vollbartträger, einige „Leggings-nicht-nur-zum- Sport“- Frauen und gelegentlich sogar den einen oder anderen Männerdutt. Deutsche, Schweizer, Briten, Belgier, die tatsächlich alle wie Tante Helga, wenn sie auf Jahresurlaub nach Malle will, pauschal gebucht haben. Geht nämlich nicht anders. Die Casa Cook gehört zu Thomas Cook, dem Erfinder der Pauschalreise.

Die schönste Bucht auf Kos soll die von Kamari sein - sie liegt am südwestlichen Spitz der Insel.
Die schönste Bucht auf Kos soll die von Kamari sein - sie liegt am südwestlichen Spitz der Insel.Foto: Mauritius

„Wir waren ziemlich neugierig, wer kommen würde“, sagt Petros Kallergis. Der 47-Jährige ist Manager des neuen Resorts. Nach Korfu, Kreta und Rhodos steht Kos an vierter Stelle bei den Griechenland-Touristen. Die meisten urlauben an der Südküste mit ihren langgezogenen Sandstränden, wo die großen Hotels sind.

Der Norden der Insel ist ruhiger. Von den Dünen, in die die Hotelanlage hineingebaut ist, blickt man aufs türkische Festland, nach Bodrum, dazwischen liegen ein paar unbewohnte Inseln.

Die Casa Cook Kos ist das zweite Hotel der neuen Boutique-Marke, die eine lifestyle-orientierte Zielgruppe ansprechen soll. Das erste hat vor zwei Jahren auf Rhodos eröffnet. Am Anfang war das Durchschnittsalter der Gäste um die 45, erzählt Kallergis.

Dann kamen Mode-, Design- und Food-Blogger, das Interior-Magazin „Wallpaper“ lobte den Look der Anlage, die prominente Yogalehrerin Annika Isterling aus Hamburg gab Kurse, und schon sank das Durchschnittsalter. Irgendwo zwischen 25 und 35 sei man nun.

Die Gäste bleiben zwischen vier und zehn Tagen und verlassen die Anlage selten. Warum auch? Ist ja alles hier, wie Guest Experience Managerin Illeni am Empfang sagt. Strand, Pool, Spa, Gym, Bar und Restaurant: „Das hat den ganzen Tag offen. Wirklich den ganzen Tag.“

Die großen Ketten buhlen um Millennials

Die Casa Cook ist Teil eines Trends, der gerade die Branche neu ordnet. Die Millennials und ihre Stilneigungen geraten in den Fokus der großen Ketten, also Menschen, die nach 1980 geboren wurden. In Städten kann man das schon länger beobachten. Das „Jaz“ in Amsterdam etwa gehört zu den angesagten Adressen. Die Website duzt die Besucher („Hier erwarten Dich echte Erlebnisse“), regelmäßig legen DJs auf und auf der Craft-Beer-Karte stehen Foodpairing-Optionen.

Das „Jaz“ gehört zur nicht unbedingt für ihre Funkyness berühmten Steigenberger Gruppe. Hyatt, Accor, Best Western, Intercontinental - viele Bettenriesen mischen plötzlich mit im Geschäft mit den Trendherbergen. Das Marktsegment gilt als besonders lukrativ. Aktuell ist es der Bereich mit dem größten Wachstum. Mit solchen Boutique-Angeboten will sich die Hotellerie gegen Airbnb in Stellung bringen.

Und das beginnt mit dem Look. Wie schon auf Rhodos hat die Berliner Designagentur Lambs and Lions die Casa Cook mit lokalen Architekten aufwändig in Szene gesetzt. Die Zimmer, Suiten und Häuser sind mit skandinavischen Designobjekten ausgestattet, die Mid-Century-Loungechairs und -tische aus rotbraunem Tropenholz wurden eigens entworfen. Farblich dominieren warme Erdtöne, kontrastiert mit viel Sichtbeton. Die

Oberflächen der verwendeten Materialien haben eine besondere Haptik, mal rau und grobporig, dann wieder ganz weich. Als wäre das Zimmer ein multisensorisches, instagram-optimiertes Achtsamkeitstraining. Und dann finden sich da noch ein paar Gadgets. Etwa ein Speaker für das Smartphone in Marshall-Verstärker-Optik, mit dem man Musik hören kann, und ein Handy zum kostenlosen Surfen und Telefonieren. Dialektik des modernen Lebens: runterschalten, aber bitte mit Highspeed-Internet.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben